Kandidatensuche für Kommunalwahlen: AfD-Stammtisch mit Christl Fischer in Waldmünchen

Es war der erste AfD-Stammtisch im Raum Waldmünchen, der am Dienstag im Restaurant Jesolo stattfand. „Mehr in die Breite und in die Tiefe“ wolle man mit den Stammtischen gehen, hatte der frisch gewählte Bundestagsabgeordnete Reinhard Mixl den Grund für die Versammlung benannt. So wolle man den guten Wahlergebnissen in der Region gerecht werden.
In Waldmünchen hatte Mixl 23,3 Prozent und seine Partei 24,2 Prozent erreicht. Diese guten Wahlergebnisse will die AfD jetzt auch bei der Kommunalwahl umsetzen. Allerdings fehlt ihr dazu in der Fläche offensichtlich noch das Personal, um eigene Ortslisten aufstellen zu können. Im Fall von Waldmünchen mit einem 20er-Stadtrat müsste man beispielsweise bei der Kommunalwahl mindestens sieben Personen aufstellen, um keine Stimme zu verlieren.
Was Redakteur Martin Hladik zu dieser Strategie denkt, lesen Sie in dem Kommentar: Der Weg in die Stadt- und Gemeinderäte ist kein Selbstläufer
Doch jetzt zur Versammlung selbst: Begrüßt wurden die Besucher der AfD auf der einzigen Zufahrtstraße zum Restaurant von rund 40 Protestierenden, die Plakate gegen die vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestufte AfD hochhielten. Bei den Demonstranten handelte es sich allerdings nicht um die Antifa, wie sie mehrfach in der AfD-Versammlung benannt wurden, sondern zum größten Teil um Waldmünchner Bürger, die ihren Unmut über die Veranstaltung kundtun wollten. Unter den Teilnehmern waren auch einige Stadträte und viele andere in der Stadtgesellschaft aktive Personen.
Gut gefülltes Lokal
Um kein falsches Bild zu zeichnen: Auch der Großteil der 80 bis 90 Besucher des AfD-Stammtisches stammte aus dem Landkreis Cham. Dies zeigten zumindest die vor dem Lokal geparkten Kfz-Kennzeichen. Erster Redner der Veranstaltung war Josef Lintl aus Hiltersried bei Schönthal. Er schilderte zunächst mit hörbarem Genuss, dass die CSU eine ihrer Veranstaltungen in dem Lokal abgesagt hat, um dann einen Vergleich zwischen einer schlecht besuchten CSU-Veranstaltung am Aschermittwoch in Waldmünchen mit der Besucherzahl beim AfD-Stammtisch zu ziehen. Das dies bei der CSU eine örtliche Veranstaltung war, zum Stammtisch dagegen überörtlich eingeladen wurde, ließ Lintl unberücksichtigt.
Warum die Veranstaltung nicht wie ursprünglich geplant in Hiltersried stattfinden konnte, erklärte er danach. Gegen eine politische Veranstaltung in einem im Gemeindebesitz befindlichen Gebäude habe sich der Schönthaler Bürgermeister Ludwig Wallinger gewehrt. Daraufhin, so Lintl, habe er selbst den Veranstaltungsort zurückgezogen und „innerhalb von 1,5 Stunden“ den neuen Ort gefunden.
Den Grund für die Veranstaltung benannte Lintl dann schnell. Man wolle Mitglieder werben und Personen, die sich aufstellen lassen. So wolle man die Bundestagswahlergebnisse auch bei der Kommunalwahl umsetzen. Er forderte die Anhänger auf, zu kandidieren: „Wir stehen zu 1000 Prozent hinter euch.“
Christl Fischer als dritte Rednerin
Als lokales Thema griff Lintl kurz die Windradplanungen auf dem Frauenstein auf, die nicht kommen dürften. Besser sei es, billigen Atomstrom zu produzieren. Dieses Thema benannte später auch Mixl, der sagte, dass man fünf Kernkraftwerke wieder anfahren könne.
Ansonsten ging der gewählte Abgeordnete auf die im alten Bundestag verabschiedete Grundgesetzänderung ein. Eine Billion neue Schulden sei ein „Verschuldungswahnsinn“. Die Schulden würden den Verbraucher jährlich mit 512 Euro pro Kopf allein für Zinszahlungen belasten, hat er ausgerechnet. Zudem würden die Kosten für Kredite weiter steigen. „Wir sind die einzigen, die sagen, dass der kleine Mann die Rechnung zahlt“, sagte Mixl.
Dritte Rednerin war Christl Fischer aus Furth im Wald, die mit starkem Applaus bedacht wurde. Sie ging zunächst darauf ein, warum die AfD sich nicht wie geplant am 2. April im Naturfreundehaus in Furth treffen kann (wegen des Einspruchs der Naturfreunde nämlich) und sich jetzt in Warzenried im Gasthof Am Hahnenberg treffen wird.
Danach berichtete Fischer über einen Streit mit der Schule, die ihr Sohn vor Jahren besucht hat. Sie wollte die Schultasche ihres Kindes ersetzt bekommen. Nach ihrer Darstellung sei dies nicht geschehen, weil ein „Gastschüler“ beteiligt gewesen sei. Den Vorgang bezeichnete sie als „gelebte Demokratie“. In der Coronazeit sah sich Fischer als Ungeimpfte öffentlich angegriffen. Sie forderte eine Aufarbeitung, vor der „sämtliche Politker“ Angst hätten, „weil sie Menschenleben auf dem Gewissen haben“.
„Des halt nimmer lang!“
Mit dem Zitat „Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zu Pflicht“, schloss Fischer ihre Rede, um noch nachzuschieben „des halt nimmer lang“.
