Ausbau der B85 bei Schwandorf wird ein Kraftakt – Elf Brücken müssen erneuert werden

Der vierspurige Ausbau der B 85 auf dem gesamten Abschnitt zwischen Amberg-Ost und Schwandorf steht seit langem auf der Wunschliste. Denn bisher kann man nur bis Pittersberg gefahrlos überholen. Doch das Staatliche Bauamt ist dran an dem Langzeitprojekt. Nun tut sich etwas bei der Nordumgehung.
Passanten und aufmerksamen Autofahrern ist nicht entgangen, dass an den Brückenbauwerken der B 85 im Naabtal zwischen Richt und Fronberg seit einiger Zeit Bohrungsarbeiten laufen. Mit schwerem Gerät erkundet die Firma Bohr- und Brunnenbau Dippold aus Oberfranken die geologischen Verhältnisse unter der Nordumgehung.
Bohrungen sind zusammen 1330 Meter tief
Nach Angaben aus dem Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach sind auf dem Abschnitt durch das Naabtal insgesamt 69 Bohrungen vorgesehen, die zusammen eine Tiefe von 1330 Metern erreichen. Bis in den Mai wird die Maßnahme voraussichtlich andauern.
Die Bohrkerne, die bei den Arbeiten gefördert werden, werden in die Prüflabors der Landesgewerbeanstalt Bayern (LGA) verfrachtet und dort nach allen Regeln der Kunst untersucht. Auf dem Prüfstand stehen unter anderem „umweltrelevante Stoffe“ und bodenmechanische Eigenschaften. „Gleichzeitig erfolgt auch eine geoarchäologische Begutachtung zur Prüfung auf bodendenkmalpflegerische Befunde“, wie Frank Viehmann informiert. Er ist so etwas wie der oberste Planer im Bereich Straßenbau am Staatlichen Bauamt.
Acht Kilometer bis zur A93 fehlen noch
Hintergrund der Probebohrungen ist ein Langzeitprojekt, dessen Umsetzung sich bis in die 2030er-Jahre hinziehen wird – der vierspurige Ausbau der B 85 auf dem Teilstück zwischen den Autobahnen A6 (Anschlussstelle Amberg-Ost) und A93 (Anschlussstelle Schwandorf-Nord). Jeweils zwei Richtungsfahrbahnen gibt es bisher lediglich auf dem 2,6 Kilometer langen Teilstück von Amberg-Ost bis Pittersberg. Die fehlenden knapp acht Kilometer bis zur A93 stecken noch immer in der Planungsphase.
Am weitesten gediehen sind die Vorarbeiten für die Etappe von Pittersberg bis zum Beginn der Nordumgehung bei Kreith. Für die Planung dieses Teilabschnitts wurde laut Viehmann beim Bund bereits die Genehmigung des Vorentwurfs beantragt. Wenn diese vorliegt, das heißt, die erforderlichen Haushaltsmittel gebilligt sind, folgt noch ein Planfeststellungsverfahren. Erst wenn dieses abgeschlossen ist, besteht auch wirklich Baurecht. Aktuell wird mit Kosten von rund 25 Millionen Euro für den Teilabschnitt gerechnet – Stand jetzt. Eine allgemeine Erhöhung der Baukosten wie in den vergangenen Jahren ist in die Summe noch nicht eingepreist.
Noch ganz andere Dimensionen dürften bei der gut fünf Kilometer langen Nordumgehung zwischen Kreith und der Anschlussstelle Schwandorf-Nord erreicht werden. Elf Brückenbauwerke gibt es auf diesem Teilstück, und sie alle müssen laut Viehmann „in absehbarer Zeit“ erneuert werden. Der Zustand der Brücken ist nach seinen Worten auch einer der Gründe, warum man den Ausbau der Nordumgehung nicht zu sehr auf die lange Bank schieben will.
Nordumgehung wird eine spektakuläre Baustelle
Die Umsetzung wird spektakulär werden. Denn nach dem bestehenden Grobkonzept sollen zunächst an die bestehenden Brücken „neue Teilbauwerke“ für die zweite Fahrbahn angebaut werden, auf die der Verkehr nach ihrer Fertigstellung umgeleitet werden kann. Dann können, in einer zweiten Phase, die bestehenden Brücken abgerissen werden. So will man eine jahrelange Großbaustelle mit weiträumigen Umleitungen vermeiden.
Zurzeit befindet sich das letzte Teilprojekt aber noch im Stadium der Entwurfsplanung. Ende 2023 wurde der Auftrag laut Viehmann an ein süddeutsches Ingenieurbüro vergeben, das einen Vorentwurf für die haushaltstechnische Genehmigung erarbeitet. Mit einem Beginn der Bauarbeiten rechnet das Staatliche Bauamt „nicht vor dem Jahr 2030“.
Im Schnitt 12.400 Fahrzeuge am Tag
Zuletzt wurden nach Angaben der Behörde auf der B 85 zwischen A6 und A93 pro Tag im Schnitt rund 12.400 Fahrzeuge gezählt. Die Zahlen aus dem Jahr 2018, also vor Corona, schwanken je nach Teilabschnitt zwischen 10.400 und 15.600 Fahrzeugen täglich. Der Anteil des Schwerlastverkehrs lag zuletzt bei rund zwölf Prozent. Vor Corona gab es aber auch höhere Werte. Im Jahr 2018 war auf der Nordumgehung teilweise jedes fünfte Fahrzeug ein Lkw.
Frank Viehmann vom Staatlichen Bauamt geht davon aus, dass der Verkehr auf der B85 „der allgemeinen Verkehrsentwicklung folgen und damit eine weitere Steigerung erfahren wird“. Eine Prognose für das Jahr 2040 solle „in Kürze“ in Auftrag gegeben werden.

