Großprojekt erreicht wichtige Etappe – In Schwandorf nun auch Mittlere Naabbrücke betoniert

Schwandorfs spektakulärstes Bauprojekt ist einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Am Donnerstag wurde der Überbau für die Mittlere Naabbrücke zwischen Wöhrvorstadt und Stadtpark komplett einbetoniert. Die markante Tragkonstruktion, die schon von weitem sichtbar ist, soll voraussichtlich nach Ostern abgebaut werden.
Hannes Neudam, der als Abteilungsleiter Brückenbau am Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach das Vorhaben betreut, spricht von einem weiteren Meilenstein bei den Bauarbeiten, die im August 2023 begonnen haben. Für ihn ist die Baustelle etwas Besonderes: „Seit zwölf Jahren arbeite ich bei der Behörde. Und die Naabbrücken haben mich vom ersten Tag an begleitet.“ Nach jahrelanger Planung und monatelangen Bauarbeiten biegt das Projekt nun langsam in die Zielgerade ein.
Eine anspruchsvolle Aufgabe
Die Betonage des Überbaus an der Mittleren Naabbrücke, auf dem künftig die Fahrbahn verlaufen soll, markierte eine weitere wichtige Etappe. Die Vorarbeiten bildeten den technisch vielleicht anspruchsvollsten Abschnitt des gesamten Projekts. Denn anders als bei vielen Brückenbauten üblich, wurden Schalung und Bewehrung für die anschließende Betonierung nicht vom Boden aus abgestützt, sondern an einem 200 Tonnen schweren Traggerüst fixiert. Für die Einhebung von Lasten auf die Baustelle musste sogar eigens ein schwimmender Ponton auf der Naab errichtet werden.
Am Donnerstag um 5 Uhr begannen die eigentlichen Betonarbeiten. Bis etwa 15 Uhr war der zwölfköpfige Bautrupp der Habau unter der Projektleitung von Norbert Enders damit beschäftigt, auf den knapp 40 Metern über die Mittlere Naab etwa 560 Kubikmeter Beton einzubauen. Anschließend wurde geglättet und nachbehandelt. 80 Laster standen bereit, um den Baustoff an Ort und Stelle zu bringen – streng getaktet entsprechend dem Fortgang der Arbeiten.
Der nächste Kraftakt und ein Spektakel für interessierte Zaungäste ist bereits absehbar. Voraussichtlich in der Woche nach Ostern soll das 200 Tonnen schwere Traggerüst, das die Ansicht der ganzen Baustelle in den vergangenen Wochen geprägt hat, wieder demontiert werden. Dazu muss es in seine vier Einzelteile zerlegt und von Spezialkränen ausgehoben werden. Der Abtransport erfolgt durch Schwerlaster.
Im Anschluss steht laut Abteilungsleiter Neudam an beiden Naabbrücken der Ausbau der Überbauten an, auf denen künftig die 6,50 Meter breite Fahrbahn verläuft. Dabei wird zunächst der Beton feingestrahlt, dann kommen zur Abdichtung eine Schicht Epoxidharz und mehrere Lagen Bitumen obendrauf. Erst ganz zum Schluss, voraussichtlich Ende Mai/Anfang Juni, folgen die Asphaltierungsarbeiten an beiden Naabbrücken.
Bis es soweit ist, sollen nun auch an der Mittleren Naabbrücke erst einmal die Kappen hergestellt werden. An der Großen Naabbrücke wurden sie bereits Ende des vergangenen Jahres betoniert und bereits auch mit einem Geländer versehen. Die Kappen haben nach den Worten Neudams mehrere Funktionen. Zum einen dienen sie als Trägerkonstruktion für die jeweils drei Meter breiten kombinierten Geh- und Radwege, die auf Wunsch der Stadt Schwandorf an den Brücken angedockt werden. Zugleich sollen sie den Überbau abdichten und auf diese Weise vor Korrosion schützen.
Kostenexplosion blieb aus
Größere Überraschungen blieben auf der Baustelle bisher aus – von alten Brückenfundamenten aus der Zeit vor 1934 einmal abgesehen, die kein Mensch auf dem Schirm hatte. Und weil auch das Wetter mitspielte, „liegen die Arbeiten voll im Zeitplan“, wie Brücken-Spezialist Neudam versichert. Er geht davon aus, „dass wir vor den Sommerferien die beiden Brücken unter Verkehr nehmen können“. Vor der endgültigen Freigabe will die Stadt Schwandorf allerdings erst noch die Fahrbahndecke an der vielbefahrenen Beer-Kreuzung erneuern. Bis zum Jahresende sollen schließlich noch die beiden Behelfsbrücken abgebaut und das Umfeld der gesamten Baustelle wiederhergestellt werden. Dann ist das Gesamtprojekt abgeschlossen.
An den Kosten für die beiden Brücken ist die Große Kreisstadt wegen der Geh- und Radwege mit einem Anteil von rund 18 Prozent beteiligt. Doch auch hier erwartet Neudam keine unerwarteten Steigerungen. „Wir liegen sehr gut im Kostenrahmen“, sagte er der MZ. Die Gesamtsumme dürfte sich nach seinen Worten am Ende zwischen 20 und 22 Millionen Euro einpendeln.
Weitere Meilensteine
April: Abbau des 200 Tonnen schweren Traggerüsts
Ende Mai/Anfang Juni: Abschließende Asphaltierung beider Brücken
Vor den Sommerferien: Austausch der Fahrbahndecke an der Beer-Kreuzung und Freigabe beider Brücken
Bis Ende 2025: Abschluss des Gesamtprojekts

