Die Inklusion läuft über das runde Leder – damit es klappt, schieben Ehrenamtliche kräftig an

Das Engagement von Eltern macht es möglich, dass ein Junge aus dem Cabrini-Haus in Offenstetten seinen Traum verwirklichen konnte. Er steht jetzt mit seinen Freunden gemeinsam auf dem Fußballfeld.
Matthias möchte Fußball spielen. Ein Wunsch, den viele Jungs in seinem Alter haben. Nur: Wer fährt den Jungen, der im Cabrini-Haus wohnt, zu den Trainings und zu den Spielen? Echte Inklusion scheitert nicht selten an solchen Fragen, „stolpert“ über kleine Details. Im Fall von Matthias aber nicht. Der Zwölfjährige spielt seit geraumer Zeit in der D-Jugend der Spielgemeinschaft Offenstetten/Biburg. Ermöglicht wird das durch das Engagement vieler Eltern.
„Matthias äußerte vor einiger Zeit, dass er gerne Fußball spielen möchte“, erzählt Hildegard Zeilbeck, Matthias’ Bezugsbetreuerin im Cabrini-Haus und somit eine der wichtigsten Menschen in Matthias’ Alltag. Also rief sie beim TSV Offenstetten an. Schließlich landete sie bei den Pfeffers, Papa Marco war damals Trainer der Jungs beim TSV Offenstetten, der Sohn spielt auch mit Matthias Fußball. Schnell zeigten die sich bereit, dafür zu sorgen, dass Matthias zu den Trainings und den Spielen kommt. Über eine WhatsApp-Gruppe kommunizieren die Fußballmamis und -papis miteinander.
Ausflüge einen die Kinder
„Wenn sich die Familie Pfeffer nicht eingesetzt hätte, dann könnte Matthias nicht spielen, nicht ins Training kommen“, erzählt Uwe Bopp. Der Biburger trainiert die Jungs zusammen mit Valon Hasani und Christian Mayer. Trainiert wird zweimal die Woche, im Winter abwechselnd in der Turnhalle der Cabrini- und der Prälat-Michael-Thaller-Schule, ansonsten auf dem Fußballplatz in Biburg.
„Für Matthias ist das einfach mal die Möglichkeit, etwas anderes außerhalb des Cabrini-Hauses zu sehen“, sagt Zeilbeck über ihren zwölfjährigen Schützling. Sie und ihre Kollegen könnten es zeitlich gar nicht leisten, einzelne Kinder zum Sport zu fahren. Umso mehr ist sie dankbar um das Engagement der anderen Eltern.
Auch das könnte Sie interessieren: Die Stadt Abensberg sucht ehrenamtliche Fahrer für den Bürgerbus
Doch nicht nur das aktive Kicken eint die Kinder. Auch so mancher Ausflug, den Bopp, Hasani und Mayer mit den fußballbegeisterten Jungs machen, schweißt die Gruppe zusammen. „Wir waren beispielsweise im Oktober beim Länderspiel Deutschland gegen Holland in der Allianzarena“, so Bopp. Auch Fahrten zum Jahnstadion oder ins Westbad gab es schon. Und diese Ausflüge sind nicht nur für Matthias und seine Fußballfreunde eine tolle Sache. Auch andere Kinder aus dem Cabrini-Haus dürfen dann mit. Möglich ist das freilich nur durch Spenden, und die gilt es, eins ums andere Mal zu generieren.
Vollwertige Mitglieder
„Der Uwe, der ist da sehr fleißig“, sagt Zeilbeck beim Pressetermin und die anderen anwesenden Eltern stimmen zu. „Ich versuche halt, die Mannschaft zusammen zu halten“, so Bopp.
So problemlos wie bei Matthias läuft es freilich nicht immer. So gerne vielleicht der eine oder andere Bewohner aus dem Cabrini-Haus zumindest in der Theorie auch gerne Fußball spielen würde, Zeilbeck weiß: „Es ist sicherlich nicht für jeden geeignet. Aber der Matthias, der hat eine hohe Frustrationstoleranz.“
Werden denn die Sportler aus dem Cabrini-Haus – neben Matthias ist mittlerweile ein zweiter Kicker zur Gruppe gestoßen – im Training anders „angepackt“, vielleicht sanfter? „Nein. Und wir fragen auch nicht nach den Hintergründen“, so Bopp, „es geht nur um den Sport, um die Integration.“ Für die anderen Jungs seien die Beiden aus dem Cabrini-Haus vollwertige Mitglieder. „Ich glaube, dass die Kinder hier sehr glücklich sind“, so Bopp.

