Suche Oma, biete Enkelkind: Projekt aus Abensberg will Generationen vereinen

Das neueste „Baby“ von Elke und Albert Pinnecker aus Abensberg (Landkreis Kelheim) soll Familien mit Kindern und Wahl-Omas oder -Opas zusammenbringen.
Ehe man sich versieht, ist man Oma. Und das geht bisweilen auch ohne eigene Enkel. Elke Pinnecker kann ein Lied davon singen. „Ihre“ Lina, ein Nachbarskind, hatte sie irgendwann „adoptiert“. Lange war sie für die Siebenjährige nur die „Miezi-Oma“, weil die Kleine die Katzen der Familie liebte. Mittlerweile geht Lina bei den Pinneckers ein und aus. Die Siebenjährige hat im Übrigen auch zwei richtige Omas. Die Pinneckers sind quasi für die Kleine noch eine Zugabe.
So wie Lina geht es vielen Kindern. Die Großeltern wohnen entweder nicht in der Nähe, sie sind zu gebrechlich, haben wenig Zeit oder leben nicht mehr. Nicht nur für alleinerziehende Mamis ist das schwer, auch für normale Familien. Und auch die Kinder vermissen Omas oder Opas im Alltag. Großeltern, die mit ihnen zum Spielplatz gehen, wenn die Eltern keine Zeit haben, die ihnen vorlesen, die sie vielleicht von der Schule abholen oder einfach nur da sind, wenn die Kleinen vielleicht Trost brauchen. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Senioren, die ohne Familie vereinsamen, sich feste Bezugspersonen, familiären Anschluss wünschen würden. Die Pinneckers wollen nun mit einer Vermittlungsbörse Jung und Alt zusammenbringen.
Der Bedarf ist da
Bei einem Fest merkte Elke Pinnecker, dass auch viele andere Eltern gerne so eine Wahl-Omi in der Nähe hätten: „Mensch, da ist ja wirklich Bedarf da“, dachte sie sich. Warum also nicht Eltern und Wahl-Großeltern zusammenbringen?
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Soweit die Idee, doch die Umsetzung ging freilich nicht von einen Tag auf den anderen, brauchte seine Zeit. Die Pinneckers sind durch ihren Verein Help and Share durchaus erfahren mit den Hürden, an der die Realisierung so manch gut gemeinter Idee oft scheitern kann. „Wir hatten über ein Jahr Vorlauf“, so Albert Pinnecker. Sie mussten sich schlaumachen, was man für so ein Projekt braucht, welche Fallstricke es gibt, wie das Ganze rein rechtlich aussieht. Sie führten Gespräche mit vielen verschiedenen Menschen, kontaktierten Jugendamt oder Gemeinden und brachten schließlich alles in trockene Tücher. „Es ist ja verständlich, dass man sein Kind nicht jedem Dahergelaufenem anvertrauen will“, so Albert Pinnecker.
Der 63-Jährige recherchierte wochenlang, fand heraus, dass die Idee der Wunschgroßeltern in Norddeutschland durchaus nichts Neues ist. Nur in Bayern habe sie sich bisher noch nicht so recht durchgesetzt. Und die wenigen Initiativen, die es bisher gab, seien bald gescheitert, so Pinnecker. Schließlich stieß er auf eine Initiative in Regen, die seit fünf Jahren besteht. Die Erkenntnis: „Man braucht vor allem einen langen Atem.“
Und man müsse „Werbung, Werbung, Werbung“ machen. Mit dem selbst gestalteten Flyer wollen die Pinneckers in den nächsten Tagen eifrig die Werbetrommel rühren. Denn zum finalen Glück fehlen ihnen noch Großeltern. „Es gibt genügend Eltern, die gleich begeistert von der Idee waren“, so Albert Pinnecker, „aber ältere Menschen, die mitmachen wollen, die gehen uns bisher noch ab. Aber vielleicht denkt ja der eine oder andere Rentner, ,Mensch, ich bin noch fit und jetzt hätte ich Zeit‘“.
Bedürfnisse abstimmen
Scheu muss indes niemand haben. Die Pinneckers wollen die beiden Parteien möglichst passgenau zusammenbringen, „das ist fast wie bei Tinder“, spielt Pinnecker auf die beliebte Datingplattform an. Die Eltern sollen im Vorfeld angeben, was sie sich vorstellen und die Großeltern in spe wiederum, was sie überhaupt leisten können und wollen. Im Vorgespräch lernen sich beide Seiten kennen. Auch beim ersten Treffen sind die Pinneckers dabei. Und wenn die Chemie stimmt, kann es los gehen. Der zeitliche Umfang ist dann ganz individuell. Im besten Falle, und natürlich gegenseitige Sympathie vorausgesetzt, werden die Großeltern auch ein Stück weit Teil der Familie.
Elke Pinnecker zumindest kann sich ihr Leben ohne Lina nicht mehr vorstellen: „Man fühlt sich wieder jung, man wird gebraucht“, so ihre Erfahrung, „es lässt meine Seele leuchten“.
Generationen zusammenbringen, von unterschiedlichen Erfahrungen profitieren:
Projekt: Das Projekt Wunschgroßeltern ist unter dem Dach des Vereins Help and Share, den die Pinneckers vor ein paar Jahren gegründet haben. Die ehrenamtlichen Omas und Opas würden sich regelmäßig mit ihren Wahl-Enkeln treffen. Aber es geht nicht um die klassische Kinderbetreuung wie bei Tagesmüttern, sondern einfach darum, eine schöne Zeit miteinander zu verbringen.
Voraussetzung: Ein erweitertes Führungszeugnis ist Voraussetzung. Das ist für Ehrenamtliche gebührenfrei. Die Omas und Opas sollen sich das Engagement zudem mental und körperlich zutrauen und längerfristig interessiert sein. Nur eines geht nicht: Dass sie Haushaltsarbeiten übernehmen.
Kontakt: Telefon (0 94 43) 9 28 17 33; Mobil (0170) 4 44 10 57, E-Mail: wunschgroßeltern@helpandshare.de; www.helpanshare.de
