Trotz Schutzzäunen nimmt die Zahl der geretteten Kröten weiter ab – Straßenverkehr als größte Gefahr

Im Frühjahr machen sich Amphibien auf den Weg zu ihren Laichgewässern – eine Reise, die sie oft mit ihrem Leben bezahlen. Besonders der Straßenverkehr stellt eine enorme Gefahr dar. Mit Krötenzäunen und ehrenamtlicher Hilfe wird versucht, die Tiere vor den tödlichen Hindernissen zu schützen.
Jedes Jahr im Frühjahr beginnt ein Naturschauspiel, das für viele Amphibien zur tödlichen Gefahr wird: die Laichwanderung. Frösche, Kröten und Molche machen sich auf den Weg zu ihren Gewässern, um sich fortzupflanzen. Doch Straßen und Verkehr stellen für sie tödliche Hindernisse dar. Um die Tiere zu schützen, sind ehrenamtliche Mitarbeiter des Bund Naturschutz (BN) im Landkreis Kelheim unterwegs und helfen mit speziellen Krötenzäunen.
„Amphibien verbringen einen Teil ihres Lebens an Land und einen Teil im Wasser. Zur Fortpflanzung müssen sie aus ihrem Winterquartier in die Laichgewässer zurückkehren“, erklärt BN-Kreisvorsitzender Konrad Pöppel. Die Wanderbewegungen der Tiere sind stark vom Wetter abhängig. „Die besten Wandertage sind feuchte Abende mit Temperaturen zwischen fünf und zehn Grad“, so Pöppel.
Neun Krötenzäune errichtet
Das Wanderzeitfenster beginnt meist Ende Februar und dauert maximal bis Ende April. An trockenen oder sehr kalten Tagen bleiben die Tiere hingegen in ihren Winterquartieren, da sie eine gewisse Feuchtigkeit für ihre Wanderung benötigen.
Um die Amphibien zu schützen, errichtet der BN – und mancherorts der Landesbund für Vogel- und Naturschutz – Krötenzäune entlang besonders stark frequentierter Straßen. „Im Landkreis gibt es aktuell neun solcher Schutzanlagen. Im vergangenen Jahr gab es erst sechs davon“, sagt Pöppel. Diese befinden sich unter anderem in Ihrlerstein, Aiglsbach, Langquaid und bei Pullach. Die Tiere werden durch die Zäune zu Sammelstellen geleitet, wo sie in spezielle Kübel fallen. Jeden Morgen sammeln Ehrenamtliche die Amphibien ein und bringen sie sicher auf die andere Straßenseite.
Trotz dieser Schutzmaßnahmen bleibt die Situation für Kröten, Frösche und Molche schwierig. Im vergangenen Jahr konnten im Landkreis Kelheim rund 1000 Amphibien gerettet werden. Laut Pöppel ist diese Zahl jedoch nicht besonders hoch, verglichen mit früheren Jahren, als deutlich mehr Tiere unterwegs waren. „Die Zahl der Tiere nimmt ab, früher gab es eine viel größere Artenvielfalt“, sagt Pöppel.
Amphibientunnel als erster Schritt zum dauerhaften Schutz
Besonders der immer dichter werdende Straßenverkehr stellt eine Gefahr dar: „Vor 30, 40 Jahren waren auf vielen Straßen abends kaum Autos unterwegs. Heute ist das anders, sodass die Wahrscheinlichkeit für die Amphibien, unbeschadet über eine Bundesstraße zu kommen, gegen null geht.“ Das Problem sind laut Pöppel jedoch nicht nur die Autos, sondern auch die Straßen selbst, die historische Wanderrouten der Amphibien unterbrechen. Neue Gewässer wie Regenrückhaltebecken neben Straßen können dazu führen, dass sich dort Populationen ansiedeln, die dann regelmäßig Straßen überqueren müssen.
Neben den temporären Krötenzäunen gibt es bereits erste Ansätze für dauerhafte Schutzmaßnahmen. „In einigen Regionen wurden Amphibientunnel unter Straßen gebaut, durch die die Tiere sicher wandern können. Solche Lösungen wären ideal“, sagt Pöppel. Als Beispiel dafür nennt er Amphibienleiteinrichtungen an mehreren Stellen im Altmühltal, die beim Straßenausbau integriert wurden. Dort wurden Tunnel errichtet, durch die die Tiere die Straße sicher unterqueren können. „Solche technischen Lösungen sind genau das, was sich der Bund Naturschutz wünschen würde – dass Straßen so geplant werden, dass die Tiere von vornherein geschützt sind“, sagt Kreisvorsitzender Pöppel.
Der BN ruft Autofahrer dazu auf, in den betroffenen Gebieten vorsichtig zu fahren. „Bis Ende April muss man auf unseren Straßen mit den Amphibien rechnen oder mit Menschen, die zu deren Schutz in den Morgen- und Abendstunden unterwegs sind“, schreibt Frank Stasker von der BN-Ortsgruppe Abensberg in einer Pressemitteilung. Besonders bei feuchtem Wetter sei Vorsicht geboten.
Vorsicht auf den Straßen
Sollten Autofahrer auf Straßenabschnitten große Mengen von Amphibien bemerken, rät Pöppel: „Nicht aussteigen und selbst die Tiere über die Straße tragen, da dies zu gefährlichen Situationen führen kann. Stattdessen sollte die untere Naturschutzbehörde oder der BN informiert werden.“
Interessierte, die sich als Amphibienhelfer engagieren möchten, können sich an Konrad Pöppel, Tel.: (0 94 43) 91 80 17 oder per E-Mail an bn.kelheim@t-online.de wenden. „Wir haben aktuell etwa 25 Ehrenamtliche, die sich abwechseln. Neue Helfer sind jederzeit willkommen“, sagt der Kreisvorsitzende des BN. Durch umsichtiges Verhalten kann zudem jeder Autofahrer dazu beitragen, dass möglichst viele Tiere sicher ihr Laichgewässer erreichen.
Der Bund Naturschutz bittet um Rücksichtnahme
Tempo anpassen: Der Bund Naturschutz bittet Autofahrer, die Geschwindigkeitsbegrenzungen und Warnschilder an den Amphibienschutzzäunen zu befolgen.
Auf Helfer achten: Besondere Vorsicht ist an Stellen geboten, an denen ehrenamtliche Mitarbeiter des BN Krötenzäune errichtet haben und morgens sowie abends Tiere am Straßenrand einsammeln.
Wetter beobachten: Vor allem warme, regnerische Abende locken Amphibien zur Laichwanderung.

