Goldbarren, Luxus, große Pleiten? Schillernder Investor in Regensburg verhaftet

Von André Baumgarten · 18. März 2025 um 19:00

Die Polizei bestätigt einen Zugriff für Ermittler in Österreich: Die Wiener Staatsanwaltschaft hat einen Unternehmer (47) seit längerem im Visier. Es geht um schweren Betrug und 14 Kilo entwendetes Gold. Der Mann mit Wurzeln in Regensburg ist kein Unbekannter.

200 sichergestellte Goldbarren in einem Wiener Depot, Luxus, Pleiten und wohl unzufriedene Investoren – der Mann, den Ermittler vergangenen Donnerstag in Regensburg verhafteten, hat in der internationalen Finanzwelt einen Namen. Doch Florian F., Start-up- und Tech-Investor, gilt als umstritten. Die Wiener Staatsanwaltschaft ermittelt aktuell wegen schweren Betrugs gegen den 47-Jährigen, der in Regensburg Spuren hinterließ – und nun wohl an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrte, wo nun Handschellen klickten.

Der Zugriff der Ermittler war nach jüngsten Recherchen der Mittelbayerischen Zeitung von langer Hand geplant. Wo und wie F. den Fahndern ins Netz ging, wollen die Behörden aber nicht preisgeben. Das Polizeipräsidium Oberpfalz bestätigte nur die Festnahme eines 47-jährigen Unternehmers. Laut Polizeisprecher Jonas Krauß erfolgte der Zugriff im Stadtsüden. Die Kripo habe dafür einen europäischen Haftbefehl vollstreckt.

Oberlandesgericht in Nürnberg ist am Zug

Erlassen worden war dieser bereits am 19. Januar, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Nürnberg erklärte. Michael Schrotberger bestätigte die Festnahme ebenso. Das Amtsgericht in Regensburg habe daraufhin eine sogenannte Festhalteanordnung erlassen. Nun liege der Ball beim Oberlandesgericht, das „über eine Auslieferung nach Österreich entscheiden muss“. Der Haftbefehl gegen Florian F. war demnach von der Wiener Staatsanwaltschaft beantragt worden.

Auf Nachfrage im Nachbarland gab sich eine Sprecherin zurückhaltend. „Der Tatvorwurf lautet schwerer Betrug“, erklärte Nina Busse und verwies zu Details des Falles auf die laufenden Ermittlungen. Sie bestätigte aber, dass es um verschwundene Goldbarren gehe. Österreichische Medien berichteten jüngst, dass F. seit Monaten im Visier der Justiz stehe. Der 47-jährige Unternehmer mit Wohnsitz in Wien soll bei Investoren viel Geld für Start-ups eingeworben, dann aber zweckwidrig verwendet haben. Ein Vorwurf, der nicht wenigen Regensburgern durchaus bekannt vorkommen dürfte.

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Florian F. ist in der Domstadt verwurzelt – womöglich kam er deshalb auch zurück. Ein namhafter Regensburger Unternehmer soll ihm Ende 2024 den Rückflug aus Dubai bezahlt haben, wo der 47-Jährige zuletzt offenbar völlig mittellos gestrandet war. Hintergrund soll die Vollstreckung eines zweistelligen Millionenbetrags gewesen sein, weshalb alle Konten dicht gemacht worden sein sollen. Logiert haben soll F. in Regensburg dann zunächst in einem First-Class-Hotel, das ihn aber bald auf die Straße gesetzt haben soll. Weil er offenbar Wirres von nächtlichen Milliarden-Deals erzählt haben und damit auch anderen Gästen Angst gemacht haben soll.

Beste Beziehungen zu internationaler Geldgebern

Offiziell äußern will sich aber niemand – auch nicht dazu, dass es jüngst womöglich Bestrebungen gegeben haben könnte, Florian F. in die Psychiatrie einweisen zu lassen. Der Grund dafür könnten einige befremdliche Videos sein, die der Mann in Sozialen Medien verbreitete. Sowohl solche Beschlüsse, als auch Entscheidungen nach dem Betreuungsrecht seien grundsätzlich nichtöffentlich und streng vertraulich, heißt es. Ein Unbekannter ist der Mann mit Beziehungen zu elitärsten Kreisen internationaler Geldgeber allerdings auch in der Regensburger Justiz längst nicht.

Florian F. hatte vor 15 Jahren als Geschäftsführer einer Firma zur Planung moderner Energielösungen schon einmal für viele Schlagzeilen gesorgt. Es wurden schon damals Vorwürfe laut, er habe Firmengelder für private Zwecke entfremdet. Investoren verklagten den 47-Jährigen 2011, weil er private Reisen für sich und seine Freundin aus der Unternehmenskasse beglichen haben soll. Das Landgericht Regensburg verurteilte ihn 2014 dann zu Schadenersatz.

14 Kilo Gold aus einem Depot entwendet?

Nach MZ-Informationen sollen interne Ermittlungen später das wahre Ausmaß zutage gebracht haben. Forderungen im Millionenbereich soll Florian F. daraufhin notariell anerkannt haben, ehe er offenbar ins Ausland verschwand. In Österreich könnte sich der Kreis nun wieder schließen: Dort wird wegen fehlender Goldbarren gegen ihn ermittelt. Es geht um 14 Kilo Gold im Wert von rund 1,2 Millionen Euro. Außerdem soll gegen den 47-Jährigen am Wiener Landesgericht eine Anklage wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs anhängig sein. Das bestätigte eine Sprecherin.

Ob und wann es zu Prozessen gegen Florian F. kommt, ist derzeit offen. Zunächst wird nun eine zeitnahe Auslieferung nach Österreich vorangetrieben. Bis das entschieden ist, bleibt der Mann in der Justizvollzugsanstalt in Nürnberg.