Kelheims Stadtbau-Chef plant „bezahlbare“ Häuser für junge Familien

Seit neun Monaten ist Christoph Schäfer im Amt. Der Architekt hat in dem Jahr in Kelheim viel vor. Der Stadtbau-Chef plant „bezahlbare“ Häuser für junge Familien.
Zu seinem Einstand ging es von „null auf 100“. Andererseits war er so gleich voll drin in seinem neuen Job, blickt Christoph Schäfer zurück. Der 41-Jährige ist der neue und erstmals alleinige Geschäftsführer der Kelheimer Stadtbau GmbH. Der Kalender des Architekten für 2025 ist prall mit Aufgaben gefüllt. Davon sollen nicht nur die Stadt und deren Personal, sondern auch die Bürger profitieren. Erstmals will die Stadt(bau) selbst bezahlbare Häuser für Familien planen und bauen. Und auch neue Sozialwohnungen sollen kommen.
Seinen ersten Arbeitstag hatte Christoph Schäfer am 1. Juni 2024. Seitdem ist die Zeit, wie im Flug vergangen. In seiner ersten Woche ging es um Hochwasser, den Kauf der VfL-Areals samt Fibres-Parkplatz. Zudem ging die Sanierung des Ettnerhauses auf das Ende zu.
Im Landkreis Kelheim aufgewachsen
Beworben hatte er sich mehr „aus Zufall“, sagt Schäfer, der in Bad Gögging aufgewachsen ist, das Gymnasium in Rohr besuchte und Zivi im Cabrini-Zentrum in Offenstetten war. 2021 kehrte er nach Studien- und Arbeitsjahren in München zurück in den Landkreis Kelheim. Schäfer ist verheiratet und hat zwei Kinder.
2023 war er gerade dabei, zu überlegen, ob er in dem Büro in Planegg bei München, in dem er arbeitete, einsteigt, oder ob er selbst ein Büro gründet. Da las er die Stellenanzeige.
Erste Entwürfe und Pläne an den Wänden seines Büros
Sie bot vieles, was er sich wünschte. Vor allem, dass er (neuen) Wohnraum für die Kelheimer gestalten und realisieren kann, reizte ihn. Inzwischen hängen genau dafür erste Entwürfe und Pläne an den Wänden seines Büros im Rathaus. Zum einen soll Christoph Schäfer im neuen Baugebiet „Hohenpfahl West“ Wohnraum für Familien in Gestalt „bezahlbarer Häuser“ entwickeln. Möglich sein soll das über eine serielle oder einheitliche Bauweise, sagt er. Diese eigene Entwicklung ist ein Novum bei der Stadtbau.
Im Auftrag der Stadt hat die Stadtbaugesellschaft das Grundstück gekauft. 2025 soll es erschlossen werden. 2026 sollen Arbeiter und Baumaschinen anrücken, um die neun Einfamilienhäuser zu realisieren.
Carport statt Garage
Die Eckdaten: 130 Quadratmeter Wohnfläche, kein Keller, zur Grundausstattung gibt es nur einen Carport, keine Garage. Bis zum Sommer will Schäfer alles kalkuliert und Interessenten gesammelt haben, sagt er. Die Kriterien wurden im (nicht-öffentlichen) Stadtratsbeschluss und im Kaufvertrag geregelt. Angesprochen fühlen können sich junge, weniger kaufkräftige Kelheimer Familien. Wer interessiert ist, schreibt eine E-Mail an den Stadtbau-Geschäftsführer (interesse.stadtbau@kelheim.de).
Schäfers zweite große „Baustelle“ dürften die Vorarbeiten für die neuen Sozial-Wohnungen der Kreisstadt sein. Sie sollen im Baugebiet „Weinbergweg“ entstehen und in diesem Jahr geplant werden.
Maximal 25 Wohnungen möglich
An und für sich wären maximal 25 Wohnungen möglich. Zuletzt entstanden vor ein paar Jahren 18 neue Wohneinheiten in der Starenstraße 12. Wie hoch das Investment der Stadt ausfallen könne, müsse sich nun im ersten Quartal entschieden. Damit die Planung 2025 über die Bühne gehen könne. Die Stadt verfüge über das Erbbaurecht. Sie will das Gebäude einmal selbst betreiben. Die Stadtbau fungiere als Dienstleister, der plane und baue, so Schäfer.
Das Ettnerhaus am Ludwigsplatz, das mittlerweile einen Teil der Stadtverwaltung samt Bürgermeister beheimatet, wurde von der Stadtbau gekauft, saniert und rückvermietet.
Für seine neue Aufgabe bringt Christoph Schäfer nach einer Aussage viele Erfahrungen mit – aus der Entwurfs-, Genehmigungs- wie Ausführungsplanung und Bauleitung.
„WagnisArt“ in München
In den Büros, in denen der 41-Jährige bislang arbeitete, zählten gewerbliche und private Bauherren zu den Kunden, wie auch WEGs, also Wohneigentümer-Gemeinschaften. Für Letztere war Schäfer für die Sanierung großer Fassaden von Mehrparteienhäusern mit mehr als 250 Wohneinheiten zuständig oder für die Reparatur maroder Tiefgaragen.
Als besondere Projekt bleibt ihm das Münchener Genossenschaftsprojekt „WagnisArt“ in Erinnerung. Hier arbeitete Schäfer mit an der Realisierung. Auf dem Gelände einer früheren Kaserne entstanden fünf Gebäude, die über Betonbrücken verbunden sind. Darin umgesetzt waren herkömmliche wie neue Wohnformen. Im Erdgeschoss finden sich Gemeinschaftsräume, eine Arztpraxis, ein Lokal, Ateliers. Gebaut in Holz-Hybrid-Weise, so Schäfer.
Planer in Teilzeit soll kommen
Vor allem die Jahre in der Bauleitung weiß Schäfer zu schätzen. „Da lernt man erst, was vom Gezeichneten gut funkioniert und was nicht.“ In Kelheim freue er sich auf Architektur von A bis Z, von der Entwicklung bis zur Realisierung, sagt er.
Noch ist er als Geschäftsführer für alles alleine zuständig – von der Post, über Wirtschaftsplanung, Entwürfe oder die neue Website, die es demnächst geben soll. Angedacht sei aber, dass noch ein Planer in Teilzeit sowie eine Projektassistenz ausgeschrieben werden, sagt Schäfer. Alles in allem soll er – nach dem Willen der Stadt – das städtische Personal entlasten und mittel- bis langfristig Kosten sparen helfen durch eigene Planung und Entwicklung.
Die Stadtbau
Die Stadtbau GmbH ist seit 2017 eine 100 prozentige Tochter der Stadt. Beaufsichtigt vom Aufsichtsrat, dem Bürgermeister und acht Stadträte angehören.
Bislang bildeten Stadtbaumeister und Kämmerer die Geschäftsleitung. Einen Geschäftsführer, der nicht der Stadtverwaltung entstammt, gab es bislang nicht. Der „Neue“ soll die Verwaltung entlasten und selbst Projekte planen und umsetzen.
Die Stadtbaugesellschaft unterstützt die Kreisstadt bei der städtebaulichen Erneuerung und Entwicklung sowie bei der Erschließung von Grundstücksflächen.
Ihr Ziel ist es zudem (preislich angemessenen) Wohnraum für die Bürger zu schaffen und zu erhalten.
Zudem gehören der Stadtbau Wohnungen, die sie vermietet. Auch diese Liegenschaften müssen immer wieder gewartet und instandgesetzt werden.

