Neuzugang bei Schifffahrt: Nach spektakulärem Trip startet dieses Paar in Kelheim durch

Von Beate Weigert · 8. März 2025 um 19:00

Bei einem der drei Kelheimer Schifffahrtsbetriebe übernimmt die nächste Generation die Führung. Mit zum Neustart gehört ein „neues“ Schiff. Dessen Name dürfte dem ein oder anderen bekannt vorkommen.

Eine turbulente Reise – über Meer, Kanal und Fluss – hat Kelheims Neugang bei der Weißen Flotte hinter sich. Das „neue“ Personenschiff der Weißen Flotte liegt seit Donnerstag an der Donau. Mit ihm übernimmt zur neuen Saison bei der Schifffahrtsfamilie Schweiger – nach dem Verkauf der „MS Renate“ – die nächste Generation das Ruder.

Erschöpft, aber glücklich und auch etwas aufgeregt – so lässt sich der Gefühlszustand von Andreas und Linda Schweiger am Freitag zusammenfassen. Tags zuvor waren sie – wegen bestreikter Schleuse in Berching – einen Tag später als geplant in der Kreisstadt angekommen.

Neuer Abschnitt im Leben

Zur neuen Saison übernimmt das Paar die Leitung des Schifffahrtsunternehmens Josef Schweiger. „Das ist aufregend, wie ein neues Leben“, sagt Linda Schweiger. Ganz neu ist das alles nicht für die 40-Jährige. Ihr Mann Andreas hat die Schifffahrt „mit der Muttermilch“ aufgesogen. Allerdings ist er sehr froh, dass seine Frau sich um das Kaufmännische, um Buchungen, Einkauf, Personal kümmert. Er selbst komme da mehr nach dem Opa, gesteht der 32-Jährige. „Ich fahre das Schiff und halte es in Schuss.“

Für „kein Geld der Welt“ würde er etwas anderes machen wollen, sagt er. „Ein Schiff, das ist ein Stück Freiheit.“ Auch wenn der Weg durch die Weltenburger Enge immer derselbe sei, „ist trotzdem jeder Tag anders. Das Wetter, der Pegel, die Leute, das wird nicht langweilig.“

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Aufregende Wochen liegen hinter Linda und Andreas Schwieger. Nach dem Verkauf der „MS Renate“ (wir berichteten) schlägt die Familie ein neues Kapitel auf. Auch wenn Trennungsschmerz vorhanden war. Die ganze Truppe habe bei der Abfahrt der Renate gen Budapest „ein paar Tränen verdrückt“. Doch die „MS Helena“ machte es leichter, gesteht Linda Schweiger. „Sie war schon in der Anfahrt.“ Viele Gedanken drehten sich bereits um das neue (gebrauchte) Schiff. Dennoch sei ein Schiff etwas anderes, als ein Auto oder ein Gebäude. „Man hat eine ganz andere Bindung, auch wenn es nur ein schwimmender Stahlklotz ist“, sagt Andreas Schweiger. Schifffahrt sei ein besonderes Metier. „Das schweißt anders zusammen, die Gemeinschaft im ganzen Team ist stärker“, findet auch Linda Schweiger.

Für immer in Erinnerung bleiben wird die besondere Reise mit der „MS Helena“. Sie führte das Fluss-Schiff aus Westfalen über „Seegebiet“ – vom holländischen Ijsselmeer über den Dollard bei Emden und Bremen – zur Werft am Rhein. Auf dem Meer wehte eine steife Brise. Bei Windstärke 5 bis 6 ging es vorbei an großen Seeschiffen, Forschungs- und Kreuzfahrtriesen. Da fühlte sich Kapitän Andreas Schweiger bisweilen wie am Steuer eines Tenderboots, so heißen die Beiboote der Kreuzfahrtschiffe. Den Seegang haben alle an Bord gut vertragen, nur Familienhund Daisy nicht.

Seit 25. Januar waren Schweigers in der Werft. Mit der „MS Helena“ hatten sie eines der wenigen Schiffe auf dem Markt gefunden, das für die Donau in Sachen Tiefgang, Breite, Länge und Höhe infrage kam, so Andreas Schweiger.

Prinzessin im Doppelpack

Künftig wird das Schiff „Donauprinzessin“ heißen, genauso wie das kleine Schiff der Schifffahrtsfamilie. Die gibt es künftig quasi im Doppelpack. Mit knapp 30 Jahren sei das Schiff in der „besten Blüte“, sagen Andreas und Linda Schweiger. Es ist gut 40 Meter lang, 8,20 Meter breit und bietet Platz für 360 Passagiere.

Getauft werde ein Schiff nur einmal. So wird der Taufname auch für immer auf der Schiffsglocke zu lesen sein. „Alles andere bringt Unglück. Da sind wir Schiffer abergläubisch“, so Andreas Schweiger. Die Schiffsglocke sei „wie ein Taufgeschenk – und das hält man in Ehren“.

Nun gilt es erst einmal den ganzen Hausstand auszupacken, sagt Linda Schweiger. Dann steht ihnen noch jede Menge Arbeit bevor. In der Werft wurden Schiffsteile, die unter Wasser liegen, konserviert, Antriebe überprüft, Propeller überarbeitet, Schiffspumpen und Elektroteile unter die Lupe genommen.

Neue Schankanlage, neues Internet

Am Samstag, 15. März, also in einer Woche, startet Kelheims Weiße Flotte in die neue Saison. Die (große) Donauprinzessin soll ab Ostern startklar sein. Bis dahin gibt es noch viel zu tun – von einer neuen Schankanlage bis zum Internet.

Senior-Chefin Renate Schweiger ist indessen zufrieden, auch weil Andreas und Linda Schweiger nicht „übernehmen mussten, sie haben Spaß daran. Da kann ich kann mich beruhigt in die zweite Reihe zurückziehen“. Künftig werden Sohn und Schwiegertochter Einheimischen und Urlaubern auf „dem einzigartigen Flussabschnitt“ der Donau besondere Erlebnisse bescheren.

Einst taten die Vorfahren dies auf Holzkähnen. Seit gut 100 Jahren gibt es Motorschiffe in Kelheim. „Auch die Schifffahrtsfamilien haben ihren Beitrag zum Naturschutzgebiet geleistet“, sagt Renate Schweiger. Etwa indem sie, lange bevor es gefordert war, Abwassertanks in ihre Schiffe bauten.

Schifffahrtssaison startet

Gottesdienst: Saisonstart ist am Samstag, 15. März, 9.30 Uhr, mit einem ökumenischen Gottesdienst auf der MS Kelheim.

Freifahrten: Alle, die teilnehmen, erhalten Freikarten für eine Hin- und Rückfahrt zum Kloster Weltenburg.

Renate Schweiger und ihr Mann Harald treten zurück „in die zweite Reihe“. Beim Herrichten des Neuzugangs packen sie natürlich trotzdem mit an.
Linda und Andreas Schweiger haben die neue Donauprinzessin auf eigene Rechnung gekauft. Sie führen die Reederei in die Zukunft.
Die Fahrt von Ostwestfalen zur Werfft am Rhein wird Kapitän Andreas Schweiger nicht vergessen.
Das Krönchen am Steuerhaus soll zum Selfie-Spot werden.