Nach Ärger mit Neubau: Kelheimer Schiff „MS Renate“ ist verkauft

Von Beate Weigert · 18. Februar 2025 um 05:00

Nach viel Ärger verkauft das Kelheimer Schifffahrtsunternehmen Schweiger sein großes Personenschiff – und schlägt ein neues Kapitel auf. Das ist zur neuen Saison geplant.

Sie war eines der großen Schiffe der Kelheimer Schifffahrt. Nun ist die „MS Renate“ verkauft und schippert einer neuen beliebten Tourismus-Destination entgegen. Die Reeder-Familie Schweiger will auf ein anderes, eigenes Schiff setzen.

Kapitän Andreas Schweiger überführt die „MS Renate“ seit Samstag nach Budapest. Dorthin ist sie verkauft. Die künftige Besatzung ist laut Senior-Chefin Renate Schweiger bereits mit an Bord. Damit sie das Schiff mit ihrem Sohn kennenlernen kann, werde nur tagsüber gefahren. Vier Tage sind veranschlagt. „Am Dienstag werden sie in Wien sein, am Mittwoch in Budapest.“

2018 war glanzvolle Schiffstaufe mit Ilse Aigner

Das Kapitel „MS Renate“ stand bald nach der glanzvollen Schiffstaufe im Sommer 2018 unter keinem guten Stern. Laut Renate Schweiger war das Fahrgastschiff nur kurz auf der Hauptroute der Weißen Flotte eingesetzt. Bestellt gewesen sei ein Schiff, dass auch bei Niedrigwasser Urlauber und Einheimische durch die Weltenburger Enge befördern könne, so Renate Schweiger. Doch in der Praxis stellte sich schnell heraus, „dass das Schiff zu schwer ist und mehr Tiefgang“ hatte, als gedacht. Auch die Art des Antriebs Schottel Pumpjet sei für den Donaudurchbruch „nicht geeignet“ gewesen.

Fahren konnte die MS Renate „nur bei Pegelständen über 2,80 Meter“. 2023 war sie etwa 20 Mal gen Kloster Weltenburg im Einsatz. 2024 gar nicht mehr, so Schweiger. 2021 hatte die Reederei als „kleine Alternative“ die „MS Donauprinzessin“ angeschafft. Seit 2020 stand die „MS Renate“ zum Verkauf. Seit zwei Monaten ist der Besitzerwechsel nun in trockenen Tüchern.

Zugelassen ist das Schiff, das auch künftig unter seinem bisherigen Namen fahren wird, für 550 Fahrgäste. 250 Sitzplätze hat sie innen, 300 außen. „Ich bin gespannt, wie viele unserer Fahrgäste uns von Fahrten auf der Renate berichten werden“, sagt Schweiger.

Dieses Schiff wurde gekauft

Anfang März wird dann laut Renate Schweiger das neue, gebrauchte Schiff der Schifffahrt Schweiger in Kelheim erwartet. Die „MS Helena“ ist etwas kleiner als die Renate. Sie bietet Platz für 360 Personen, ist 40 Meter lang und 8,20 Meter breit. Angetrieben wird sie von zwei Schottel-Ruderpropellern. „So wie alle anderen Schiffe der Kelheimer Schifffahrt.“ Bislang hatte sie ihren Hafen in Ostwestfalen. Sie fuhr in Minden und auf dem Mittellandkanal. Derzeit lasse der Vorbesitzer auf der Werfft in Mondorf am Rhein noch einige vereinbarte Arbeiten ausführen. In zwei Wochen soll sie in Kelheim ankommen. Der neue Name unter dem die Helena in Kelheim fahren wird, bleibt noch geheim. Gekauft hat das Schiff Renate Schweigers Sohn „auf seinen Namen“. Dies ist der letzte Schritt in Richtung Betriebsübergabe. 2022 hatte Schweiger ihrem Sohn und seiner Partnerin Linda Prokura übertragen.

Mit Blick auf die „MS Renate“ sei ihre Familie froh, dass man ein neues Kapitel aufschlagen könne, sagt Renate Schweiger. Auch wenn das alte noch nicht vollständig abgearbeitet sei. Denn die „Bauprobleme“ der Renate beschäftigten weiterhin die Gerichte.

Wasserstoff: Pläne zu Antriebs-Alternativen

Die Kelheimer Reederei hatte vor einigen Jahren auch über ein Schiff mit Wasserstoffantrieb nachgedacht. „Seit drei Jahren geht da nichts mehr weiter. Ich glaube nicht, dass das kommt“, sagt Schweiger. Ebenso seien E-Schiffe derzeit auf der Donau kein Thema. Künftig werden sie „sicher ein Teil der Zukunft sein“. Aktuell sei der Antrieb „auf Seen eine tolle Sache“. Doch auf der Donau, wo es viel Strömung gebe, brauche es „viel Kraft“. Das sei mit E-Antrieb (noch) „nicht zu machen“.

Unser Foto zeigt Renate Schweiger (Mitte) im Sommer 2018 mit Ehrengast und Taufpatin Ilse Aigner
Die MS Renate war für den Einsatz auf der Donau – „auch bei Niedrigwasser“ – bestellt und gekauft. Doch geliefert wurde laut Reederfamilie ein viel zu schweres Schiff. Fotos: Beate Weigert