Wird Astrid Freudenstein diese Woche als OB-Kandidatin der CSU nominiert?

Von Marion Koller · 17. März 2025 um 05:00

Noch ein Jahr bis zur Kommunalwahl: Die Regensburger CSU setzt auf Wirtschaftsthemen – und Fundamentalopposition. Am Donnerstagabend fällt die Entscheidung, wer als Oberbürgermeisterkandidat ins Rennen geht.

In einem Jahr wählt Regensburg einen neuen Stadtrat und einen neuen Oberbürgermeister – oder eine neue Oberbürgermeisterin. Dabei geht Dr. Astrid Freudenstein sehr wahrscheinlich für die CSU ins Rennen. Darauf deuten zumindest erste Posts in sozialen Medien.

Auf Facebook äußerte sie sich erstmals vor einigen Tagen zu den Kommunalwahlen im März 2026 – und ihrer möglichen Kandidatur. Auf Facebook schrieb sie: „Wir werden als CSU ein richtig gutes Team für Regensburg auf den Weg bringen! Versprochen!“ Ihr Befinden gab die 51-Jährige an mit „fühlt sich motiviert“. Auf dem Foto war nur sie allein zu sehen. Freudenstein ist längst in den Wahlkampf eingestiegen.

Doch wofür steht die CSU, mit 13 Mitgliedern bislang die größte Stadtratsfraktion? Manchem Beobachter drängt sich der Eindruck einer Fundamentalopposition gegen Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) auf. Bestes Beispiel: der Streit um die Stadtbahn. Die Regensburger lehnten das Projekt im vergangenen Juni ab. Die CSU war eine der treibenden Kräfte hinter dem Bürgerentscheid. Letztlich kündigte die SPD die Koalition nach dem Tram-Aus auf. Bemerkenswert war, dass sich der frühere CSU-Oberbürgermeister Hans Schaidinger für die Stadtbahn-Planung aussprach. „Man muss immer schauen: In welcher Stadt will ich in 20, 30 Jahren wohnen?“, sagte er.

Vom Kaufhof bis zum Park

Und sonst? Beim Dauer-Aufreger Kaufhof-Immobilie votierte die CSU-Fraktion für das Ziehen eines Vorkaufsrechts – gegen die große Mehrheit im Stadtrat. Letztlich entschied sich das Gremium, mit einer verschärften Sanierungssatzung und einem Bebauungsplan die Daumenschrauben anzuziehen. Den Bebauungsplan trug die CSU mit. In der Debatte um das Kaufhof-Vorgehen betonte Fraktionschef Michael Lehner immer wieder die wirtschaftliche Bedeutung des Gebäudes.

Die potenzielle OB-Kandidatin Freudenstein schlägt in eine ähnliche Kerbe: „Der Leidensdruck für eine Stadt ist enorm, wenn so eine riesige Kaufhaus-Brache im Zentrum steht und keinerlei Perspektive greifbar ist.“ Ingolstadt und Nürnberg hätten deshalb gekauft. Die Grundstücksverhältnisse seien kompliziert, „aber lösbar wäre das natürlich gewesen“. Auch ein Weiterverkauf in seriöse Hände sei eine Option gewesen. „Wir hätten als CSU gerne sofort begonnen, zu handeln und Konzepte zu entwerfen.“

Schon vor dem Kaufhof-Komplex gab es gewisse Spannungen in der Stadtpolitik, vor allem in Sachen Verkehr. Beispiel: die Verkehrsberuhigung am Hauptbahnhof. CSU-Chef Lehner kritisiert diese nach wie vor scharf. Er sehe die Vorteile schlicht nicht. „Das ist nicht gut gelöst.“ Die Sperrung für Autos schade Dienstleistern und Gewerbe, etwa im Castra-Regina-Center, und zwinge viele Menschen zu Umwegen. Auch für das von der Stadt geplante Parkhaus mit Mobilitätsdrehscheibe beim Alten Eisstadion und die damit verknüpfte Verkehrsberuhigung der Altstadt kann sich die CSU nicht erwärmen – ebenso wie beispielsweise die Grünen. Freudenstein verbindet diesen Fall mit dem Kaufhof: „Es wird ein Parkhaus für 18 Millionen Euro gebaut, wenn 20 Prozent der Verkaufsfläche in der Altstadt wegfallen?“ Eine Stadtratsentscheidung zum Parkhaus soll wohl im Herbst fallen.

Lehner fordert indes Kurzzeitparkplätze am Alten Kornmarkt. Für Essengehen oder Einkaufen würden schließlich zwei Stunden reichen. Zudem plädiert er für den Ausbau der Nordgaustraße für die Sallerner Regenbrücke und einen Neubau der Frankenbrücke. Darüber hinaus möchte er die Donau-Arena renovieren und eine zweite Halle für die Eisbären bauen. Außerdem fordert er mehr Gewerbeflächen und schnelle Baugenehmigungen.

Also: Für was steht die CSU, ziemlich genau ein Jahr vor der Wahl? Auffällig ist, dass die Christsozialen stets aus einer sehr wirtschaftsfreundlichen Sicht argumentieren. Das Stichwort für den Unternehmer, Stadtrat und Ex-Fraktionschef Josef Zimmermann: „Wir müssen zu den alten Stärken zurückfinden: die Pflege und Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts, um unsere kommunalen Aufgaben erfüllen zu können.“ Er schlägt interkommunale Gewerbegebiete mit dem Landkreis vor. Noch lebe Regensburg gut aus dem Bestand, aber irgendwann komme das zu einem Ende.

Die Konkurrenz schläft nicht

In der laufenden Amtszeit hat sich Astrid Freudenstein als Sozial- und Sportbürgermeisterin indes mit anderen Themen beschäftigt – und das durchaus erfolgreich, betont sie. Dabei verweist die CSU-Frau auf „Rekordsummen für den Breitensport“, etwa für neue Laufbahnen am Kaulbachweg und in der Bezirkssportanlage Ost sowie für den Ausbau des Programms „Sport im Park“. Sie eröffnete im Seniorenamt den ersten Pflegestützpunkt in der Oberpfalz und gründete eine Abteilung „Pflege“. In der Notwohnanlage Aussiger Straße gibt es jetzt vor Ort Sozialarbeit. Mehrere Familien hätten dank dieser Betreuung umziehen können. Neu eröffnet würden das Jugendzentrum Königswiesen, das Chancenhaus für obdachlose Familien und die städtische Sportanlage am Regen.

Mit diesen Erfolgen will Freudenstein nun in den Wahlkampf ziehen. Ein möglicher Konkurrent der Vielleicht-OB-Kandidatin steht schon fest: Bereits vor Wochen verkündete die Brücke, dass Thomas Thurow antreten wird. Die SPD wird sich dem Vernehmen nach in den kommenden Wochen Gedanken machen. Selbes gilt für die Grünen.

Am Donnerstag will die CSU verkünden, wer ins Rathaus-Rennen geht. In der Presseeinladung ist von einer „Nominierung des Oberbürgermeisterkandidaten“ die Rede. Aber mit dem Gendern haben es die Christsozialen ja nicht so.