Der Regensburger Altstadtbus Emil fährt bald auch zum Unteren Wöhrd

Der kostenlose Bus zum Alten Eisstadion kommt bis Juni, das hat der Planungsausschuss des Stadtrats einstimmig beschlossen. Allerdings gab es Fragen zum Zeitplan: Denn im Juli fällt die Entscheidung über die umstrittene Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd.
Die Stadt weitet noch im ersten Halbjahr ihr kostenloses Altstadtbus-Angebot aus. Zum einen bekommt der Altstadtbus Emil, der bislang nur zwischen Hauptbahnhof und Arnulfsplatz verkehrt, einen Bruder. Der soll künftig zum Parkplatz am Unteren Wöhrd fahren. Beide Emils sollen außerdem am Samstag unterwegs sein, da fährt der Altstadtbus bislang noch nicht.
Der Planungsausschuss des Stadtrats befürwortete am Dienstag das Vorhaben einstimmig. Umgesetzt werden soll es vor der Entscheidung des Stadtrats im Juli, ob das umstrittene Parkhaus für die Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd kommen soll. Der Bus der neuen Linie B soll montags bis freitags von 8.45 bis 20 Uhr im 20-Minuten-Takt den Unteren Wöhrd anfahren und am Samstag von 9.45 bis 18 Uhr (während des Christkindlmarkts von 8.45 bis 20 Uhr) im 15-Minuten-Takt. In der Altstadt selbst gibt es so einen Zehn- beziehungsweise 7,5-Minuten-Takt. Insgesamt soll das bessere Angebot vor allem Hotelgästen, Tagestouristen, Altstadtbesuchern und Berufstätigen, aber auch den Altstadtkaufleuten zugutekommen, heißt es in der Beschlussvorlage für die Stadträte.
SPD fordert Auswertung der Nachfrage
SPD-Stadtrat Klaus Rappert nannte das Vorhaben eine „interessante Geschichte“, die die SPD befürworte. „Was sehr zu loben ist, ist das zusätzliche Angebot am Samstag.“ Rappert beantragte, dass die Stadtverwaltung nach einem Betriebsjahr berichten soll, wie das neue Angebot ankommt. Schließlich gehe es um die Frage, wie es gelingen könne, die Attraktivität des Angebots am Unteren Wöhrd zu steigern.
Die anderen Stadträte waren ebenfalls für eine solche Auswertung. ÖDP-Fraktionschef Benedikt Suttner stellte allerdings die Grundsatzfrage: „Warum muss man das jetzt beschließen, wo kein Beschluss da ist für die Mobilitätsdrehscheibe?“ Auch Irmgard Freihoffer (BSW) zeigte sich „erstaunt, dass diese Vorlage zum jetzigen Zeitpunkt kommt“. Sie hätte es besser gefunden, wenn später darüber abgestimmt worden wäre. Sowohl ÖDP als auch BSW sind Gegner des geplanten Parkhauses, dessen Bau die Stadt im Herbst auf Eis gelegt hatte. Vor der endgültigen Entscheidung im Juli wird noch bis Ende Juni ausgewertet, wie der jetzt kostenpflichtige Parkplatz ausgelastet ist. Zudem soll bis dahin das Konzept der Stadt für die Verkehrsberuhigung der Altstadt stehen.
Florian Rottke, dessen Brücke-Fraktion das Parkhaus befürwortet, sagte dagegen: „Ich glaube, dass die Einführung der Buslinie sehr gut ist, um zu zeigen, wie später die Mobilitätsdrehscheibe einmal funktionieren kann.“
Stadt streicht Parkplätze
Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) bestätigte: „Im Grunde wollen wir feststellen: Weshalb brauchen wir dort ein Parkhaus?“ Einer der wichtigsten Gründe dafür sei, „parkende Autos aus dem Altstadtbereich rauszubringen“. Nur noch Anwohner sollen dann dort parken dürfen. Schon bald sollen die öffentlichen Parkplätze aus der Wöhrdstraße und Werftstraße verschwinden, auch steige im Frühjahr der Parkdruck, so erklärte die OB den Zeitplan.
Michael Achmann-Denkler befürwortete für die Grünen das neue Angebot, auch weil es bei Veranstaltungen eine „Grundversorgung“ mit dem Altstadtbus gebe. „Wir haben uns so ein bisschen gefragt, ob der 20-Minuten-Takt reicht, um das attraktiv zu machen“, sagte er. Christian Janele (Christlich-Soziale Bürger) hält die Wartezeiten für zu lang. Josef Zimmermann (CSU) hielt dagegen: „Ich glaube, dass der 20-Minuten-Takt an der Stelle erst einmal ausreicht.“ Schließlich hielten dort etliche andere Busse. Die allerdings sind kostenpflichtig. Von Verwaltungsseite hieß es, ein engerer Takt sei schwer umsetzbar.
Kommentar: Warum gerade jetzt?
Sicher ist es gut, dass die Stadt den kostenlosen Emil bald auch zum Parkplatz am Alten Eisstadion fahren lässt – und dass sie dann das Gratis-Angebot, das nur die wenigsten kennen, auch ordentlich bewerben will. Wer Park-und-Ride-Angebote nach vorn bringen will, der muss sie attraktiver gestalten. Nicht nachvollziehbar ist allerdings, warum das neue Angebot gerade jetzt eingeführt werden soll. Für das dort geplante Parkhaus gibt es aktuell keine Mehrheit im Stadtrat. Wenn die Stadt erproben will, ob und weshalb sie dort ein Parkhaus braucht, wie OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer – selbst Parkhaus-Befürworterin – sagt, hätte sie den Gratis-Emil zum Unteren Wöhrd schon früher einführen können: etwa im vergangenen Juli, als sie am bislang kostenfreien Parkplatz den kostenpflichtigen Testbetrieb startete; auch der kam schon deutlich zu spät. Die Emil-Ausweitung jetzt wirkt, als wolle die Stadt vor der Entscheidung über das umstrittene Parkhaus verzweifelt Tatsachen schaffen, mit denen sie belegen kann, wie gut die Mobilitätsdrehscheibe einmal werden kann.