Neue Metzgerei für die Burglengenfelder Altstadt: Zwei junge Männer versuchen ihr Glück

Von Thomas Rieke · 10. März 2025 um 19:00

Mit Johann Lautenschlager (33) und Andreas Kern (36) wollen im April zwei Männer aus dem Nachbarlandkreis Amberg-Sulzbach beziehungsweise der Stadt Amberg in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) wieder für neue Fleischeslust sorgen.

Als im Dezember das Ende der Metzgerei Schmidt verkündet wurde, war das Bedauern nicht nur bei Bürgermeister Thomas Gesche groß. Die Burglengenfelder Altstadt verlor einen weiteren Nahversorger. Die Chance, dass das Ladengeschäft in der Regensburger Straße 1 mit einem vergleichbaren Angebot wiederbelebt werden würde, tendierte gegen Null. Doch nun gibt es eine erfreuliche Wendung der Dinge.

Mit Johann Lautenschlager (33) und Andreas Kern (36) wollen im April zwei Männer aus dem Nachbarlandkreis Amberg-Sulzbach in Burglengenfeld wieder für neue Fleischeslust sorgen. Die Idee dazu entstand im Januar relativ spontan, nahm aber rasch konkrete Formen an.

Eigentlich hatte Lautenschlager vor, das Schlachthaus auf seinem eigenen Hof zu erweitern, da erfuhr er von der Schließung der Metzgerei Schmidt. Kurzerhand wurde eine Besichtigung arrangiert, und weil die Räume und Anlagen „genau dem entsprachen, wonach wir suchten“, war man sich mit dem Hauseigentümer schnell einig. Der Mietvertrag wurde per Handschlag besiegelt.

Die zuständigen Behörden, das Veterinäramt und die Regierung der Oberpfalz, bearbeiteten die Angelegenheit laut Lautenschlager „pragmatisch“. Sie forderten „nichts, was wir nicht sowieso vorhatten“.

Nach Berlin und wieder zurück

Der 33-Jährige stammt aus Ensdorf und ist in einem landwirtschaftlichen Betrieb groß geworden, zu dem neben der Haltung von Schafen ein EU-zertifiziertes Schlachthaus gehört. Vater und Großvater hatten das Metzgerhandwerk gelernt, und so erlebte Johann Lautenschlager schon sehr früh mit, was es bedeutet, wenn eine Hausschlachtung stattfindet.

Die Bilder haben sich bei ihm eingebrannt – und zwar in positivem Sinne. Die Schlachtung und die unmittelbare Verwertung von allem, was das Tier zu bieten hatte, waren für die teilnehmende Gesellschaft ein Ereignis, das zelebriert wurde.

Auch das könnte Sie interessieren: Teublitz verliert einen seiner Hausärzte

Beruflich orientierte sich Johann Lautenschlager freilich ganz anders. Ihn zog es 2011 in die Weltstadt Berlin, um Energie- und Umwelttechnik zu studieren. Nebenbei jobbte er in der Gastronomie, was ihm so gut gefiel, dass er am Ende selbst, zusammen mit einem Partner, mehrere Cocktail-Bars führte. Nicht einmal die Pandemie konnte ihn dabei bremsen.

Außerdem lernte er eine echte Berlinerin kennen und lieben und gründete mit ihr eine Familie. In Berlin lief also alles prima, doch dann starb vor zwei Jahren in der Heimat der Vater. Dem elterlichen Hof drohte das Aus.

Lautenschlager entschloss sich zu einem radikalen Schnitt: der Rückkehr nach Ensdorf. „Wir probieren das jetzt einfach aus“, war die Devise. Dem Nachwuchs, einer kleinen Tochter, sollten die Luft und die Ruhe im ländlichen Raum nicht schaden.

Täglich das eigene Schlachthaus vor Augen, reifte in Johann Lautenschlager der Wunsch, sich wieder als Metzger zu betätigen. Eine Sau sollte geschlachtet werden. Doch weil er zur fraglichen Zeit nur eine Schlachterlaubnis für Schafe hatte, war fachkundige Unterstützung gefragt. Ein Freund schlug die Brücke zum Metzgergesellen Andreas Kern aus Archenleiten bei Schmidmühlen, der seinen Beruf seit rund 20 Jahren ausübt und für eine Metzgerei in Rieden arbeitet.

Eigene Rinderhaltung und viele Ideen

„Johann und ich haben uns auf Anhieb verstanden“, beschreibt der 36-Jährige das Verhältnis zu seinem Kompagnon. Mit seiner Frau betreibt er im Nebenerwerb auch noch eine kleine Landwirtschaft. Herzstück ist eine Mutterkuhhaltung, die als sehr natürlich gilt, weil die Kälber bei ihren Müttern bleiben dürfen. Nicht die Milchproduktion, sondern die Erzeugung hochwertigen Fleisches steht im Vordergrund. Logischerweise wird es im neuen Laden von Lautenschlager und Kern immer wieder Fleisch vom eigenen Hof geben, das sich für Tafelspitz und Rouladen, Zwiebelrostbraten oder als Steak eignet. Neben Waren, die in jeder Metzgerei obligatorisch sind, will das Duo von Monat zu Monat Außergewöhnliches bieten, zum Beispiel Jalapeno-Cheddar-Pfefferbeißer.

Bevor die ersten Leckerbissen über die Theke gereicht werden können, ist es freilich noch eine Weile hin. Seit Wochen sind die Geschäftspartner damit beschäftigt, das Schlachthaus auf Vordermann zu bringen. Mit dem Dampfstrahler vertreiben sie das Räucherkammer-Aroma, das noch immer in der Luft liegt. Bald ist der Laden an der Reihe, der seinen besonderen Charme behalten soll. Eröffnung soll „irgendwann im April“ sein.