Wegen Personalmangels: Teublitz verliert einen seiner Hausärzte

Wer dieser Tage in Teublitz (Landkreis Schwandorf) versucht, die Praxis von Dr. Karl-Heinrich Kruse telefonisch zu erreichen, hat meist schlechte Karten. Oft ist nur ein Belegtzeichen zu hören, manchmal eine automatische Ansage. Der Hintergrund: Der Hausarzt gibt nach 40-jähriger Berufsausübung zum 31. März auf. Schweren Herzens, wie er sagt, und wegen Personalmangels.
Die Nachricht vom bevorstehenden Ende der Praxis verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Hunderte Teublitzer vertrauen seit vielen Jahren auf das Wissen von Dr. Kruse. Ob ein akutes Wehwehchen oder ein chronisches Leiden – bei ihm fühlten sie sich gut aufgehoben. Nun müssen sie sich nach einer Alternative umschauen. Doch in Teublitz selbst gibt es nur zwei weitere Praxen, die ebenfalls hausärztliche Leistungen anbieten.
Für manche kommt das Ende überraschend, andere berichten, es habe sich seit langem abgezeichnet. Immerhin ist Dr. Kruse bereits 76 Jahre alt. Doch das spielt für den Mediziner, der in Leonberg geboren wurde und 1985 seine erste Praxis gründete, nur eine untergeordnete Rolle. Er sei Arzt mit Leib und Seele und wäre gerne weiter für seine Patienten da. Wegen Personalmangels sei das jedoch nicht mehr möglich.
Verlust an Fachkräften nicht mehr kompensiert
Kruse versichert, alle Hebel in Bewegung gesetzt zu haben, um das Problem zu lösen. Ob mit dem klassischen Zeitungsinserat oder über Soziale Medien – überall habe er Fachangestellte gesucht und keine mehr gefunden. Mit der verbliebenen Rumpfmannschaft sei der Betrieb nicht dauerhaft aufrechtzuerhalten.
Auch das könnte Sie interessieren: Landkreis Schwandorf wirbt um junge Ärzte – Zwei Praxen Teil des Projekts „LandArztMacher“
Und so klärte Kruse seit Januar seine Kundschaft nach und nach auf, dass sie bald ohne ihn zurechtkommen muss. Es gebe ja eine Reihe von Kollegen im Städtedreieck. Nicht selten hätten sich daraufhin ergreifende Szenen abgespielt, bestätigt der Arzt. „Ja, es flossen Tränen.“ Viele Teublitzer hängen an Dr. Kruse – und er an ihnen.
Findet sich in Ruhephase doch noch ein Nachfolger?
Und doch scheint das Aus nicht komplett besiegelt. Kruse berichtet, die Zulassung seiner Praxis werde nicht sofort aufgehoben, sondern in eine zweijährigen Ruhephase überführt. Solange bestehe also die Möglichkeit, dass die Stelle von einem entsprechend qualifizierten Mediziner doch noch übernommen und weitergeführt werde.
Weil Kruse eine Tochter hat, die ebenfalls als Ärztin arbeitet, drängt sich die Frage auf, ob nicht sie für die Nachfolge geradezu prädestiniert wäre. Kruse verneint dies. Die Tochter habe sich an einem Krankenhaus noch über einen längeren Zeitraum fortzubilden.
Schon geht in Teublitz die Angst um, die hausärztliche Versorgung sei nur noch bedingt gewährleistet. Denn die beiden Alternativen zu Dr. Kruse hätten einen Aufnahmestopp verhängt.
Andere Praxen haben noch etwas Luft
Dies bestätigte sich bei Recherchen der Redaktion allerdings nicht. Der Facharzt für Allgemeinmedizin Dr. Marko Pfaff (57), der mit Dr. Eike Haas eine Gemeinschaftspraxis führt, erklärte zwar, „dass in Teublitz alle genug zu tun haben“. Gleichwohl sei man noch in der Lage, eine Reihe neuer Patienten aufzunehmen. Der Spielraum sei freilich nicht mehr groß. Es seien Grenzen gesetzt, die mit dem Abrechnungssystem zusammenhingen.
Ähnlich drückte sich seine Kollegin Dr. Karina Prinz aus, die mit ihrem Mann Matthias eine Praxis für Allgemein- und Innere Medizin betreibt. Eine „begrenzte Zahl“ von Patienten könne man noch zusätzlich versorgen, sagte sie. Dass alle Teublitzer, um die sich Dr. Kruse gekümmert habe, in ihrem Wohnort einen Hausarzt fänden, sei jedoch eher unwahrscheinlich.
So beurteilt die kassenärztliche Vereinigung die Lage
Aus Sicht der kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KAB) kann von einer drohenden ambulanten Unterversorgung keine Rede sein. Ihr stellvertretender Pressesprecher Dr. Axel Heise erklärte auf Anfrage, für die Beurteilung der Lage sei nicht der Blick auf den einzelnen Ort Teublitz entscheidend, sondern auf den Planungsbereich Städtedreieck. Und hier sei die Situation in mehrerlei Hinsicht vergleichsweise erfreulich.
Laut Heise sind im Städtedreieck nicht weniger als 29 Mediziner hausärztlich tätig. Außer den bereits genannten fünf Teublitzern vier in Maxhütte-Haidhof und 20 in Burglengenfeld. Zwar seien einige davon nur in Teilzeit beschäftigt, aber trotzdem ergebe sich aus Sicht der KVB ein Versorgungsgrad von 111,79 Prozent, was über dem bundesweitem Durchschnitt liege.
Auch die Altersstruktur unter der Ärzteschaft sei im Städtedreieck mit einem Schnitt von 50 Jahren „super“, berichtet Heise.
Ein Versorgungsgrad von über 110 Prozent bedeutet laut KVB grundsätzlich, dass der Planungsbereich für weitere Niederlassungen gesperrt ist. Neue Zulassungen wären nur unter besonderen Voraussetzungen möglich – zum Beispiel im Wege der Nachbesetzung eines bestehenden Arztsitzes. Entscheidend sei aber die Beurteilung durch den zuständigen Ausschuss. Er könne einen Antrag auf Nachbesetzung ablehnen, falls dieser aus seiner Sicht für die Versorgung nicht erforderlich sei.
Wohl dem, der noch mobil ist
Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Facharzt Dr. Pfaff gibt beispielsweise zu bedenken, dass es für einen Teublitzer, der noch relativ fit und mobil sei, natürlich kein Problem darstellen dürfte, sich in eine Praxis in Burglengenfeld zu begeben. Für jemanden der alt, gebrechlich und immobil sei, sehe das aber ganz anders aus. Für den könnte es „sehr beschwerlich werden“.