Mehr Einwohner, mehr Geburten – Aber es gibt eine Schwachstelle in Neustadt

Von Jochen Dannenberg · 11. März 2025 um 15:00

Mehr Einwohner, mehr Geburten – aber ein Trend ist auch in Neustadt a.d. Donau nicht zu übersehen.

Die Zahl der Eheschließungen war zuletzt rückläufig. Nur noch 80 Paare trauten sich im vergangenen Jahr aufs Standesamt, um sich das Ja-Wort zu geben. Im Vorjahr waren es noch 85 Trauungen gewesen. Im Vergleich zu den Trauungen hat die Stadt jedoch in anderen Bereichen des Personenstandsregisters einen Anstieg verzeichnet.

So stieg die Zahl der Geburten im vorigen Jahr auf 139 (2023 waren es 132) und die Einwohnerzahl stieg mit Haupt- und Nebenwohnsitzen von 15.506 im Jahr 2023 auf 15.645 an. Deutlich zugenommen hat auch die Zahl der Einbürgerungen. Sie stieg von 44 (2023) auf 77, wie unlängst im Stadtrat bekanntgegeben wurde.

Woran es liegt, das weniger Paare den Weg zum Standesamt wagten, ist nicht bekannt. Doch scheint das zu einem Trend zu passen, der auch bundesweit beobachtet wird. Danach sind zwar noch immer rund die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland verheiratet, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Aber Zahl und Anteil der Verheirateten sinken demnach seit Jahren kontinuierlich. Vor 30 Jahren waren noch 60 Prozent der Erwachsenen oder 39,3 Millionen Menschen verheiratet. Nach Angaben der Statistiker wurden 2023 nur 361.000 Ehen geschlossen, das war der zweitniedrigste Stand seit 1950.

Immer älter

Immerhin wissen die Eheexperten, woran es liegen könnte, dass immer weniger geheiratet wird: Der sinkende Anteil der Verheirateten an der Gesamtbevölkerung wird nach Angaben des Bundesamts auch dadurch verursacht, dass Menschen bei der ersten Eheschließung immer älter werden.

An geeigneten Lokalitäten zum Heiraten würde es jedenfalls nicht in Neustadt a.d. Donau fehlen. Neben dem Trauzimmer im altehrwürdigen Neustädter Rathaus ist zu klein, stehen auch der Sitzungssaal und der Storchenwirt zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es mehrere große Hotels in Bad Gögging, in denen auch große Gesellschaften problemlos den „schönsten Tag des Lebens“ feiern können.

„Neustadt hat als Hochzeitsstadt durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient“, meinte deshalb einst schon Bürgermeister Thomas Memmel gegenüber dieser Zeitung. Seit einigen Jahren können Heiratswillige sogar zwischen einer ganzen Reihe von Standesbeamten wählen, wer sie denn trauen soll. Neben den dafür bestellten Mitarbeitern der Stadtverwaltung sind dies auch der Erste Bürgermeister Thomas Memmel und sein Stellvertreter Günter Schweiger.

Die bekunden, dass sie viel Freude an diesem Amt haben. „Ich mache das sehr gerne“, sagt Memmel. Er erinnert sich an viele Trauungen, die er vorgenommen hat. Eine ist ihm besonders in Erinnerung geblieben. Es waren „zwei Großstädter vom Bayerischen Rundfunk“, sagt er , „Da haben wir schon beim Vorgespräch viel gelacht“, entsprechend lustig wurde dann auch die Rede des Bürgermeisters.

„Ein schönes Erlebnis“

Sein Stellvertreter, der seit drei Jahren als Standesbeamter im Einsatz ist, bekennt: „Eine Trauung ist ein schönes Erlebnis. Alle Menschen, die dabei sind, sind glücklich. Man freut sich als Standesbeamter für die Menschen, die gemeinsam durchs Leben gehen wollen.“ Für Schweiger gehört das Standesamt zu den schönsten Seiten des Bürgermeisteramtes. Seine „Spezialität“ sind Trauungen am Samstagmorgen. „Da muss auch einer da sein.“

Die Aufgabe als Standesbeamter ist für ihn eine Arbeit, bei der er Menschen an einem ganz wichtigen Moment ihres Lebens kennenlernt. Das macht die Arbeit als Standesbeamter besonders. „Es ist immer wieder spannend, wenn man mit den Leuten spricht, wie sie zusammen gefunden haben“, erklärt Schweiger und staunt: „Viele, vor allem junge Leute, lernen sich übers Internet kennen.“ Früher, meint er, habe es dafür Diskotheken, Sportvereine und Dorffeste gegeben.