Sportmuffel? So besiegt man den inneren Schweinehund

War der Arbeitstag mal wieder zu lang und zu anstrengend und Sie haben es mal wieder nicht zum Sport geschafft? Hier ist die Lösung.
Es ist noch dunkel, die Sonne noch nicht aufgegangen. Der Tag erwacht gerade. Die ersten Autofahrer sind unterwegs. Beim Bäcker holen sich einige Frühaufsteher ihre ofenfrischen Semmeln. Doch im Hallenbad herrscht seit kurzem um diese Zeit bereits Hochbetrieb.
30 Frauen und Männer sind zu dieser frühen Stunde im Becken, schwimmen eine Bahn nach der anderen oder betreiben einfach etwas Wassergymmnastik. Sie gehören zu den Frühschwimmern im Hallenbad und „früh“ bedeutet in diesem Fall fast schon „zu nachtschlafender Zeit“.
„Morgen um sechs Uhr stehen die ersten Besucher vor der Eingangstür, weil sie schwimmen wollen“, sagt Maximilian Muthig, Betriebsleiter des Hallenbads. Josef Kiermeier kommt bis zu zweimal pro Woche frühmorgens und vor der Arbeit ins Schwimmbad. „Ich bin Frühaufsteher“, sagt er. „Und so früh am Morgen ist noch nicht viel Betrieb im Becken.“ Das gefällt ihm. So kann er in Ruhe seine Bahnen ziehen. An diesem Donnerstag waren es 40 Stück, insgesamt 1000 Meter.
Ruben Merz aus Ulrain lässt es beim Frühschwimmen zwischen sechs und acht Uhr richtig „krachen“. „Ich schwimme mindestens eine Stunde. Ich trainiere Triathlon“, sagt er. Sowohl beim Neustädter Sprint- Triathlon startet er als auch bei Wettbewerben mit längeren Distanzen. Auch für ihn ist der Sport der Einstieg in den Tag. Nach dem Schwimmbecken geht es für den 30-Jährigen ins Büro.
Besser vor der Arbeit
Erst der Sport und dann die Arbeit? Hallenbad-Betriebsleiter Maximilian Muthig und seine Assistentin Alexandra Neubauer sind sich einig: „Der beste Zeitpunkt für Sport ist vor der Arbeit.“ Nach der Arbeit, wissen sie, ist man oft zu erschöpft, um noch etwas zu unternehmen. Und Bürgermeister Thomas Memmel ergänzt: „Wenn du in der Frühe schon Sport getrieben hast, kommst du ganz anders in den Tag und durch den Tag.“
Allerdings war das nicht der Grund, dass im Neustädter Hallenbad die Frühschwimmer-Zeiten eingeführt wurden. Ursache für die frühen Schwimmzeiten war die Unordnung im Becken. Maximilian Muthig und Alexandra Neubauer erlebten immer wieder, dass sich Schwimmer in die Quere kamen, weil einige quer durchs Becken schwammen oder Besucher zu mehreren nebeneinander schwammen und damit den Betrieb im becken blockierten. Außerdem gab – und gibt es – unterschiedliche Interessen. Da sind die Sportschwimmer, die „Gemütlichen“, die ganz normalen Schwimmer und die, die einfach nur Gymnastik wie zum Beispiel Aquajogging betreiben wollen.
In der Folge kam es zu Beschwerden von Badegästen, die das Bad nicht wie gewünscht nutzen konnten. Neubauer und Muthig setzten sich mit Bürgermeister Thomas Memmel zusammen, berieten sich und fanden eine Lösung. Das Becken wurde in drei Bereiche unterteilt. Auf der Außenbahn am Fenster zum Schulsportgelände sind die Badegäste unterwegs, die es gemütlich angehen lassen und die Wert auf Wassergymnastik legen. Auf der Innenbahn am Büro der Betriebsleiter sind die Sportschwimmer untergebracht und in der Mitte des Beckens sind die „normalen“ Schwimmer unterwegs.
Die Resonanz ist gut. Doris Paulus, die in Marching wohnt, schätzt die ruhige Außenbahn. „Ich komme regelmäßig, um fit zu bleiben“, sagt sie. „Da kann ich in Ruhe meine Übungen machen. Die Abtrennung der Bahn finde ich viel besser als den früheren Zustand, wo alle irgendwie im Becken unterwegs waren.“ Die Abtrennung, sagt sie auch, gebe ihr Sicherheit.
Bis 40 Personen in der Frühe
Auch Ruben Merz sieht in der Abtrennung kein Problem. Obwohl bei den Sportschwimmern oft fünf, sechs Schwimmer zugleich ihre Bahnen ziehen, komme man sich nicht in die Quere. Die Sportschwimmer seien sehr diszipliniert. Und so hält Ruben Merz die Aufteilung beim Frühschwimmen für sinnvoll. „Es ist eine Entlastung für das Bad und keine Belastung für die Schwimmer“, ist er überzeugt.
Der Bürgermeister und das Hallenbadteam freuen sich über die positiven Rückmeldungen, aber auch über die Zahl der Frühschwimmer. Bis zu 40 Personen nutzen das Angebot. Auch sonst erfreut sich das Hallenbad einer steigenden Beliebtheit. Dazu hat nicht zuletzt die Schließung des Mainburger Hallenbades beigetragen. Inzwischen kommen nämlich auch Mainburger nach Neustadt. Nicht zuletzt die Einführung des Neustädter Sprint-Triathlons hat die Zahl der Hallenbadbesucher steigen lassen. „Bei den Sportschwimmern sind viele dabei, die sich vom Triathlon kennen“, sagt der Bürgermeister.



