Die lang ersehnte Sanierung des Regensburger Obermünsterviertels startet: Grüne Oase ist weg

Von Jürgen Scharf · 10. März 2025 um 05:00

Ein paar Bretter liegen noch hinter dem Gitterzaun herum. Doch bald werden auch sie auf ihre letzte Reise gehen. Die Grüne Oase am westlichen Ende der Obermünsterstraße in Regensburg wurde in den vergangenen Tagen kleiner und kleiner. Sie muss abgerissen werden, weil nun die lang erwartete Sanierung des Viertels startet – zumindest erste Maßnahmen davon.

Dröhnender Durchgangsverkehr. Bröckelnde Fassaden. Das Obermünsterviertel ist eines der Sorgenkinder der Regensburger Innenstadt. Seit Jahrzehnten wird über eine Sanierung diskutiert. Nun soll es aber wirklich losgehen. Wenn die Grüne Oase, die der Verein Transition Regensburg in den vergangenen Jahren dort betrieben hat, endgültig zurückgebaut ist, will die Stadt Regensburg über die frei gewordenen Flächen „mobiles Grün“ verteilen. Im Mai soll dann mit ersten Schritten der Verkehr beruhigt werden. Dabei soll getestet werden, was am besten wirkt – um bei der endgültigen Neugestaltung, deren Start in drei Jahren geplant ist, möglichst an den richtigen Schrauben drehen zu können.

Nicht alles auf Null stellen

Das Obermünsterviertel gilt als Stadtteil mit ganz eigenem Flair. Und als eines, mit einem Zusammengehörigkeitsgefühl wie sonst kaum in Regensburg. Da passt es gut, dass die Stadt allem Anschein nach keineswegs alles auf Null stellen will. So soll auch die Grüne Oase, in etwas abgewandelter Form, bei der Sanierung wieder mit eingearbeitet werden.

Für die Anwohner, Geschäftsleute und Vereine gab es bereits etliche Infoveranstaltungen. Das kommt offenbar gut an. Der Verein Transition etwa berichtet, dass erste Entwürfe für die neue Grüne Oase vorgestellt wurden – und die wären vielversprechend. „Sehr gut eingebunden“ von der Stadt fühlt sich auch der ansässige Geschäftsmann Michael Huber, wie er erzählt. Er betreibt den Kiosk 24. Die Ideen für die Sanierung, von denen er bislang gehört hat, gefallen ihm: „Das wird das Viertel sicher aufwerten.“

„Da kommt ja immer dasselbe raus“

Dieser Meinung ist bekanntermaßen auch Achim Hubel von den Regensburger Altstadtfreunden. Diese fordern seit vielen Jahren, dass in dem Viertel etwas passiert. Nun gibt es erste Maßnahmen. „An sich ist das ein positives Zeichen“, sagt Hubel, „allerdings ist es ein sehr zögerlicher Anfang.“ Er könne den Zeitplan für das gesamte Projekt „überhaupt nicht verstehen“. So habe er beispielsweise das Gefühl, dass „hier jetzt die 50. Anwohnerbefragung durchgeführt wird. Aber da kommt ja immer dasselbe raus“. Dadurch vergehe wieder viel Zeit: „Es wird noch einmal zwei Jahre lang befragt, dann noch einmal zwei Jahre geplant.“ Eigentlich sei aber doch seit vielen Jahren „alles bekannt, was hier gemacht werden muss. Man könnte sofort loslegen“.

Nun wird aber eben zunächst eine Testphase durchgeführt. Ab Mai werden der Stadt zufolge entlang der Obermünsterstraße Stellplatzflächen frei werden. Hier soll es Fahrradständer, E-Roller-Stationen, Stellplätze für Lastenräder, eine Fahrradreparaturstation, Pflanztröge und auch Sitzmöglichkeiten ohne Konsumzwang geben. Auf dem westlichen Obermünsterplatz werden Anwohner derweil weiter parken können.

Wie werden die Sitzgelegenheiten angenommen? Wie funktioniert das neue Verkehrskonzept? Antworten auf solche Fragen sollen der Stadt Hinweise für das endgültige Sanierungskonzept geben. Ein klares Gerüst gibt es hier aber schon. Die Verkehrsberuhigung steht ganz oben. Am nördlichen Ende des Viertels soll ein „Multifunktionsband“, wie es die Stadt nennt, entstehen, das bestehende Elemente wie etwa die Freisitze der dortigen Wirte integriert.

„Gut sichtbares Wasserspiel“

Des Weiteren ist ein Brunnenplatz geplant. Auch einen Bach soll es geben. Dieser ist laut der Stadt Teil eines „wassersensiblen Planungskonzepts“, welches neben weiteren Brunnenanlagen der Bewässerung der Bäume dienen soll.

Allerdings: Ankündigungen, dass im Obermünsterviertel etwas passiert, gab es in den vergangenen Jahren immer wieder – nur erfüllten sie sich dann nie. Umso mehr werden die Anwohner genau beobachten, ob es nun wirklich losgeht.

Und auch in der Regensburger Politik gab es zuletzt schon erste zarte Zweifel, dass der Zeitplan wirklich eingehalten wird. Im Januar hatte Brücke-Stadtrat Florian Rottke bei der Stadtspitze nachgefragt, ob die fürs Frühjahr angekündigten ersten Maßnahmen nun kommen oder nicht. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer hatte damals aber noch etwas Geduld eingefordert: „Im Januar ist noch kein Frühjahr.“

Stadt will Bürger mit einbinden

Termine: Als nächste Beteiligungsmöglichkeiten für die Sanierung des Viertels gibt es der Stadtverwaltung zufolge am 3. Mai eine Kinder- und Jugendbeteiligung, ebenfalls im Mai die offizielle Eröffnung der Sofortmaßnahmen und im Herbst eine dritte „Planungskneipe“ zur Evaluierung der Sofortmaßnahmen.

Formate: Die Beteiligungsveranstaltungen waren im Juli vergangenen Jahres gestartet worden. Unter anderem gab es bislang zwei Planungskneipen und auch einen zweitägigen Workshop. Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es auf der Homepage der Stadt unter www.regensburg.de.