Verkehrsberuhigung im Obermünsterviertel: „So lange können wir auch noch warten“

Für die Regensburger Altstadtfreunde gab es quasi mitten im Herbst ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Jahrelang hatten die Mitglieder des Vereins dafür gekämpft, dass der Durchgangsverkehr aus dem Obermünsterviertel rauskommt. „Jetzt ist es geschafft“, sagte Vorstandsmitglied Achim Hubel.
Am Dienstagabend hatte der Planungsausschuss des Regensburger Stadtrats eine entsprechende Maßnahme beschlossen. Nicht weniger als etwa 15 Jahre dauerte die Debatte um die Verkehrsberuhigung des Viertels allerdings nun schon an. Sie wurde bereits einmal in Aussicht gestellt, dann wieder zurückgestellt, und dann mit der Mobilitätsdrehscheibe verknüpft. Jetzt ist es aber endgültig fix: Ab kommendem Frühjahr soll es im Viertel nur noch für Anwohner und für den Lieferverkehr Stellplätze geben, aber keine öffentlichen Parkplätze mehr.
„Leute werden vernünftiger“
Groll, dass es viele Jahre bis zu dieser Entscheidung gedauert hat, verspüre er nicht, sagt Hubel. „Wir sehen es vielmehr als Bestätigung, dass man etwas erreichen kann, wenn man am Ball bleibt.“ Aufgeben sei ohnehin nie eine Option gewesen: „Wir haben uns gesagt, dass die Zeit letztlich auf unserer Seite ist, weil die Leute eben insgesamt einfach immer vernünftiger werden.“ Für die Altstadtfreunde solle das Obermünsterviertel nun idealerweise ein Modellprojekt werden – „das später auch auf andere Plätze ausgeweitet wird“.
In der jüngeren Vergangenheit hatte in erster Linie die Regensburger CSU eine Verkehrsberuhigung verhindert und ihre Haltung damit begründet, dass der Einzelhandel auf Parkplätze der Kunden angewiesen ist. Nun stimmte aber sogar die CSU im Planungsausschuss für die Veränderung. Vom Verein der Regensburger Kaufleute wird dies allerdings auch nicht kritisiert. Deren Vorsitzender Armin Gebhard teilt mit, dass „wir mit der Beruhigung in diesem Fall keine Nachteile für die Geschäftswelt in diesem Stadtviertel sehen, da es sich bei dem Obermünsterviertel nicht um eine verkehrstechnische ‚Hauptader‘ handelt“. Das Parkhaus am Petersweg sei „wunderbar und nah genug“.
Gemischte Gefühle bei Geschäftsleuten
Bei den Geschäftsleuten vor Ort scheint es allerdings durchaus gemischte Gefühle zu geben. Tanja Humbs, die ein Wächestudio in der Obermünsterstraße betreibt, findet, dass es zwei Seiten der Medaille gibt. „Zum einen ist es natürlich gut, dass diese unglaublichen Wende- und Parkmanöver, die es direkt vor unserer Ladentür gab, aufhören.“ Zum anderen habe sie aber die Sorge, dass es für Menschen, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, nun schwieriger werde, die Geschäfte im Obermünsterviertel zu erreichen. Es müsse bei der genauen Regelung unbedingt darauf geachtet werden, dass diese Gruppe nicht benachteiligt wird, findet sie. Julia Ermantraut, die ein Beautystudio betreibt, sagt, dass sie den Durchgangsverkehr für ihren Laden nicht schlecht fand: „Menschen, die hier geparkt haben, wurden dadurch immer wieder auch auf das Geschäft aufmerksam. Das war natürlich gut.“
Einige Monate Vorlauf
Es wird aber ohnehin noch einige Monate dauern, bis die neue Regelung greift. Darüber war auch im Stadtrat hitzig diskutiert worden. Unter anderem die Brücke-Fraktion, die den Antrag gestellt hatte, forderte eine sofortige Umsetzung. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer entgegnete, dass das nicht möglich sei, es solle aber „so schnell wie möglich“ kommen: Die Verwaltung habe ihr gesagt, dass kommendes Frühjahr ein realistischer Zeitpunkt sei: „Und so lange werden wir jetzt auch noch warten können.“
Der städtische Planungsreferent Florian Plajer begründete die benötigte Vorlaufzeit damit, dass „wir auch noch zwei drei anderen Sachen zu tun haben“. Die Angelegenheit werde allerdings auch nicht ganz weit hinten angesetzt, es werde auch im Winter daran gearbeitet: „Unsere Computer laufen auch, wenn es draußen schneit.“ Ein Schnellschuss sei allerdings nicht die Lösung, findet er. Es gehe seiner Meinung darum, eine Regelung zu finden, die nicht Monat für Monat wieder verändert wird.