Die Fastenzeit hat begonnen: Das raten Expertinnen aus dem Landkreis Cham zum Verzicht

Von Johannes Lesser · 6. März 2025 um 05:00

Die Zeit der Narren ist vorbei: Am Dienstag fand die Faschingssaison mit dem Kehraus ihr Ende. Bis zum Osterfest folgt jetzt die Fastenzeit. Ob Fleisch, Alkohol oder Schokolade – verzichten lässt sich auf einiges. Doch wie lassen sich die 40 Tage des Verzichts möglichst gut überstehen?

Zwei Ernährungsberaterinnen aus dem Landkreis Cham haben Tipps parat. Außerdem gibt die Leiterin der Fachambulanz Suchthilfe einen Einblick, ob das Thema Fasten auch in deren Arbeit eine Rolle spielt.

Eines vorneweg: Wirft man einen Blick auf die bundesweiten Statistiken, liegt der bewusste Verzicht in den ersten Monaten des Jahres voll im Trend. Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im Jahr 2024 während den 40 Tagen Fastenzeit bundesweit 9,4 Prozent weniger Alkohol, 3,6 Prozent weniger Fleisch und 5,5 Prozent weniger Süßigkeiten verkauft.

Dry January hat sich etabliert

Noch deutlicher sind die Zahlen mittlerweile beim sogenannten „Dry January“. Der nahm zu Beginn der 2010er-Jahre in England seinen Anfang und hat sich – auch dank der Sozialen Netzwerke – längst in Deutschland etabliert.

Ob klassisches Fasten oder Dry January: Den Expertinnen zufolge scheint im Landkreis Cham beides eher weniger auf der Tagesordnung zu stehen. Angelika Betz leitet die Fachambulanz Cham der Caritas-Suchthilfe. „Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen keinen relevanten Unterschied während der Fastenzeit“, sagt sie in Bezug auf die Anfragen. Generell sei die Anzahl der Klienten weitgehend konstant, auch „eine Auswirkung des Dry January war nicht erkennbar“.

Generell rät sie Abhängigen davon ab, „ohne ärztliche Aufsicht mit dem Trinken aufzuhören, da Entzugserscheinungen auftreten können“. Für Menschen, die sich fragen, ob ihr Konsum oder Verhalten noch normal ist, biete die Fachambulanz Cham ein eigenes Selbstkontrolltraining an.

„Jede Veränderung ist grundsätzlich positiv“

Auch bei den Klienten der Chamer Ernährungsberaterin Daniela Groß ist das Fasten „weniger ein Thema“. Im Fokus stehe dagegen „eine gesunde Ernährung an sich“. „Jede Veränderung ist grundsätzlich positiv“, sagt Groß’ Berufskollegin Esther Bauer aus Blaibach, und ergänzt: „Schön wäre es natürlich, wenn es langfristig ist, aber es ist auf jeden Fall ein Anfang.“

Ein wichtiger Schlüssel, um ein Fastenprojekt bis Ostern oder sogar länger durchzuhalten, liege in der richtigen Zielsetzung, sind sich beide einig. „Wichtig ist, dass es realistisch und umsetzbar ist“, so Bauer. Andernfalls könne binnen kurzer Zeit die Frustration sehr hoch sein. Das bedeute jedoch nicht, dass das Fasten nicht auch eine gewisse Anstrengung kosten dürfe.

Lieber kleine Ziele, die dann konsequent umgesetzt werden

„Wir sind Gewohnheitsmenschen. Wenn wir radikal sind, ist es meist zum Scheitern verurteilt“, sagt Groß. Zudem seien Radikalkuren keine Dauerlösung, wenn die Personen nach Ablauf der 40 Tage in ihre alten Gewohnheitsmuster zurückfallen. „Im Endeffekt hab ich dann einen wunderbaren Jojo-Effekt“, sagt Groß. Erfolgsversprechender sei es, sich kleine Ziele zu setzen und diese dann konsequent umzusetzen.

Heuer eine zusätzliche Herausforderung: Die Fastenzeit fällt in den Beginn der Grill- und Feiersaison. „Ich denke schon, dass es ein gewisses Gefahrenpotenzial birgt“, sagt Bauer. Auch hier gehe es dann wieder darum, einen guten Kompromiss zu finden und zu überlegen, „was es für Alternativen gibt“.

Der Verzicht als individuelle Entscheidung

Die Frage, auf was verzichtet werden sollte, ist gar nicht mal so einfach zu beantworten. Zu unterschiedlich sind die Vorlieben der einzelnen Menschen. Softdrinks könnten bei manchen Personen einen großen Unterschied machen, erklärt Bauer. Sie könnten beispielsweise durch Zitronenwasser oder selbstgemixten Eistee ergänzt werden, um den Übergang nicht ganz so hart zu gestalten.

Aus gesundheitlicher Perspektive könne zudem der Verzicht auf Snacks zwischen den Hauptmahlzeiten helfen, da der Körper ohne die ständige Energiezufuhr eher in die Fettverbrennung komme. Ein großes Thema für beide ist aus gesundheitlicher Perspektive zudem der Alkohol.

Das Fasten müsse jedoch nicht nur mit der Ernährung zusammenhängen, fügt Groß an. Gerade in der heutigen Zeit könne es auch zählen, „bewusst das Handy zur Seite zu legen“ und ohne Ablenkung zwei Stunden mit Freunden zu verbringen.

Gerade für jüngere Menschen kann auch eine bewusste Abkehr von der Informationsflut auf dem Handy zum Fasten zählen. Symbolbild: Zacharie Scheurer/dpa