Jenseits von Schweinsbraten-Tellerrändern: Josef Menzl feiert 30-Jähriges seiner Kapelle

Von Peter Geiger · 6. März 2025 um 11:00

Eigentlich will die Kapelle Josef Menzl schon seit 27 Jahren aufhören. Erst einmal feiert sie aber nun ihr 30-jähriges Bestehen. Im MZ-Gespräch blickt Menzl zurück bis zur „Islinger Dorfmusik“ – und voraus auf die Gala, bei der sich Musik-Welten treffen sollen.

Für ein Gespräch mit Josef Menzl, da braucht’s gar kein Aufwärmprogramm. Denn dieser Vollblutmusiker, der letztes Jahr 50 wurde, er ist ein gestandenes Mannsbild. Weshalb er auch sofort auf Betriebstemperatur ist. Oder, wie er während dieses Interviews immer wieder sagen wird: „On fire!“ Erkundigt man sich bei dem Klarinette spielenden Bandleader aus Pentling über die anstehende Benefizgala zum dreißigjährigen Bestehen seiner Kapelle, die am 26. und 27. März im Audimax über die Bühne gehen wird, dann antwortet er nicht nur blitzschnell und blitzgescheit.

Nein, er lässt auch die ihm eigene Ironie aufblitzen: „Eigentlich“, so lautet seine erste Antwort, „wollen wir ja schon seit 27 Jahren aufhören!“ Und schiebt dann noch ein Holzscheitl hinterher: „Bei uns ist das wie bei einem Atomkraftwerk: Das kann man nicht so einfach abschalten!“ Und genau in diesem Gaudi-Modus geht das weiter.

Bierernster Sprachwitz

Denn Josef Menzl meint es nicht nur bierernst mit seinem Sprachwitz. Auch als Blasmusiker, der seine künstlerische Heimat jenseits der Schweinsbraten-Tellerränder und nicht nur zwischen Wirtshausstühlen sieht, setzt er genau auf dieses Konzept der augenzwinkernden Entwaffnung seines jeweiligen Gegenübers: „Wia ma mia ogfanga hab’n, da war ja des ois no ganz anders“, sagt er. Damals sei kein Mensch in Tracht zu Konzerten gekommen. Denn Mitte der 1990er Jahre, da stand bayerische Volksmusik noch unter dem Generalverdacht, langweilig, spießig oder noch etwas viel Schlimmeres zu sein. Als Kind schon war ihm das bewusst, als er mit der von Herbert Wehrer geleiteten „Islinger Dorfmusik“ keine Fahnenweihe im Umkreis von 50 Kilometern ausließ. „Mia hamma scho schee gspuit“, bekennt er. Aber was Leidenschaft und Hingabe anbelangt, das lernte er vor allem als Jugendlicher, als er Saxophonist bei den Lokalmatadoren von Slick 50 war: Da wurde der Rock’n’Roll schnell, hart und trocken interpretiert. Weshalb sie dafür sorgten, dass alle Anwesenden augenblicklich und von Anfang an „on fire“ waren.

Und genau das ist bis heute die Maxime der „Kapelle Josef Menzl“: Die Volksmusik, die sie spielen, sie ist krachert, sie ist rau und vor allem unkonventionell. Wenn sie Klassiker wie das „Rehragout“ oder „Aus Böhmen kommt die Musik“ spielen, dann meint das Publikum nicht nur, es wäre bei einem Popkonzert gelandet. Sondern es benimmt sich auch so. Die Leute gehen mit. Flippen aus. Recken die Hände rhythmisch in den Himmel. Weil sie spüren, dass sie „Eins-A-Qualität geliefert bekommen“. Besonders wichtig ist Josef Menzl, dass sie dabei „auch das ironische Element begreifen“. Und sich gerade deshalb umso lieber drauf einlassen. Diese Sensibilität, die hat sich die Kapelle in den letzten 30 Jahren angespielt, am Gäubodenfest in Straubing genauso wie beim „Woodstock der Blasmusik“ in Linz oder am Oktoberfest.

Hartes Pflaster München

Die Landeshauptstadt freilich ist ein hartes Pflaster, die Wirte hören gar nicht auf die Musik, sondern schielen ausschließlich auf die Umsätze. Menzls Herz aber schlägt am höchsten, vernimmt es jenen harmonischen Dreiklang, der sich aus der Schnittmenge gemeinsamen Glücks von „Publikum, Wirten und Musikern“ ergibt. Weshalb zur großen Geburtstagsfeier nicht nur sein alter Slick-50-Freund Robert Hager, der jetzt in Hamburg lebt, geladen ist. Sondern auch Joseph Wasswa: Der in Uganda gebürtige Trommler, der einige Jahre Lehrer an der Städtischen Sing- und Musikschule war, hat angekündigt, dass er mit einem 40-köpfigen Chor anrücken wird. Sodass an diesem Abend wirklich alle an einem Strang ziehen, wenn’s drum geht, „verschiedene musikalische Welten miteinander zu vereinen!

Das Benefizkonzert

Guter Zweck: Die Benefizgala „30 Jahre Kapelle Josef Menzl“ veranstaltet der Lionsclub Regensburg-Land für „Sternstunden“ und „Zweites Leben“.

Tickets: Karten gibt es noch für den Termin am 27. März um 19.30 Uhr.