Further Drache wird zum Filmstar: Regisseur Enrico Saller dreht Bayerwald-Krimi

Krimifans aufgepasst: Ein neuer Kommissar ist in der Region. Am 15. März ist Drehstart in Furth im Wald (Landkreis Cham). In der Drachenhalle, wo auch sonst. Den Namen eines prominenten Mitspielers, dessen Stimme jeder kennt, hat Regisseur und Drehbuchautor Enrico Saller auch schon verraten.
Wie teuer die Produktion sein wird, darüber darf Saller nicht reden. Partner ist aber unter anderem der Tourismusverband Ostbayern. Auch die Bezirke Niederbayern und Oberpfalz sowie Landkreise beteiligen sich an den Kosten. „Wir haben natürlich auch Sponsoren“, sagt der Regisseur, der mit dem aktuellen Projekt seinen zweiten Langfilm dreht.
Im Nationalpark geht nichts
Die Partnerschaft macht Sinn, auch weil man sich verpflichtet hat, während der 21 Drehtage zumindest einmal in jedem Landkreis des Bayerischen Waldes zu drehen. Am Kleinen Arbersee, in den Katakomben von Zwiesel oder auch beim Schloss Fürstenzell.
„Los geht es aber in der Drachenhalle in Furth. Da drehen wir gleich das Finale“, gibt Saller einen Einblick in die Arbeitsweise eines Drehteams. Diese Vorgehensweise ist ganz normal, weil man nicht chronologisch, sondern szenisch vorgeht. Beim vorliegenden Werk ist es beispielsweise so, dass der Protagonist und Hauptdarsteller nicht immer Zeit hat, am Set zu sein. Er ist ein gefragter Schauspieler, der schon in über 100 Produktionen mitgespielt hat.
Jetzt aber raus mit dem Namen. Keine Chance, vertraglich sind dem Regisseur da noch die Hände gebunden. Einen anderen Namen darf er aber verraten. Den Bösewicht spielt Charles Rettinghaus. Mit dem Horrorstreifen „Radio Silence – der Tod hört mit“ aus dem Jahr 2012 hat er es als Schauspieler sogar in die Vorauswahl des Oskars geschafft. Viel bekannter ist Rettinghaus aber noch durch internationale Blockbuster. So ist er die deutsche Synchronstimme von Topstars, wie Matt Dillon, Robert Downey Jr. und Jamie Fox.
Werden die Darsteller eigentlich ganz klassisch bei Castings ausgesucht? Saller lacht: „Die großen Namen natürlich nicht. Man fragt einen Schauspieler an, trifft sich mit ihm und schaut, ob es passt.“ Insgesamt sind es 15 bis 16 Spieler, die Text haben. Das ganze Team besteht aus etwa 50 Leuten.
Auch der Grund, warum man nicht im Nationalpark drehen durfte. „Das kann ich schon verstehen, wenn wir da mit Kameras, Stativen, Ton und mehr durch die geschützte Landschaft laufen, ist das nicht so ideal.“ Aber an der Felsformation Teufelstisch wird es einen Drehtag geben. Die spektakuläre Felsformation liegt im Gemeindegebiet von Bischofsmais, der Wahlheimat des gebürtigen Deggendorfers.
Beim öffentlichen Dreh sind Zuschauer willkommen
Der Startschuss aber erfolgt, wie gesagt, in der Drachenhöhle. Klar soll es dort ordentlich zur Sache gehen. „Wir drehen Filmszenen mit spektakulären Drachenbildern“, verspricht er. Sogar ein Stuntkoordinator wird vor Ort sein. Wermutstropfen für Fans, aber natürlich verständlich, weil man das Ende nicht verraten will: Zaungäste sind nicht nur unerwünscht, sondern verboten. Doch die gute Nachricht: Es wird einige Zeit später, wenn das Gerüst an der Drachenhöhle, die ja gerade aufwendig saniert wird, entfernt ist, einen öffentlichen Dreh geben, bei dem Zuschauer willkommen sind.
Zur Story kann Saller auch schon etwas sagen. Es geht um einen Ex-Kommissar, der seit einem Unfall vor drei Jahren taub und in ein tiefes mentales Loch gefallen ist. Aber er kämpft sich ins Leben zurück. „Es ist seine persönliche Heldenreise“, verspricht Saller. Der Kommissar hat natürlich Einschränkungen, weil er beispielsweise nicht hört, wenn sich jemand von hinten nähert. Dafür ist seine Wahrnehmung in anderen Bereichen wesentlich besser. Zur Seite steht ihm eine Ex-Kollegin, die extra für ihn die Gebärdensprache gelernt hat. Beide verstehen sich so auch ohne Worte, was aus dem Handicap ein Stück weit auch einen Vorteil macht.
Teamarbeit ist extrem wichtig
Gegenseitig beschnuppert hat man sich natürlich schon. Saller hat zusammen mit seiner Lebensgefährtin die Chance genutzt und ist zur Berlinale gefahren. „Zum einen, weil viele Schauspieler tatsächlich in der Hauptstadt wohnen, zum anderen, weil man dort alle trifft.“ Vor Ort wurden dann bereits einige Sprechproben gemacht.
Nachdem er nicht nur Regie führt, sondern auch das Drehbuch für den Film geschrieben hat, liegt es ihm natürlich ganz besonders am Herzen. Daher achtet er schon auf Genauigkeit. Er weiß aber auch, dass es zwei Typen von Schauspielern gibt. Die einen, die sich gerne wortgenau an das Drehbuch halten, und die anderen, die etwas mehr künstlerische Freiheit brauchen, um sich entfalten zu können. Grundsätzlich gilt für den 29-Jährigen: „Alles ist Teamarbeit, jeder am Set ist gleich wichtig.“
Erstmals gezeigt werden soll der Krimi, der komplett im Bayerischen Wald spielt, Ende Oktober auf den Filmfestspielen in Hof und könnte dort auch einen Preis gewinnen. Altersfreigabe soll ab zwölf Jahren erfolgen. Dann kann der Streifen in der Primetime laufen und auch in der Mediathek ohne Anmeldung angeklickt werden. Bleibt noch einer Frage: Wird es eine Fortsetzung geben? „Der Film steht erst einmal für sich alleine. Aber natürlich würde es uns freuen, wenn es eine Fortsetzung gibt.“

