Keine Süßigkeiten mehr – oder direkt Nulldiät? Regensburger Medizinerin erklärt, wie gesund Verzicht ist

Von Marion Neumann · 4. März 2025 um 15:00

Süßigkeiten, Fleisch oder Alkohol – das sind die Klassiker, auf die in der Fastenzeit häufig verzichtet wird. Weniger aus religiöser Motivation als aus gesundheitlichen Gründen heraus, wird dagegen für einen bestimmten Zeitraum teilweise oder komplett auf feste Nahrung verzichtet: Mit Intervallfasten, Heilfasten oder Saftkuren soll Gewicht verloren werden. Doch ist das überhaupt gesund?

Dr. Melanie Kandulski, Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie, behandelt als Oberärztin am Regensburger Universitätsklinikum unter anderem Patienten mit Übergewicht. „Fasten ist nicht gleich Fasten“, sagt sie. Ursprünglich gehe es bei dem Begriff tatsächlich um religiösen Verzicht. „Fasten bedeutet letztendlich, dass wir Dinge weglassen, auf die wir sonst nicht verzichten. Das können Lebensmittel sein, aber auch Rauchen oder Alkohol. Es gibt auch Menschen, die Sex fasten. Man besinnt sich auf etwas und bringt ein Opfer – das ist das, was eigentlich dahintersteht.“

Intervallfasten: Essen nach der Uhr

Einen gesundheitlichen Effekt bei dieser Art des Fastens sehe man nicht unbedingt – vor allem, wenn man danach wieder in die alten Verhaltensmuster zurückfällt. „Wenn ich bis Ostern auf Süßes verzichte, geht es mehr darum, dass es sich gut anfühlt, durchgehalten zu haben“, sagt Kandulski.

Ist das Ziel beim Fasten, Gewicht zu verlieren, müsse immer individuell betrachtet werden, welche Diätform am besten funktioniert. Unter Männern sei etwa Intervallfasten eine beliebte Methode. „Es gibt verschiedene Varianten“, sagt die Medizinerin, „bekannt ist zum Beispiel die Form, bei der man innerhalb von acht Stunden essen und dann 16 Stunden fasten soll“.

Einen großen Vorteil gegenüber anderen Diätformen gebe es beim Intervallfasten ihrer Ansicht nach nicht unbedingt. „Ob ich die Kilokalorien, die ich esse, innerhalb von acht Stunden zu mir nehme oder innerhalb von 16 Stunden, ist letztendlich egal. Es kommt beim Abnehmen immer darauf an, dass ich in der Energiebilanz negativ bin“, sagt sie. Worum es eigentlich gehe, ist, dass eine Mahlzeit weggelassen wird. „Ich muss weniger Kalorien zu mir nehmen, als ich verbrauche. Dann habe ich die Möglichkeit, abzunehmen.“

Heilfasten als Einstieg für eine Diät

Als Einstieg für eine Diät sei auch Heilfasten geeignet. „Das klassische Heilfasten kennt man seit etwa 100 Jahren. Man reinigt den Darm und nimmt dann für sieben bis zehn Tage nur 250 bis 500 Kilokalorien täglich auf.“ Wichtig sei bei dieser Form des Fastens, ausreichend zu trinken und nicht nur Wasser, sondern auch Brühe und Flüssigkeiten wie Buttermilch zu sich zu nehmen. „Nur so bekommt der Körper genügend Elektrolyte, Spurenelemente und Vitamine. Gerade Eiweiß ist entscheidend, um beim Abnehmen keine Muskelmasse abzubauen.“

Kritisch sieht Kandulski Saftkuren, die derzeit in den sozialen Medien vermehrt beworben werden. „Es fließt viel Geld in Produkte, die keine Überlegenheit gegenüber anderen Diätformen zeigen“, sagt sie. Bei den Kuren mit Obst- und Gemüsesäften sowie Brühen, die in der Werbung angepriesen werden, handle es sich um „Entgiftungs- oder Detox-Diäten“. „Wenn man ein gesunder Mensch ist und eine normale Nieren-, Leber-, Lungen- und Hautfunktion hat, muss man seinen Körper nicht entgiften.“

Jo-Jo-Effekt vermeiden

Für nachhaltiges Abnehmen empfiehlt sie eine ausgewogene, kalorienreduzierte mediterrane Ernährung mit wenig Fleisch, mehr Fisch sowie viel Gemüse und Obst. „Das lässt sich gut durchhalten und ist auf lange Sicht gesehen am effektivsten.“ Evolutionsbedingt sei der Mensch zwar so gestrickt, dass er mit Fasten sehr gut zurechtkomme. „Früher hieß es nicht Fasten, sondern Missernte, Hungersnot und Krieg – und so fühlt es sich für unseren Körper auch heute noch an“, so die Oberärztin.

„Wir können unseren Stoffwechsel tatsächlich völlig herunterfahren, wenn es darauf ankommt. Die verbleibende Nahrung wird dann optimal verwertet.“ Sobald jedoch wieder „normal“ gegessen wird, droht schnell die unerwünschte Gewichtszunahme – auch bekannt als „Jo-Jo-Effekt“. „Unser Stoffwechsel gibt dann wieder Vollgas und nimmt alles auf, was er bekommen kann, um Reserven für die nächste Hungersnot anzulegen.“

Nicht fasten bei akuten Erkrankungen

Wem Kandulski definitiv vom Fasten abrät, sind Menschen mit akuten Erkrankungen. „Insbesondere Krebserkrankungen. Es gab mal einen Trend, dass man den Krebs aushungern soll. Das ist unglaublich gefährlich“ sagt sie. Selbst gesunden Menschen rät die Expertin außerdem von einer Nulldiät ab. „Das kann sehr schnell zu einem gefährlichen Nährstoffmangel führen“, warnt sie.