Bilanz nach drei Jahren Krieg: So lief die Integration der Ukrainer in den Arbeitsmarkt

Vor drei Jahren hat die größte Flüchtlingsbewegung in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg eingesetzt – wie gut sind die Ukrainerinnen und Ukrainer inzwischen auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland aber auch in der Oberpfalz angekommen?
Als Russlands Präsident Wladimir Putin am 24. Februar 2022 seinen Angriff auf das Nachbarland begann, wollten die meisten ihr Leben retten. Wohl die wenigsten dachten an einen jahrelangen Aufenthalt in Deutschland. Wie hat sich die Lage seither entwickelt?
Der Regensburger Arbeitsmarktforscher Enzo Weber sieht deutliche Fortschritte bei der Integration von Menschen aus der Ukraine auf dem Arbeitsmarkt. „Seit Anfang 2024 geht es deutlich stärker bergauf, die Beschäftigung von Ukrainerinnen und Ukrainern steigt derzeit um rund 7000 pro Monat“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit. „Wir sind mittlerweile bei einer Beschäftigungsquote von klar über 30 Prozent.“ Im europäischen Vergleich bewege sich Deutschland im Mittelfeld.
Zahlen der Arbeitsagenturen in Regensburg und Schwandorf
Anfang des Jahres waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund eine halbe Million Ukrainerinnen und Ukrainern als „erwerbsfähig“ bei den Jobcentern gemeldet. Im Agenturbezirk Regensburg, zu dem auch die Landkreise Kelheim und Neumarkt gehören, waren es im Februar 3402 Personen. Die Zahl sei seit Monaten „fast gleichbleibend“, sagt der Pressesprecher der Agentur in Regensburg, Robert Brüderlein.
Im Bereich der Schwandorfer Agentur, zu der auch Cham und Amberg-Sulzbach gehören, seien aktuell 2456 erwerbsfähige Ukrainerinnen und Ukrainer gemeldet, teilt Pressesprecherin Eva Plößner auf Anfrage der Mediengruppe Bayern mit. Ihr zufolge sind nicht alle davon Leistungsbezieher. Auch im Bezirk Regensburg ist Brüderlein zufolge nur ein Teil der Ukrainer, exakt 1175, arbeitslos gemeldet. Im August 2024 waren es noch 1436. Seitdem gebe es einen „kontinuierlichen, deutlichen Rückgang“, so Brüderlein.
Minijob oft Einstieg in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
Dem Pressesprecher zufolge waren vor Beginn des Angriffskriegs im Bereich der Agentur Regensburg rund 440 Personen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Ab April 2022 sei die Zahl dann angestiegen. Im Juni 2024, letzter Stand, waren es 1538 Beschäftigte aus der Ukraine.
Im Schwandorfer Agenturbezirk lag die Zahl damals bei 982. Plößner betont, dass zudem 316 Ukrainer einem Minijob nachgegangen seien – laut der Sprecherin „oft der Einstieg in eine spätere sozialversicherungspflichtige Beschäftigung“. Ihr zufolge ist die Integration von geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern in den Arbeitsmarkt im Bereich der Arbeitsagentur Schwandorf sehr gut gelungen. So habe sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ukrainer seit Juli 2022 fast verdoppelt. Die Zahl der arbeitslos Gemeldeten sei aber nur geringfügig angestiegen, sagt Plößner.
Bundesregierung hat im Herbst 2023 den „Job-Turbo“ angekündigt
Der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg zufolge arbeiten Ukrainer besonders oft in der Industrie, im Handel, Gesundheits- und Sozialwesen, Baugewerbe, Gastgewerbe und im wirtschaftlichen Dienstleistungsbereich. Um sie und andere Geflüchtete schneller in Arbeit zu bringen, hatte die Bundesregierung im Herbst 2023 den sogenannten „Job-Turbo“ angekündigt. Ziel war es, Geflüchteten mit Bleibeperspektive eine schnellere Vermittlung in Arbeit zu ermöglichen.
Regensburg und Schwandorf: Mehr Geflüchtete in Arbeit
Dazu werde unter anderem die „Kontaktdichte“ der Geflüchteten mit den Jobcentern gezielt erhöht, sagt Brüderlein. Ihm zufolge ist die Beschäftigung von Ausländern im Agenturbezirk Regensburg von 2023 auf 2024 um 7,9 Prozent gestiegen. Inwieweit das auf den „Job-Turbo“ zurückzuführen ist, könne aber nicht gesagt werden, sagt der Sprecher.
Positive Zahlen kommen auch aus dem Agenturbezirk Schwandorf: Der Personenkreis für den der „Job-Turbo“ gelte, umfasse neben den Ukrainern auch Menschen aus insgesamt acht Hauptherkunftsländern, erklärt Plößner. „Für beide Personengruppen lässt sich sagen, dass die Integration in Arbeit und Ausbildung um 60 Prozent im Vergleich zu 2023 gesteigert werden konnte.“
Aus Sicht von Arbeitsmarktforscher Weber muss die Integration der Menschen aus der Ukraine weiter gefördert werden: „Man muss da weiter an der Entwicklung dranbleiben, damit wir aus dem beruflichen Potenzial das Beste machen können.“