Wechsel nach Neunburg nie bereut: Markus Schmitt leitet seit fünf Jahren die Polizeiinspektion

Markus Schmitt ist ein Polizist, wie ihn sich wohl jeder wünscht. Mit Leib und Seele übt er seinen Beruf aus – seit 37 Jahren. Seit fünf Jahren ist er Chef der Neunburger Polizei. Diese Aufgabe übernommen zu haben, hat der 55-Jährige keinen Tag bereut.
„Wenn man mich nachts um drei aus dem Tiefschlaf aufwecken und fragen würde, was ich beruflich machen möchte, dann würde ich immer Polizist sagen“, sagt der Erste Polizeihauptkommissar. Seit 1988 war Markus Schmitt mit verschiedenen Aufgaben im Polizeidienst betraut – vom Streifenbeamten über den Kriminaldauerdienst bis zum Dienststellenleiter. Letzteres ist er seit Anfang März 2020 in Neunburg. Sein Wechsel in die Pfalzgrafenstadt jährt sich am 1. März zum fünften Mal.
Es sei der beste Schritt gewesen, blickt Schmitt zurück. In der Neunburger Dienststelle, die zu den kleineren Inspektionen im Landkreis Schwandorf gehört, fühle er sich wohl. Und Schmitt konnte einiges für die den Standort erreichen: Das Personal wurde um eine Vollzeitstelle aufgestockt, der Fahrzeugbestand erneuert – so erhielten sie 2022 als erste Inspektion in der Oberpfalz einen silberblauen Audi Q5 – und das Polizeigebäude am Klosterberg umfassend saniert.
Dienststelle in Neunburg ist gut strukturiert
Handlungsbedarf bestand aus Schmitts Sicht bei der Internetkriminalität, die in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hatte. Waren es 2019 nur 65 Delikte dieser Art, wurden 2023 schon 154 registriert. Der Neunburger Polizeichef hat deshalb einen eigenen Mitarbeiter für die Online-Delikte etabliert.
Die Struktur der Dienststelle sei ansonsten sehr gut gewesen. Schmitt hatte bei seinem Start in Neunburg ein gut eingespieltes Team vorgefunden und keinen großen Bedarf gesehen, etwas verändern zu müssen. „Natürlich überlegt man immer wieder, wo wollen wir in fünf Jahren stehen und was müsste verbessert werden“, erklärt der 55-Jährige.
Die Zahl der Straftaten lag in seiner Amtszeit immer bei etwa 400 im Jahr. Bei einem Dienststellenbereich mit einer Fläche von knapp 300 Quadratkilometern und rund 17 500 Einwohnern sei dies ein niedriger Wert, ist Schmitt überzeugt. Aus seiner Sicht wäre es schon ein Erfolg, wenn man die Zahl der Straftaten auf diesem Niveau halten könnte. Auch die Aufklärungsquote liege um die 80 Prozent und damit höher als im bayernweiten Durchschnitt.
Manche Einsätze bleiben lange in Erinnerung
Neben den alltäglichen Delikten und Unfällen gibt es auch immer wieder besondere Ereignisse, die Markus Schmitt und seinen Kollegen lange in Erinnerung bleiben – so wie beispielsweise die Kollision eines Traktors, der einen Bagger auf einem Tieflader hinter sich herzog, mit dem Eisernen Steg. Damals war Schmitt gerade eineinhalb Monate im Amt. Bei diesem Unfall entstand immenser Sachschaden, und ein Verfahren nahm seinen Lauf, das auch nach fünf Jahren noch nicht abgeschlossen ist.
Vor drei Jahren fanden Neunburgs Polizisten einen ausgewachsenen Puma im Kofferraum eines Renault Clio auf. Das Tier stammte aus Tschechien und sorgte für ein riesiges Medieninteresse. Einen solchen Ansturm von Journalisten erleben Markus Schmitt und seine Kollegen nicht alle Tage. Natürlich gab es auch die traurigen Erlebnisse, wie den Brand in einem Einfamilienhaus in Kröblitz 2021 mit einem Toten oder den tödlichen Verkehrsunfall im Vorjahr nahe Kemnath bei Fuhrn, bei dem ein Kind am Unglücksort verstarb und eine 32-jährige Frau wenig später ihren schweren Verletzungen erlag.
Zuerst Lehre im Stahlwerk Maxhütte – dann bei Polizei angefangen
Aktuell sind er und seine Kollegen mit dem Faschingszug in Seebarn beschäftigt, der am Sonntagnachmittag durch den kleinen Neunburger Ortsteil ziehen wird. Sei der Gaudiwurm in Seebarn früher ein reiner Verkehrseinsatz gewesen, müssten heutzutage auch aufgrund der Terrorereignisse in Magdeburg und München viel mehr Dinge beachtet und das Sicherheitskonzept erweitert werden, erklärt der Neunburger Polizeichef.
Auch wenn Markus Schmitt bisher keine Minute bereut hat, Polizist geworden zu sein, so verlief sein beruflicher Weg doch zuerst ganz anders. Er erlernte nach der Schule den Beruf des Industriemechanikers im Stahlwerk Maxhütte. Als der Betrieb in Konkurs ging, musste er nach Alternativen Ausschau halten. Er habe sich bei verschiedenen Unternehmen beworben, unter anderem auch bei der Polizei.
Vor Neunburg vier Jahre Vize-Polizeichef in Burglengenfeld
Dass er genommen wurde, dazu gehörte schon etwas Glück. „Ich war nicht obersportlich, musste vorher schon trainieren“, erzählt Markus Schmitt. Zudem sei die Konkurrenz groß gewesen. Aber der Maxhütter setzte sich durch – und wurde 1988 zuerst im mittleren Dienst eingestellt. 2001 bis 2003 erfolgte der Aufstieg in den gehobenen Dienst an der Fachhochschule für Verwaltung und Recht in Sulzbach-Rosenberg. Nach verschiedenen Stationen war er von Februar 2016 bis Februar 2020 stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Burglengenfeld. 2020 wurden sowohl für Parsberg und Burglengenfeld wie auch für Neunburg neue Polizeichefs gesucht. Schmitt hatte sich für alle drei Stellen beworben.
Der Polizeipräsident erklärte ihm in einem Gespräch, dass er ihn gern in Neunburg sehen würde. „Wenn ich damals gewusst hätte, wie gut es mir in Neunburg gefällt, hätte es das Gespräch gar nicht gebraucht“, meint Schmitt. In Neunburg will der 55-Jährige auch gern seine noch verbleibende Dienstzeit verbringen – in sechs Jahren kann der Maxhütter in den Ruhestand gehen. Er wird also auch noch sein zehntes Jubiläum bei der Neunburger Polizei erleben.
