Ramadan-Plakat am Ex-Kaufhof in Regensburg verschwunden: Selbst Gläubige äußern sich skeptisch

Der islamische Fastenmonat hat noch nicht einmal begonnen, aber das riesige Plakat mit der Aufschrift „Happy Ramadan“ am ehemaligen Kaufhof-Gebäude auf dem Neupfarrplatz in Regensburg ist schon wieder weg. Für die Stadt hing es dort rechtswidrig.
Das Schild war am Montag an einem Gebäudeteil – der sogenannten Alten Wache – aufgetaucht und der Stadt in mehrfacher Hinsicht ein Dorn im Auge. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) bezeichnete es als eine Provokation, die die Gesellschaft spalten und wohl Druck aufbauen solle. Denn am Donnerstag läuft die Debatte im Stadtrat über die Nutzung des Vorkaufsrechts der Stadt in Bezug auf die Immobilie.
Zudem hing das Banner an einem Denkmal, weswegen die Stadt den Eigentümer laut Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra aufgefordert hatte, es zu entfernen oder seine Zulässigkeit prüfen zu lassen. Zudem hatte er die Möglichkeit einer Stellungnahme in der Sache bis Mitternacht erhalten. Am Nachmittag, als das Banner bereits wieder verschwunden war, habe der Stadt aber noch keine Rückmeldung vorgelegen, erklärte die Pressesprecherin.
Ramadan: Dekoration in anderen deutschen Städten
So eine Dekoration in Regensburg würde Dilan Nuri auch nur unter einer Bedingung gut gefallen. „Dass sie nicht für wirtschaftliche oder politische Interessen instrumentalisiert wird“, sagt der gläubige Muslim, der seit 25 Jahren in Deutschland lebt. Dennoch sei der Verdacht der Instrumentalisierung der erste Gedanke gewesen, der ihm nach dem Lesen der Nachricht kam. Auch Nuri spricht von Spaltung sowie von Provokation und warnt: „Das schadet Menschen islamischen Glaubens nur noch mehr.“
Für ihn sei der Ramadan, der je nach Sichtung des Mondes in Saudi-Arabien am Freitag oder am Samstag beginnen könnte, ein besonders wichtiger Monat, während dem er seinen religiösen Pflichten nachkommt, die zu den Säulen des Islams gehören. Deswegen verzichte Nuri in dieser Zeit von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken und andere körperliche Bedürfnisse. Das Fasten sei nicht nur ein körperlicher Verzicht, sondern diene auch der spirituellen Selbstfindung und Läuterung. Dann stärke er etwa seine Tugenden wie Geduld oder Mitgefühl. Ein zentraler Aspekt ist für Nuri zudem die Offenbarung des Koran.
Andere Städte in Deutschland entschlossen sich zuletzt dazu, die Straßen wie im Advent auch zu Ramadan zu dekorieren. Als erstes Frankfurt am Main: In der innerstädtischen Große Bockenheimer Straße, im Volksmund „Fressgass“ genannt, leuchten seit Mittwoch zum zweiten Mal der Schriftzug Happy Ramadan, Halbmonde, Sterne und Fanoos-Laternen. In München ist geplant, die Fassade des Alten Rathauses am Abend des 31. März in verschiedenen Sprachen mit einem Gruß zum Ende des Ramadans zu illuminieren, kündigt ein Pressesprecher der bayerischen Landeshauptstadt an.
In Regensburg ist die Sache etwas anders gelagert: Von Roenne-Styra verweist darauf, dass für die Weihnachtsbeleuchtung entlang der Straßen die Einzelhändler aufkommen. Entsprechende Bestrebungen von Einzelhändlern, Ramadan-Deko aufzuhängen seien der Stadt aber nicht bekannt.