Bauhöfe zu und Schleusen in ganz Bayern dicht – Warnstreik legt Schifffahrt im Freistaat lahm

Von Beate Weigert · 27. Februar 2025 um 19:00

Beschäftigte des öffentlichen Dienstes aus dem Kreis Kelheim und ganz Bayern demonstrierten am Ludwigsplatz für bessere Bezahlung. Wegen des Anschlags von München verlief der Protest still – Trillerpfeifen und laute Musik waren tabu. Dafür waren die Sicherheitsauflagen höher.

Mit pauschalen Vorurteilen kennen sich Beschäftigte von Kommunen und Bund bestens aus. „Ihr arbeitet nichts“ oder nur „langsam“, bekommt man von Dritten immer wieder zu hören, merkte der Kelheimer Redner, Andreas Rothermel, auf der Protest-Kundgebung beim Warnstreiktag von Verdi vor etwa 250 Streikenden am Ludwigsplatz an. Das Gegenteil sei der Fall. „Ohne den öffentlichen Dienst geht nichts.“ Keine Bundestagswahl wie am Sonntag, kein Reisepass, keine gepflegte Straße oder Grünanlage, keine Schifffahrt.

WSA: Rund 90 Schiffe mussten Fahrt unterbrechen

Während sich in Rathäusern und Co. im Landkreis Kelheim der Warnstreik kaum auswirkte, legten die Kollegen von WSA und WSV, die aus ganz Bayern anreisten, die Schifffahrt im Freistaat lahm. Zwischen Bamberg und Jochenstein bei Passau wurden viele der 22 Schleusen bestreikt. Allein bis zum frühen Nachmittag mussten laut WSA rund 90 Schiffe ihre Fahrt unterbrechen.

Doch zurück zur Kundgebung in Kelheim: Zu ihr kamen die Reinigungskräfte der Stadt Kelheim, Bauhofmitarbeiter aus Bad Abbach, Kelheim und anderen Kommunen, genauso wie Mitarbeiter aus den kommunalen Verwaltungen – von Bad Abbach bis Mainburg, von den Stadtwerken aus Kelheim und Neustadt oder auch von Kreissparkasse und Landratsamt.

Den Großteil der Streikenden machten aber die Männer und Frauen des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Donau Main-Donau-Kanal und der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) aus. Laut WSA fanden sich von insgesamt 700 Beschäftigten rund 130 im Streik. Mit Bussen kamen viele von ihnen nach Kelheim.

Gedenken an Opfer des Anschlags von München

Wegen des Anschlags von München vor genau zwei Wochen fiel der Protest deutlich stiller aus als sonst. Trillerpfeifen und laute Musik unterblieben bewusst, so Niederbayerns Verdi-Gewerkschaftssekretär Christoph Kittel. Weil exakt vor zwei Wochen um 10.30 Uhr der Anschlag von München geschah, begann auch die Kelheimer Kundgebung genau um 10.30 Uhr. Zu Beginn wurde der 39 Opfer der Auto-Attacke gedacht. Auch auf das Sicherheitskonzept wirkte sich der Anschlag aus. Mit Lkws des Kelheimer Bauhofs war der Ludwigsplatz abgesperrt worden.

Vertreter von Schwester-Gewerkschaften wie DGB oder IG BCE bekundeten Solidarität und Unterstützung. Andreas Rothermel betonte, dass die Beschäftigten in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten sehr wohl eine Tariferhöhung verdient hätten. Ein Vertreter der WSA-Beschäftigten warb für „mehr Kohle“, insbesondere für Azubis sowie deren unbefristete Übernahme oder nach 20 Jahren für eine in seinen Augen überfällige Erhöhung der Wechselschichten-Zulage.

Hauptredner Sinan Öztürk, stellvertretender Verdi-Landesleiter, sagte, dass gerade die unteren und mittleren Entgeltgruppen schwer über die Runden kämen. Sparkassenchefs und Bürgermeister sollten doch einmal versuchen, einen Monat mit deren Gehalt auszukommen. Vor dem nächsten Treffen mit der Arbeitgeber-Seite am 14. März wollen auch einige der Streikenden vom Donnerstag beim Politischen Aschermittwoch in Passau ihren Forderungen lautstark Nachdruck verleihen. Denn ab kommender Woche wird aus dem stillen wieder ein lauter Protest, kündigt Kittel an.

Passanten berührte der Protest wenig. Kaum einer blieb stehen. Wohl auch wegen des widrigen Wetters. Bei drei Grad standen die Streikenden im Dauerregen. Nur einer Frau war angesichts des Protestzugs entfahren: „Die Wirtschaft geht den Bach runter und die streiken“.

Genau vor zwei Wochen kam es zu der Auto-Attacke bei einer Verdi-Kundgebung in München. 39 rote Nelken waren zum Gedenken an die 39 teils schwer Verletzten drapiert.
Bei schönem Wetter und 25 Grad kann jeder streiken, befand Verdi-Gewerkschaftssekretär Christoph Kittel: Bei drei Grad und Regen bekräftigten die etwa 250 Streikenden aus kommunalen Rathäusern und Bauhöfen, von Stadtwerken, WSA und WSV ihre Forderungen. Wegen des stillen Protests in dieser Woche wurde auf laute Musik und laute Trillerpfeifen verzichtet.
Hauptredner auf der Kelheimer Kundgebung war Sinan Öztürk, Bayerns stellvertretender Verdi-Landesleiter.
Wegen des Anschlags von München gab es strengere Sicherheitsauflagen für die Kundgebung in Kelheim. Bauhof-Fahrzeuge parkten die Zufahrten zum Ludwigsplatz zu.
Kälte und Dauerregen begleiteten die Kundgebung.
Viele Mitarbeiter von WSA und WSV reisten mit Bussen nach Kelheim.
Niederbayerns Gewerkschaftssekretär Christoph Kittel
Auch DGB-Gewerkschaftssekretär Andreas Schmal sprach am Ludwigsplatz.