Immer mehr Clubs schließen: „Verlust für die kulturelle Vielfalt“

Von Franziska Thone · 27. März 2025 um 11:00

„Der Bass verstummt, doch die Erinnerungen tanzen weiter“, heißt es auf der Website des Cute Rooms in Passau. Der beliebte Nachtclub schloss Ende 2024 seine Türen – ein Schicksal, das er mit anderen kulturellen Einrichtungen der Stadt teilt.

Doch dieser Trend betrifft nicht nur die Dreiflüssestadt. In ganz Bayern schrumpft das einst pulsierende Nachtleben. Früher erfüllte ausgelassene Feierlaune die Straßen Bayerns, heute bleibt es selbst an den Wochenenden in vielen Regionen still.

Ein Verlust für das soziale Miteinander

„Die Situation ist besorgniserregend“, erklärt Andreas Jäger vom Verband für Popkultur in Bayern und stellt fest: „In den vergangenen Jahren mussten zahlreiche Clubs schließen.“ Das sei nicht nur ein Verlust für die Betreiber, sondern auch für die kulturelle Vielfalt und das soziale Miteinander.

Dem schließen sich auch Vertreter von Dehoga Bayern an. Die Bezirksvorsitzenden aus Niederbayern und der Oberpfalz, Rose Marie Wenzel und Andrea Kramer, verweisen beide auf eine Befragung des Bundesverbands der Musikspielstätten, LiveKomm, von November 2024. „Demnach sehen sich zwei Drittel der im Rahmen der Erhebung befragten Betriebe in einer wirtschaftlich noch schlechteren Situation als noch vor einem Jahr.“

Klagen über Lärm in der Regensburger Altstadt

Auch in Oberbayern scheint der Trend ungebrochen, wie der Dehoga-Bezirksvorsitzende Thomas Quiram bestätigt: „Konkrete Zahlen haben wir nicht, allerdings bekommen wir auch durch unsere DJs laufend von Schließungen oder Teilschließungen berichtet.“

Eines der größten Probleme für Clubs sei das „veränderte Ausgehverhalten der jungen Leute“, erklärt Quiram. Die Pandemie „hat dafür gesorgt, dass die jungen Leute das Feiern nicht gelernt haben“.

Laut dem Verband für Popkultur habe sich das Freizeitverhalten verschoben – „teilweise in den digitalen, virtuellen, aber auch in den privaten Raum“. Durch Lockdowns und Kontaktverbote hätten sich junge Menschen „andere Möglichkeiten des Zusammenkommens geschaffen“. Zudem trinke die Generation Z „nachweislich weniger Alkohol“. Ihr Lifestyle habe sich verändert: Sie ernähren sich bewusster, leben gesünder und versuchen, Stress zu vermeiden.

Früher hatte das Ausgehen mehr Zwecke als nur Party und Alkohol – das bestätigt auch die Erfahrung von DJ Heinz aus Passau: „Früher sind wir weggegangen, um Mädels kennenzulernen. Heute läuft auch das großteils online.“

Gestiegene Kosten stellen Betreiber vor Probleme

Ein weiteres Problem sind die „massiven Kostensteigerungen“, erklärt Andreas Jäger. Besonders die gestiegenen Energiepreise, höhere Personalkosten sowie erhöhte Ausgaben für Technik und Sicherheitspersonal setzen den Betreibern zu. Durch Preisanhebungen beispielsweise bei den Getränken könne man das nicht ausgleichen.

Zudem sei der Bürokratieaufwand erheblich. „Gerade in Regensburg kommt hinzu, dass die Altstadtbewohner mit dem Lärm der Feiernden konfrontiert sind und hier erhebliche Anstrengungen unternommen werden, um alle Beteiligten gütlich zusammenzubringen“, teilt Andrea Kramer mit. Dies bringe weitere Auflagen für die Clubs mit.

Vor allem in der Studentenstadt Passau haben in den vergangenen Jahren mehrere Clubs ihre Türen für immer geschlossen. Heinz Steinbeißer alias DJ Heinz ist seit 35 Jahren in der Region aktiv. „Die Änderungen könnte ich in einem Buch zusammenfassen“, sagt das DJ-Urgestein. Besonders schmerzlich sei der Verlust der Kultdisco Camera: „Mit dem Tod der Cam ist ein Trendsetter unwiederbringlich weg.“ Bereits zuvor mussten die Kulturbar „lieberscholli“ und das „Frizz“ schließen. Der „Cute Room“ ist seit Dezember 2024 Geschichte – und auch das Schwerelos Festival fand 2024 zum letzten Mal in Passau statt. Viele Lokale könnten sich derzeit „aufgrund der geringen Konkurrenz über Wasser halten“, doch DJ Heinz warnt: „Der Wellengang wird aber sicherlich kontinuierlich rauer werden.“

Betreiber öffnen teilweise nur noch an Samstagen

Positive Entwicklungen sieht Heinz Steinbeißer allerdings auf dem Land. Clubs mit „frischen Ideen“ und „sensationeller Werbung“ schaffen es, viele junge Menschen wieder auf die Tanzfläche zu locken. Als Reaktion mancher Betreiber „wird der Club freitags gar nicht mehr geöffnet – nur noch samstags“, teilt Dehoga Oberbayern mit. Auch das Veranstaltungsangebot wurde angepasst. „In der aktuellen Situation können wir nicht jedes Wochenende neue Highlights anbieten“, heißt es weiter. Stattdessen setze man gezielt auf Qualität: „Wir konzentrieren uns aktuell auf ein bis maximal zwei Highlights im Monat und geben hier umso mehr Gas.“ Das Marketing findet größtenteils auf Social Media statt.

Auch in Niederbayern und der Oberpfalz möchte man mit besonderen Angeboten die jungen Menschen in die Clubs locken. So bieten einige Veranstalter „Social Tickets“ an, bei denen sozial benachteiligte Jugendliche vergünstigten Eintritt erhalten. Generell gibt es in Bayern verschiedene Initiativen zur Unterstützung der Club- und Veranstaltungslandschaft, erklärt Andreas Jäger. Dazu gehören Programme wie „Hinter ins Land“, „BY.on“ und „BY.on Elektro“, die vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst mitfinanziert werden. „Gemeinsam arbeiten wir kontinuierlich an der Weiterentwicklung dieser Programme und der Konzeption weiterer Unterstützungsmaßnahmen.“

Allerdings fehle es an ausreichenden Mitteln, um eine flächendeckende Förderung zu ermöglichen, so der Verband. Der Fokus liege derzeit vor allem auf dem Live-Bereich. Viele Betreiber „wünschen sich ein Spielstätten-Förderprogramm, ähnlich dem, das während der Pandemie existierte, um den Spielbetrieb nachhaltig aufrechtzuerhalten“.

Der Verein setzt sich außerdem mit dem Programm „Pop in ländlichen Räumen“ für bessere Rahmenbedingungen ein – zum Beispiel durch Vernetzungsformate, Lobbyarbeit und Schulungsangebote für Clubbetreiber.