Sind die Zeiten für die Regensburger Club-Szene härter geworden?

Von Jürgen Scharf · 16. September 2024 um 10:00

Zuletzt sorgte in Regensburg die Insolvenz des Gatsby für Aufsehen. Wegen des Brands im vergangenen Jahr ist außerdem auch die Waschbar immer noch zu. Sind die Zeiten für die Regensburger Club-Szene härter geworden?

Die Scheibe im einstigen Schaukasten ist eingeschlagen. Dort liegt allerlei Abfall. Ein Anzeiger für Veranstaltungen wird in der Adolph-Kolping-Straße 5 seit längerem aber auch nicht mehr gebraucht. Über viele Jahre tobte hier das Nachtleben, jetzt ist die Tür, die zuletzt zur beliebten Waschbar führte, seit Monaten geschlossen.

Wann sie wieder aufgeht, ist nach Aussage des Betreibers offen. Und verschlossene Türen sind in der Regensburger Club-Szene beileibe kein Einzelfall.

Die Zeiten für Clubs scheinen in Regensburg härter geworden zu sein. Zuletzt schreckte die Nachricht von der Insolvenz des Gatsby, das viele Jahre eine feste Größe im Regensburger Nachtleben war, die Szene auf. Eine ganze Handvoll Betreiber gab sich außerdem in den vergangenen Jahren bei den Club-Räumen am Domplatz, in denen einst das Sudhaus wiedereröffnet war, die Klinke in die Hand. Es gab jeweils neue Konzepte und neue Namen wie Knox, Helga oder Coco – wirklich lange hielt sich zuletzt aber keiner der Betreiber dort. Nun werden im „CC2“ dort Techno-Partys veranstaltet.

In der Waschbar brannte es

Christian Wamberger ist einer, der in der Regensburger Club-Szene seit Jahren aktiv dabei ist und alle Auf und Abs kennt. Er ist unter anderem auch Betreiber der Waschbar. Diese war ein bekannter Party-Treffpunkt. Vergangenen November gab es dort aber einen Brand. Seitdem ist sie geschlossen. „Es wird immer noch der Schaden abgewickelt“, sagt Wamberger auf Nachfrage. Er könne auch keine Prognose abgeben, wie lange es noch dauert und wie es dann weitergeht.

Szene-Kenner sagen, dass bei jungen Menschen in Großstädten zuletzt verstärkt Einzelveranstaltungen gefragt waren. Etwa Party-Reihen, deren Veranstalter sich in der Stadt eine entsprechende Location für eine einmalige Nutzung mieten. Der klassische Club-Betrieb mit regelmäßigen Öffnungszeiten und festen DJs komme dagegen immer mehr aus der Mode, heißt es.

„Schon viel Druck drauf“

Doch ist das wirklich so? In Regensburg jedenfalls noch nicht, sagt Sascha Al-Mahmoud. Er ist ein Kenner der hiesigen Szene, hat einst den Kult-Club Suite 15 geleitet und ist jetzt einer der Betreiber des Velvet Room am Petersweg. „Einzelevents sind natürlich etwas Besonderes und haben deswegen schon eine Anziehungskraft“, findet er, am Ende eines Abends würden die Partygänger erfahrungsgemäß dann aber doch immer noch den Club ihres Vertrauens ansteuern. In der Szene sei aber natürlich „schon viel Druck drauf“, erzählt er: „Du musst in der heutigen Zeit voll dahinter sein, insbesondere auch viel Werbung machen.“

Nahezu verschwunden sind in Regensburg in den vergangenen Jahren derweil die ganz großen Diskotheken mit mehreren Etagen. Das legendäre „Qu“ in Königswiesen wurde vor etlichen Jahren zunächst zu einer Veranstaltungshalle umfunktioniert, später zog ein Fitness-Center dort ein. Auch in den Räumen des einstigen „Funparks“ in der Langobardenstraße finden seit längerem keine Partys mehr statt.

Es gebe in der Club-Szene aber auch positive Gegenbeispiele, „da sind einige, die sich lange und bis jetzt gehalten haben“, sagt Al-Mahmoud. Ein Beispiel dafür ist das kultige Zarap Zap Zap in der Augustinergasse. Das gibt es bereits seit mehr als 50 Jahren. Eine sagenhaft lange Zeit im hektischen Geschäft des Nachtlebens. Rainer Ardelean, der die Disko seit 1993 betreibt, verriet der Mittelbayerischen einst sein Erfolgsrezept, Es gehe darum, echten Kontakt zu den Gästen aufzubauen, findet er. Ein Stammpublikum sei die Basis für langfristigen Erfolg.

„Kontinuität und Qualität“

Langfristigen Erfolg kennt übrigens auch Wamberger sehr gut. Der betreibt nämlich in erster Linie das Scala in der Pustet-Passage. Und das ist seit 1985 eine Institution der Szene und überregional bekannt. Wie hat es das Scala geschafft, so lange zu überleben? „Darüber könnte man lange reden“, sagt Wamberger. „Ganz kurz zusammengefasst: Es braucht Kontinuität. Es ist wichtig, gleichbleibende Qualität zu bieten. Nur so geht es.“ Manchmal sei es deswegen auch wichtig, „alte Werte beizubehalten und sich nicht von jedem neuen Trend verrückt machen zu lassen“. Und einen Club am Laufen zu halten, bleibe stets harte Arbeit, sagt Wamberger. Er hat allerdings schon so viele Trends kommen und gehen sehen, dass er sich auch von Phasen, in denen es nicht optimal läuft, nicht verrückt machen lässt: „Man muss auch mal durchhalten können.“