Unglaublich: Das Zap wird 50 Jahre alt
Fünf Jahrzehnte Zarap Zap Zap. Der meistgespielte Song? Bei Chef Rainer Ardelean blitzen die Augen. Die Frage könne er beantworten, sagt er: „Journey. Don’t stop believin.“ Das Lied sei in den Gewölben am Augustinerplatz rauf und runter gelaufen. Immer und immer wieder. Don‘t stop believin — Hör nicht auf, daran zu glauben. Irgendwie passt das auch ganz gut. Als Soundtrack für Ardeleans eigene Geschichte. Und für die Geschichte seiner Disco sowieso.
Doch von vorn. Als das Zap, wie es von seinen Gästen liebevoll genannt wird, in den wilden Siebzigern Jahren im Herzen der Regensburger Altstadt eröffnet wurde, war Ardelean noch nicht dabei. Damals war er nämlich erst ein Jahr alt. Dafür aber viele andere Regensburger.
Und es gibt kaum einen, der nicht eine ganz persönliche Geschichte zum Zap zu erzählen hat. Mancher hat dort seinen Partner fürs Leben kennengelernt. Mancher hat dort zum ersten Mal Tequila getrunken. Und ganz viele haben dort ganz einfach viel gelacht und ganz viel gefeiert.
Mit 22 Jahren Disko-Chef
Rainer Ardelean kennt etliche dieser Geschichten. Und ab 1993 stand er dann selbst nicht nur im Zap mit drin, nein, gemeinsam mit seinem Vater übernahm der damals 22-Jährige gleich den Laden. Grundsätzlich war er auf diese Rolle gut vorbereitet, schließlich sind die Ardeleans seit mehreren Generationen eine Gastronomen-Famile. Schon der Großvater betrieb ein bekanntes Tanzlokal in Bad Abbach.
An das neue Leben als Disco-Chef musste sich der Jungspund Rainer aber dann doch etwas gewöhnen. An die damit verbundene Büroarbeit weniger, er hatte vorher eine Ausbildung zum kaufmännischen Assistenten gemacht. An seine neuen Hauptarbeitszeiten schon mehr. „Das war zunächst etwas komisch, weil alle Bekannten in meinem Alter am Wochenende privat zum Feiern gingen, während ich in meinem Laden stand“, erzählt er — und fügt dann mit einem Schmunzeln hinzu: „Aber hier war ich ja irgendwie auch immer ganz nah dran am Feiern.“
Tequila-Mittwoch ein echter Kult
Ja, in der Tat, gefeiert wurde im Zap viel. Zum echten Kult wurde ab Mitte der Neunzinger Jahre der Tequila-Mittwoch: „Das war in ganz Bayern bekannt“, sagt Ardelean. Unverzichtbar sei für den Erfolg damals DJ Edo gewesen: „Der hatte großen Anteil daran, die Musik, die er aufgelegt hat, kam einfach gut an.“
Als die Disko vor 50 Jahren eröffnete, standen Schlager-Hits in den deutschen Charts ganz oben. Die gibt es insbesondere bei Motto-Partys auch heute noch zu hören. Ansonsten ist das Zap Ardelean zufolge „schon immer auch mit der Zeit gegangen, der Kern blieb aber Rock-Musik“.
Enge Verbindung zu Stammgästen
Vielleicht ist es auch diese Beständigkeit, die dazu beigetragen hat, dass es das Zap immer noch gibt. Discos schossen in Regensburg über die Jahrzehnte wie Pilze aus dem Boden. Die meisten gingen spätestens nach ein paar Jahren wieder ein. Das Zap nicht.
„Wir hatten im Kern immer unser Publikum“, sagt Ardelean. Das Erfolgsrezept sei gewesen, einen echten Kontakt zu den Gästen aufzubauen. Ein Beispiel für die enge Verbindung zu vielen Stammgästen sei der Heilige Abend. Am 24. Dezember hat das Zap traditionell geöffnet und ist dann immer auch gut gefüllt: „Und da herrscht dann eine sehr angenehme Atmosphäre.“
Wenn nötig: sanft wecken
An anderen Tagen geht es im Zap dagegen wie in wohl allen Diskotheken ab und an auch mal etwas wilder zu. Doch was tun, wenn jemand mal so richtig einen über den Durst getrunken hat? „Dann wird er wenn nötig eben sanft geweckt und freundlich nach draußen begleitet“, sagt Ardelean. Und er hat es in den vielen Jahren natürlich auch erlebt, dass bei einzelnen Gästen mal die Emotionen aus dem Kopf in die Hände rauschen. „Da musst du dann selbst ran und dazwischen gehen“, sagt Ardelean: „Allgemein bin ich aber stolz drauf, dass wir ein vergleichsweise sehr friedliches Publikum haben, wie ich finde.“
29 Jahre hat Ardelean nun das Zap. Zu arbeiten, wenn andere Menschen schlafen, gehe auf die Dauer spürbar an die Substanz, sagt er. Er fahre zum Ausgleich viel Rad und gehe auch sehr gerne zum Wandern.
Don’t stop believin. Hör nicht auf, dran zu glauben. Ardelean kann getrost behaupten, dass er immer noch dran glaubt. An den Traum von der eigenen Disko. Er lebt ihn ja jetzt schon fast 30 Jahre. Allerdings: Bis in alle Ewigkeit müsse es nicht sein, meint er. In zehn Jahren noch einmal einen runden Geburtstag mit dem Zap feiern? „Das kann ich mir momentan eigentlich nicht vorstellen. Aber wirklich wissen kann es auch keiner.“