Putz statt Holz: Hemau entscheidet sich bei Millionen-Schulsanierung für Fassade

Von Daniel Pfeifer · 26. Februar 2025 um 17:00

Der Start für eines der größten Millionen-Projekte der Hemauer Geschichte kommt immer und immer näher: die Sanierung und Erweiterung der Schulen am Mönchsberg. Nun beriet der Stadtrat, wie das Gebäude optisch aussehen soll. Außerdem Thema in der Sitzung waren 18 Windkraftanlagen, deren Bau in Planung ist.

26 Millionen Euro: So viel wird die Sanierung und Erweiterung der Hemauer Schulen planmäßig kosten. Bei diesen schwindelerregenden Summen will die Stadt dafür sorgen, dass am Ende auch alle Details passen. Und so behandelte der Stadtrat am Dienstagabend bei seiner Sitzung das künftige Aussehen des Gebäudes. Bei der Frage, ob Putz oder Holz die Schule zieren soll, gab es Meinungsverschiedenheiten.

Debatte über Mehrkosten

Geplant hat das Büro Gutthann HIW Architekten mit einer verputzten Fassade, teilweise rot gestrichen, um sich in das Ensemble einzufügen. Auch Bau- und Förderantrag sind dafür bereits abgegeben, eine Ausschreibung steht kurz bevor.

Dennoch entschied der Stadtrat bereits im September: Bei so einer folgenreichen Entscheidung wolle man noch einmal über das endgültige Aussehen des Gebäudes beraten. Für die vielen Millionen wolle man dann auch eine Lösung, mit der alle die kommenden Jahrzehnte zufrieden sind, so Bürgermeister Herbert Tischhöfer. CSU-Stadtratsmitglied und Holzbau-Unternehmer Thomas Semmler brachte als Gegenvorschlag für den Putz eine Holzfassade ins Gespräch und warb für dessen Vorteile.

Für das Architektenbüro hatte Franziska Wiesner-Niedermeier im Vorfeld der Stadtratssitzung die Kosten verglichen und dem Gremium am Dienstag vorgestellt. Ihr Ergebnis: Eine Holzfassade würde 363 000 Euro kosten, im Vergleich zur Putzfassade für 175 000 Euro.

Auf diese Kostenschätzung hin entbrannte eine Diskussion zwischen dem Stadtrat Semmler und der Architektin. „Der Kostenvergleich hinkt einfach“, sagte Semmler. Man vergleiche eine hinterlüftete Holzfassade mit einer einfachen, nicht hinterlüfteten Putzfassade. Daraufhin warf Semmler Vorteile des Holzes hinsichtlich Pflegeleichtigkeit, Sommerhitze-Schutz und Feuchtigkeit in den Ring. Wiesner-Niedermeier konterte mit der Expertise der ausführenden Firmen. Schnell driftete das Gespräch in tiefste bautechnische Details ab, bei denen die anderen Stadträte – und auch Bürgermeister Tischhöfer, wie er zugab – kaum mehr folgen konnten. Und so kam es bei der endgültigen Abstimmung neben der Kosten schlicht auf den optischen Geschmack an, für die Details werde man den Architekten vertrauen, so auch die Meinung der Fraktionssprecher. Am Ende entschied das Gremium mit einer Gegenstimme von Stadtrat Semmler für eine farbige Putzfassade.

Neue Regeln für Gehwege

Nach dieser Entscheidung widmete sich der Stadtrat einem Neuerlass der Verordnung über die Reinhaltung und Reinigung der öffentlichen Straßen und Sicherung der Gehbahnen im Winter. So müssen Gehwege nun nicht mehr monatlich, sondern nach Bedarf gekehrt werden. Außerdem fällt die Aufforderung weg, staubige Wege vor dem kehren erst zu bewässern. „In Zeiten des Klimawandels ist das auch nicht mehr zeitgemäß“, sagte Bürgermeister Tischhöfer.

Ebenso einstimmig sprach der Stadtrat den Hohenschambacher „Scambah“-Schützen Förderung für einen Schützenheim-Neubau zu. Über die Pläne des Vereins im Detail folgt noch ein ausführlicher Bericht. Ein Paar Schützen waren bei der Sitzung am Dienstag im Publikum und nickten nach der Entscheidung dankbar.

Beratung über Windkraft bei Hemau

Zuletzt war der Ausbau der Windkraft am Tangrintel immer wieder Thema im Stadtrat und auch in der Bevölkerung. Nachdem viele Jahre lang der Bau von Anlagen in der Region gegen Null tendierte, stehen nun eine ganze Reihe von Unternehmern gleichzeitig vor der Türe, die ihre Windenergieprojekte verwirklichen wollen.

Dieser Schwung an Bauplänen macht nun einigen Einwohnern im Südwesten der Gemeinde Sorgen. Vor allem in der Nähe des kleinen Orts Aicha sollen die Windräder wachsen – hier liegt ein großer Streifen Waldgebiet entlang der Landkreisgrenze, der sich aus Sicht vieler Unternehmer anbietet.

Und so waren die Pläne auch am Dienstag wieder Thema im Hemauer Stadtrat. Das Gremium hat zwar bei der Planung im privilegierten Gebiet wenig zu sagen, erteilt aber Vorbescheide. Acht Anträge zu insgesamt 18 Windräder waren in diesem Monat eingetrudelt. Bis auf drei Anlagen, rund 1200 Meter südwestlich von Aicha, sind alle bereits lange bekannt und waren auch schon Thema von Bürgerversammlungen.

Bei seiner Sitzung am Dienstag entschied der Stadtrat, weiterhin auf einen Mindestabstand von einem Kilometer aller Windräder zu Wohnbebauung zu pochen. Außerdem betont er in den Schreiben, dass eventuell im Bau beschädigte Wege repariert und die Gelände auf Dulinen untersucht werden sollten und keine Löschwasserversorgung gegeben sei.

Mit den einstimmig verabschiedeten Stellungnahmen sind diese Windkraftanlagen aber noch lange nicht genehmigt. Es stünden noch einige Prüfungen an, so Bürgermeister Herbert Tischhöfer. „Ich hoffe, dass die eine oder andere Windkraftanlage dem noch zum Opfer fällt“, sagt er unverblümt. Einige der Windparks haben sich schon jetzt im Laufe der Planung verkleinert.

Dieses Windrad dreht sich bereits nördlich von Aicha.