Windradgegner brauchen Geduld: Nittenauer Stadtrat vertagt Entscheidung über Fläche am Schwarzer Berg

Wo in Nittenau gibt es geeignete Flächen für Freiflächen-Photovoltaikanlagen? Und wo will die Stadt den Bau von Windrädern zulassen? Bei der Stadtratssitzung am Dienstagabend standen die erneuerbaren Energien klar im Fokus. Deshalb waren auch ungewöhnlich viele Zuschauer im Sitzungssaal, die gespannt auf das Thema Windvorrangfläche am Schwarzer Berg warteten – allerdings umsonst: Der Punkt wurde vertagt.
Zuvor hatten sich die Stadträte aber erst einmal erneut mit einem Antrag der Bürgerwind Nittenau GmbH & Co. KG zu befassen. Die Vorgeschichte zu ihrem Bauvorhaben am Schwarzer Berg reicht fast frei Jahre zurück: Bereits im Mai 2022 hatte die hinter der Bürgerwind Nittenau stehende Firma „Wust – Wind und Sonne“ im Rathaus ihr Windkraftprojekt vorgestellt, das zwar auf Nittenauer Boden entstehen soll, aber von der Stadt selbst rund elf Kilometer entfernt liegt – dafür aber nur rund 1300 Meter vom Maxhütter Ortsteil Meßnerskreith.
Konkret sollen drei Windräder gebaut werden, die eine Gesamthöhe von 261 Meter und einen Rotordurchmesser von 172 Meter aufweisen. Wie Bürgermeister Benjamin Boml (FW) in Erinnerung rief, habe die Stadt dazu bereits im Dezember 2023 den Vorbescheid erteilt. Das Projekt gelte derzeit als privilegiertes Vorhaben im Außenbereich. Darüber hinaus habe die Stadt die Fläche am Schwarzer Berg aber auch als Vorranggebiet für Windenergie an den Planungsverband Oberpfalz-Nord gemeldet.
Stadt Nittenau soll Stellung nehmen
Derzeit läuft das Genehmigungsverfahren, bei dem die Stadt Nittenau als Träger öffentlicher Belange gegenüber dem Landratsamt Stellungnahmen abgeben kann – und dies aufgrund der Frist bis Ende Februar auch unbedingt tun solle, wie Boml erklärte. Wenn man dies heute Abend nicht tue, erwecke man den Eindruck, die Stadt wolle sich überhaupt nicht äußern. „Das sehe ich kritisch“, sagte der Rathauschef.
Zuvor hatte Albert Meierhofer (CSU) beantragt, die Stellungnahme der Stadt zum Bauvorhaben zu vertagen. Denn der Vertreter der Firma Wust, der an der Stadtratssitzung hätte teilnehmen sollen, um den Räten das Projekt nochmals ausführlich zu erläutern, hatte krankheitsbedingt kurzfristig abgesagt. „Eine umfängliche Information des Gremiums ist nicht gegeben“, kommentierte Meierhofer. Mit seinem Antrag auf Vertagung scheiterte er am Ende knapp (8:9 Stimmen). Somit wird die Stadt nun ihre Stellungnahme zu den drei geplanten Windrädern fristgerecht ans Landratsamt übermitteln.
Viele Kritikpunkte aufgezählt
Wie Bauamtsleiter Josef Lingauer erläuterte, werde man unter anderem noch ein Gutachten zur Umzingelungswirkung der Windräder fordern. Auch die Zuwege zu den Anlagen am Schwarzer Berg müssten noch im Detail geprüft werden. Außerdem sei bezüglich des Einspeisepunkts einiges unklar, so Lingauer weiter.
Auch FW-Stadtrat Florian Doll meldete sich zu Wort und nannte eine Reihe von Kritikpunkten an den drei Windrädern, die ebenfalls ans Landratsamt weitergeleitet werden sollen. Sein Fazit: Das Projekt solle innerhalb eines Klimaschutzwaldes, nahe an FFH-Gebieten und ohne Baugrunduntersuchung realisiert werden. Da die Windräder aufgrund von Schattenwurfs und der umfangreichen Fledermauspopulationen auf eine jährliche Abschaltquote von 23 Prozent kommen würden, sei fraglich, ob sie an dem Standort überhaupt rentabel seien.
Entscheidung erst am 25. März
Während die Räte sich am Ende auf diese Stellungnahmen einigen konnten, fiel der nächste Punkt, der die zahlreichen Zuschauer ins Rathaus getrieben hatte, ins Wasser: Der Verein Erholungsregion Regental hatte beantragt, die Stadt solle die an den regionalen Planungsverband Oberpfalz-Nord gemeldete Windenergie-Vorrangfläche am Schwarzer Berg wieder zurückzuziehen. Doch die Räte kamen überein, dass man diesen Punkt auf die nächste Stadtratssitzung am 25. März vertagen solle – wenn der verhinderte Vertreter der Firma Wust wieder mit von der Partie sei und das Vorhaben am Schwarzer Berg nochmals erläutern könne. An dem Punkt der Sitzung verließ ein Großteil der Zuschauer den Rathaussaal.
Flächen analysiert
Damit war das Thema erneuerbare Energien aber noch lang nicht abgeschlossen: Zwei Vertreter des Planungsbüros TB Markert präsentierten den Räten die Endfassung einer Potenzialanalyse. Sie soll aufzeigen, welche Flächen in Nittenau und seinen Ortsteilen für Photovoltaik-Freiflächenanlagen geeignet sind.
Derzeit, so erklärte Nicola Berchtenbreiter vom Planungsbüro, betrage der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch im Stadtgebiet von Nittenau 37,4 Prozent. Damit hinke man dem Durchschnitt im Landkreis Schwandorf hinterher.
Um die Situation zu verbessern und der Verwaltung die Beurteilung von neuen Bauanträgen für PV-Anlagen zu erleichtern, hatte TB Markert die Analyse erstellt. Insgesamt rund 100 Hektar sind ihr zufolge geeignet. Diese Flächen liegen mindestens 50 Meter von Gewerbeflächen entfernt sowie 250 Meter zur Wohnbebauung und konzentrieren sich im Wesentlichen auf fünf Bereiche: Rund 39 Hektar sind es nördlich von Fischbach und Brunn, zehn Hektar nördlich von Bergham, zwei Hektar im Bereich Thanner Mühle/Lichtenhaid, 17 Hektar südwestlich von Nittenau und 32 Hektar südöstlich. Allerdings seien die Böden in landwirtschaftlicher Hinsicht nicht alle gleich wertvoll, so Berchtenbreiter.
Vor allem die großen Flächen bei Fischbach machten einigen Räten sorgen. Florian Loibl (SPD) befürchtete negative Auswirkungen. „Die 39 Hektar sind in der Hand einiger weniger. Da könnte es in kurzer Zeit zu einer Umsetzung in einem Maß kommen, das nicht mehr verträglich ist“, sagt er. Auch Markus Fohringer (CSU) forderte für den Bereich Fischbach eine Nachbesserung.