Ein wahrhaft königliches Spiel: Schachklub Schwandorf 1925 feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen

Von Renate Ahrens · 26. Februar 2025 um 11:00

Der Eröffnungszug muss gut überlegt sein. Meist positioniert man einen der mittleren Bauern zwei Felder nach vorne – und jede weitere Entscheidung kann alles verändern.

Schach ist ein bedeutsames Strategiespiel und erfreut sich weltweit, auch in Schwandorf, großer Beliebtheit in jedem Alter. Am 8. und 9. März feiert der Schachklub Schwandorf 1925 sein 100-jähriges Bestehen mit einem großen Festwochenende und dem Besuch von Weltmeistern. Es ist auch eine Gelegenheit, auf die Anfänge zurückzublicken.

Ein Artikel im damaligen Schwandorfer Tagblatt vom 24. November 1923 hatte interessierte Frauen und Männer aufgerufen, „zwecks Gründung eines Schachklubs“ an einem Turnier teilzunehmen – und damit einen lange gehegten Wunsch zu verwirklichen. „Inhaber von Schachspielen“ würden gebeten, diese mitzubringen. Wie viele Männer – denn nur diese fanden sich ein – damals daran teilnahmen, ist nicht bekannt.

Reger Turnierbetrieb

Tatsächlich gründete am 30. Juni 1925 im Nebenzimmer der Brauerei Hubmann ein kleiner Kreis Schachbegeisterter den Schachklub Schwandorf 1925. Am 28. August 1925 fand im inzwischen festgelegten Klublokal Hotel Kloster die erste Monatsversammlung statt, wobei die Mitgliederzahl bereits auf 22 gestiegen war.

Bald wurde ein reger Turnierbetrieb aufgezogen. Der erste Mannschaftskampf gegen Nabburg wurde mit 6:2 Punkten gewonnen, und erster Klubmeister wurde Josef Scharl. Schon ein Jahr nach Gründung vertraute man dem Schachklub Schwandorf die Durchführung des 4. Oberpfälzer Schachkongresses an – laut Chronik eine „hochklassige festliche Veranstaltung“.

Der heutige Vorsitzende, Johannes Paar, hat großen Respekt vor der Leistung der Gründungsväter. Die Anfangsjahre zu dieser Zeit seien politisch und wirtschaftlich nicht einfach gewesen, und Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg sollten erst noch bevorstehen. Noch im Jahr 1933 startete der Klub eine groß angelegte Mitgliederwerbung, und bis 1939 herrschte intensiver Schachbetrieb an Einzelmeisterschaften und Mannschaftskämpfen mit benachbarten Vereinen.

Herausragend war etwa die Simultanveranstaltung des Weltmeisteraspiranten und Großmeisters Bogoljubow im Café Waldlust im Jahr 1939. Doch ab dann weist das sorgfältig geführte Protokollbuch keine Einträge mehr auf – der 2. Weltkrieg war ausgebrochen und man hatte andere Sorgen.

60 Kinder und Jugendliche

Der Initiative des Schachkameraden Hermann Sellmayr sei es zu verdanken gewesen, dass der Schachbetrieb im bombenzerstörten Schwandorf erneut zu Ehren gekommen sei. Bereits 1946 traf man sich wieder, obwohl ein ordentlicher Schachbetrieb von der amerikanischen Militärregierung nicht genehmigt wurde. Im Dezember 1947 durfte der Schachklub dann aber neu gegründet werden, und Josef Wagner wurde Vorsitzender.

Die Zeit bis heute wurde von vielen Erfolgen geprägt. Immer kam auch der gesellschaftliche Aspekt nicht zu kurz, viele Freundschaften entstanden, Feste und Jubiläen wurden gefeiert und Ausflüge geplant. Unzählige Wettkämpfe wurden ausgetragen, wie mehrmals die Oberpfälzer Einzelmeisterschaften, und man nahm an auswärtigen Kämpfen teil. Stolz war man außerdem auf die Besuche hochkarätiger Schachspieler im Laufe der Zeit, wie von Großmeister und Vizeweltmeister Peter Leko (der mit seinem Schützling GM Vincent Keymer zum Festwochenende kommt), Großmeister Wolfgang Unzicker oder vom Internationalen Meister Pavel Votruba, der seit 1993 Mitglied im Schachklub ist.

In den 1980er Jahren verzeichnete man weitere Meilensteine. So wechselte man das Vereinslokal und zog vom Bahnhofshotel in die Gaststätte Gambrinus, und man stieg in die Oberpfalzliga auf. Als größten Erfolg der Geschichte verbuchte man den Aufstieg in die Oberliga im Jahr 2023/24. In der Landesliga war man bereits ab dem Jahr 2000.

Heute trifft man sich jeden Freitag im Alten Rathaus in der Dachelhofer Straße. Während der Pandemie kam es übrigens keineswegs zu einer Flaute wie in anderen Vereinen: Noch nie war der Mitgliederzulauf größer als zur Zeit von Corona, berichtet Paar – das Vereinsleben fand eben online statt, sogar mit Wettkämpfen und Trainingseinheiten und war besonders lebendig.

Schon früh gründete man eine Jugendmannschaft, die bis heute der Stolz des Vereins ist und aus 60 Kindern und Jugendlichen besteht. Der Altersdurchschnitt, erklärt Paar, belaufe sich im Verein auf 26 Jahre und die Mitgliederzahl betrage insgesamt 110. „Heute ist Schach für die Jugend noch attraktiver als früher.“ Ein Meilenstein war zudem das Internet, das vieles verändere: Längst nutze man Schachprogramme, Datenbanken und Künstliche Intelligenz. Paar sieht das positiv: „Mit KI kann der Mensch noch besser im Schach werden.“

Schach sei schließlich eines der komplexesten strategischen Brettspiele und ein faszinierender Sport. Aber ist er tatsächlich ein Sport? Johannes Paar nickt. Es würde sehr anstrengend sein und den Spieler fast ebenso beanspruchen wie bei anderen Sportarten – und somit auch körperliche Fitness voraussetzen. „Schach ist aber vieles – Wettkampf, Kunst und Kultur und hat längst weltweite Bedeutung erlangt. Man kann darüber endlos philosophieren“, so Paar, der als Lehrer tätig ist und sich als Schulschachreferent der Oberpfalz für sein Hobby einsetzt. „Es regt die Fantasie an, fördert Konzentration und Geduld, und man braucht eine gewisse Frustrationstoleranz. Man lernt übrigens nie aus.“ Auch für Senioren sei es perfekt, um das Gedächtnis zu trainieren. „Nur Tanzen ist laut einer Studie für sie angeblich besser“, ergänzt Paar. Und: Es sei nie zu spät, es zu lernen.

Nur ein Wermutstropfen habe sich nicht gelegt: Bis heute sind nur sehr wenig Frauen im Verein, zurzeit zehn, und dieses Phänomen zeige sich weltweit, berichtet Paar – wohingegen kurioserweise beim Schachspiel selbst die Dame die stärkste Figur ist. Das große Festwochenende werde man daher nutzen, um neue Mitglieder, hoffentlich auch Mädchen und Frauen, anzuwerben. Schach sei von Indien über Persien im Mittelalter nach Europa gekommen, weiß Paar. Das Wort Schach sei persisch und bedeute König, und matt heiße tot. „Der König ist tot“, sage man also, wenn es am Ende des Spiels „Schachmatt“ heiße.

Die Sportart wird immer beliebter

Gründung: Die acht Gründungsmitglieder des Schachklubs Schwandorf 1925 waren: Karl Engel, Dyonis Jobst, Karl Kranz, Peter Mayr, Georg Scharl, Josef Scharl, Eduard Schlegel und Heinrich Wagner.

Sport: Das Internationale Olympische Komitee hat Schach als Sport anerkannt, es ist aber nie eine Olympische Disziplin gewesen. Zuletzt strebte man eine Eingliederung in Paris 2024 an, welche aber abgelehnt wurde. Im Jahr 1886 kam es zur Austragung der ersten Weltmeisterschaft.

Kultur: Schach ist eines der komplexesten Brettspiele und enthält viele Elemente aus verschiedenen Kulturen, Sprachen und Zeiten. Bereits nach zwei Zügen können 72.084 verschiedene Stellungen entstehen. Es werden je 16 schwarze und weiße Schachfiguren gezogen.

Festwochenende: Am Samstag, 8. März, findet ab 12.30 Uhr in der Oberpfalzhalle eine Blitzmeisterschaft statt, an der jeder teilnehmen könne. Ab 14 Uhr tritt der Weltmeister Peter Leko aus Ungarn und der beste deutsche Spieler und Vizeweltmeister Vincent Keymerin in der Aula des Gymnasiums gegen die acht besten Jugendspieler an. Am Sonntag, 9. März, ist ab 10 Uhr öffentliches Training in der Gaststätte im Tierzuchtzentrum.

Jeder Zug muss wohl durchdacht sein. Schach erfordert absolute Konzentration. Foto: Johannes Paar
Auch Ausflüge standen regelmäßig auf dem Programm, zum Beispiel an den Königsee. Lange waren ausschließlich Männer im Schachklub. Foto: Johannes Paar
Bei Schulschachmeisterschaften, wie hier der Oberpfalz 2022, nehmen die Jugendlichen mit Erfolg teil. Foto: Johannes Paar
Der Aufstieg in die Landesliga war ein großes Ereignis. Vorsitzender Johannes Paar (3 v. l., hintere Reihe) ist stolz. Foto: Johannes Paar