Mit Bahnhof Roding sorgt Theater Saggradi schon vorab für Gesprächsstoff

Diesmal ist der Ort der Handlung die optimale Werbung für das neue Theaterstück „Das Bahnhofskomplott“ der Theatergruppe Saggradi. Dass die Reisenden des ICE ausgerechnet am Bahnhof Roding stranden – der etwas abseits der eigentlichen Stadt liegt – , hatte schon für meist amüsierte politische Reaktionen gesorgt.
Dabei war das keineswegs beabsichtigt, erklärt das Regieteam mit Barbara Heimann, Katja und Herbert Heidinger wortreich. Herbert Heidinger berichtet, dass man sich das Stück nach Zahl und Fähigkeiten der Schauspieler ausgesucht habe. Die Komödie von Winnie Abel erlaubt dabei eine Regionalisierung der Handlung. Weil das Stück sowohl einen abseits gelegenen Bahnhof braucht, der nahe einer Stadt mit eigener Polizei liegt, und noch dazu Anschlussverbindungen wie in Schwandorf eine große Rolle spielen, habe sich Roding einfach als Ort der Handlung ergeben. Auf der Strecke von Waldmünchen nach Regensburg sei es schlicht der passendste Ort gewesen.
Rodinger wollen kommen
Dass das nicht zum Schaden der Besucherzahl ist, bemerkt Heimann mit Interesse. Sie habe schon gehört, dass etliche Rodinger wegen des Bahnhofs auch eine der Aufführungen in Waldmünchen besuchen wollen. Beim Sagraddi überlege man sogar, ob man nicht die Rodinger Bürgermeisterin Alexandra Riedl zu einer der Aufführungen einlädt. Einen Zusammenhang mit Roding gebe es aber auf jeden Fall. Der Schirmherr des heurigen Trenckfestspiels sei die Firma SK mit den beiden Geschäftsführern Stefan und Benedict Kulzer – und Saggradi sei ein Teil des Trenckvereins.
Dass sich auch für Waldmünchner der Besuch des Stücks lohnt, ist ja sowieso klar. Falls einer noch einen besonderen Anreiz braucht, um Mitte März eine der fünf geplanten Aufführungen zu besuchen, sei ein kleiner Spoiler preisgegeben: Im Zug befindet sich auch die Architektin der neuen Stadthalle Waldmünchens. Und wenn die ihren Anschlusszug nicht erwischt, dann wird das nix mit der Stadthalle.
Die vielen mit Liebe und Witz gestalteten Details des Stücks zeigen sich auch in der Ausstattung der Bühne. Unbedingt sollten die Zuschauer Wegweiser zu wichtigen Waldmünchner Gaststätten beachten oder einen Fahrplanaushang mit überraschenden Details wie bei der Abfahrt um 8.04 Uhr mit dem Hinweis: „Ankommen wird überbewertet, Landschaft muss reichen.“
Im Gegensatz zum Stück lässt der älteste der Mitspieler, Anton Bauer, kein schlechtes Wort auf die Bahn kommen. Als FCN-Fan nutzt er sie regelmäßig: „Bis Nürnberg hat das immer gut funktioniert!“
Nach einem Jahr Zwangspause ist das Theater Saggradi also wieder am Start. Vor einem Jahr hatte der Ausfall mehrerer Spieler zur Absage geführt. Heuer starte man mit fünf Neuen in der Gruppe. Ingesamt sind es elf Schauspieler, drei Regisseure und die Souffleuse Susanni Weingärtner. Die Maske macht Steffi Lampatzer. Allerdings habe sich die Grundidee für die Entstehung des Theater Saggradi nicht bewahrheitet, berichtet Heimann. Ursprünglich sollte das Theater so etwas wie eine Talentschmiede für das Festspiel sein. Tatsächlich sei es aber so, das die Schauspieler bei Saggradi meist schon längst beim Festspiel mitwirken.
Ein Paradebeispiel ist Heinz Althammer, der im Trenckfestspiel seit 45 Jahren den Gerichtsschreiber mimt. Er freut sich, dass bei Saggradi die Rollen abwechslungsreicher als im Festspiel sind. Während beim Trenck vieles im Wortsinne eingespielt sei, beim Theater müsse er mehr und anspruchsvollern Text lernen und auch Mimik und Gestik den jeweiligen Rollen anpassen. Ähnlich sieht das Katja Heidinger. Im Festspiel habe sie als Frau Müller nur fünf Sätze, da sei das Theater herausfordernder.
Der stramme Probenplan
Jetzt steht dem Team von Saggradi bis zur Premiere am 15. März eine arbeitsreiche Zeit bevor. Seit Sonntag wird wöchentlich zweimal geprobt und in der letzten Woche vor den Aufführungen sogar täglich, gibt Herbert Heidinger den strengen Fahrplan bekannt. Hoffentlich gibt es da keine (Zug-)Ausfälle, denn anders als das Trenckspiel „haben wir keine Zweitbesetzung!“
