Pfarrer Albert Hölzl: Die Verwaltung von fünf Pfarreien frisst Zeit

In Waldmünchen ist das vollzogen, was anderen Pfarrgemeinden noch bevorsteht. Aus fünf bislang selbstständigen Pfarreien ist seit September ein Pfarreienverband geworden. Was alles an dieser Aufgabe „dran hängt“, das werde er erst „nach und nach erfahren“ , hatte Pfarrer Albert Hölzl damals gesagt. Seine Vermutung im August war: „Und es wird mich auch manchmal überrollen!“ Wir wollten jetzt im Februar von ihm wissen, was ihn und sein Pfarreiteam mit Pater Anish, Diakon Alfons Eiber, Gemeindereferentin Theresa Glaser und Ruhestandspfarrer Raimund Arnold überrollt hat und was gelungen ist.
Arbeit hat sich vervielfacht
„Die Arbeit hat sich schlicht vervielfacht“, sagt Hölzl. In den letzten Wochen habe es zudem viele Sterbefälle gegeben. Für Trauergespräche müsse man sich Zeit nehmen, ob es passe oder nicht. Auch deswegen hätten andere Aufgaben leider zwischen Tür und Angel erledigt werden oder warten müssen.
„Gut im Griff“ habe man die Organisation der Gottesdienste, auch wenn man die Zahl der Gottesdienste in Kirchen wie Höll, Machtesberg oder Unterhütte etwas reduzieren musste. Die Gottesdienstorte würden von den Gläubigen aus den jeweils anderen Pfarreien „positiv angenommen“. Es gebe Menschen, die sogar eine lange Fahrt auf sich nehmen würden, um eine Messe zur gewohnten Zeit, aber in einer anderen Pfarrei mitzufeiern. Diese Akzeptanz „habe ich nicht erwartet“, sagt Hölzl. Die Leute hätten die Veränderungen „bereitwillig“ angenommen. „Ich bin immer noch positiv überrascht. Das freut mich sehr!“
Aber es gebe weitere Herausforderungen. Während die Messen an Weihnachten noch vergleichsweise einfach zu organisieren waren, werde dies an Ostern schwierig. Er erwarte Kritik, wenn die Osternacht wegen der Zahl der Priester nicht in jeder Pfarrei gefeiert werden könne. „Zwei Pfarreien gehen leer aus“, sagt Hölzl. Eine Osternacht zweimal hintereinander zu feiern, wolle er niemandem zumuten, weder den Ministranten noch den Priestern. „Das ist eine Strapaze!“
Ähnlich sei dies schon bei Silvester und den Neujahrsgottesdiensten gewesen. Hier hätten die Gläubigen Verständnis gezeigt, obwohl sie es anders gewohnt waren. Für ihn sei es ein „beruhigendes Gefühl“, dass die Leute die Veränderungen „mittragen“.
Hölzl hat von Beginn an von einem Pfarreienverband und nicht von einer Pfarreiengemeinschaft gesprochen. Ihn freut es, dass die verschiedenen Gremien mit einem „Blick füreinander“ arbeiten und nicht versuchten, „ihr eigenes Süppchen zu kochen“. Es gebe sogar Überlegungen zu gemeinsamen Veranstaltungen. Dass alle Kirchenchöre der Pfarreien, wie bei seiner Installation, gemeinsam auftreten, werde wahrscheinlich „keine Eintagsfliege“ gewesen sein, hofft Hölzl.
Und was funktioniert nicht? Da wird Hölzl ganz schnell deutlich. Die Vielzahl der Verwaltungsaufgaben mit sieben Kirchenstiftungen, die zu betreuen seien, stellten eine „nicht leistbare Verwaltungsaufgabe“ dar. Derzeit müssten die Ehrenamtlichen in den Gremien „vieles auffangen“. „Was täte ich ohne sie?“, sagt Hölzl.
Er fühlt sich immer wieder auch an seiner eigenen Belastungsgrenze angekommen. Von vielen Kleinigkeiten bis hin zu Baumaßnahmen, dies alles laufe über seinen Schreibtisch, versucht er die Aufgabenvielfalt zu beschreiben.
Darunter leide sein Anspruch, „den Leuten etwas mitzugeben“. Die Bürokratie nehme wie überall auch in der Kirche zu und das nehme Zeit und Kraft in Anspruch und der Tag habe nun mal nur 24 Stunden. Später wird Hölzl noch deutlicher: „Ich bin vor 23 Jahren nicht zum Priester geweiht worden, um Manager zu sein, sondern Seelsorger.“ Und für diese Aufgabe müsse er Zeit freischaufeln. Wie an dieser Stellschraube gedreht werden könnte, dass will erst mit seinen Gremien besprechen, bevor er damit an die Öffentlichkeit geht. Ideen dazu hat er schon.
Verwaltung abgeben
Ohne dass es Hölzl selbst angesprochen hat, gibt es im Landkreis schon ein entsprechendes Vorbild. In der Pfarrei Bad Kötzting: Der dortige Pfarrer Thomas Winderl hatte, so unsere Berichterstattung vom Juni vergangenen Jahres, wegen der steigenden Zahl der Verwaltungsaufgaben Arbeit an eine Verwaltungsleiterin abgegeben, um mehr Zeit für die Seelsorge zu haben.