Nach Flabeg-Schock in Furth im Wald: Landrat Franz Löffler sieht auch positive Zeichen in der Region

Es war die Schocknachricht zum Wochenende: Der Further Standort der Flabeg Automotive Germany GmbH steht vor dem endgültigen Aus. Wir haben Landrat Franz Löffler gefragt, wie er die Situation sieht und wie sich die wirtschaftliche Lage im Landkreis darstellt.
Wie bewerten Sie das Flabeg-Aus?
„Im Ergebnis stand der Insolvenzverwalter leider vor einer extrem schwierigen beziehungsweise eigentlich unlösbaren Situation. Meine Wünsche und Hoffnungen sind bei den Mitarbeitenden, die absolut unverschuldet in diese schwierige Situation geraten sind. Ich wünsche ihnen, dass sie schnellstmöglich eine passende Anschlussbeschäftigung finden.“
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Aus Ihrer Sicht, wie konnte es zu dieser Situation kommen?
„Die exzellenten Fachkräfte bei Flabeg haben ganz spezielle Produkte für den Automobilbereich, insbesondere Displaygläser für einzelne Automodelle, hergestellt. Wenn in einem solchen Abhängigkeitsgefüge die Nachfrage zurückgeht, wirkt sich dies direkt auf die Zulieferfirmen aus. Die Folgen sind nun bei der Firma Flabeg sichtbar. Die engagierten Bestrebungen des Insolvenzverwalters erfolgten dabei unter der besonderen Herausforderung, dass auch die Anlagen ganz auf diese Produkte ausgerichtet sind. Der Maschinenpark ist somit für Interessenten aus anderen Bereichen kaum nutzbar.“
Weitere Hintergründe: Das Insolvenzverfahren für Flabeg Automotive Germany in Furth im Wald wurde eröffnet
Was muss jetzt passieren?
„Nun geht es darum, gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter, den Eigentümern und der Stadt Furth im Wald einen längerfristigen Leerstand des Standortes zu vermeiden.“
Es heißt ja häufig, es werden noch viele weitere Pleiten drohen. Sehen Sie das für den Landkreis auch so?
„Dieser Einzelfall kann nicht verallgemeinert werden. Er drückt nicht die wirtschaftliche Situation in Furth im Wald und im Landkreis Cham aus. Natürlich haben drei Jahre Rezession bei den Betrieben Spuren hinterlassen. Aber wir sehen doch vielmehr, wie resilient sich unsere Betriebe mittlerweile aufgestellt haben. In einer solchen gesamtwirtschaftlichen Konjunkturlage wäre der Landkreis vor Jahren bildlich noch mit Herzinfarkt auf der Intensivstation gelegen, heute ist unsere Wirtschaft dank ihrer Kleinteiligkeit, Schlagkraft und Flexibilität deutlich robuster.“
Es gibt also auch positive Anzeichen im Landkreis Cham?
„Selbst bei der Further Firma Deltec stehen wir vor einer anderen Ausgangslage. Hier bieten insbesondere die vielseitigeren Produktionsanlagen mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Die gute Arbeit des Insolvenzverwalters spiegelt sich meines Wissens deswegen auch in wirklich konstruktiven Gesprächen mit Interessenten wider. Und auch andernorts zeichnen sich selbst im Nachgang von Insolvenzen neue Lösungen für die Zukunft ab.“
Was muss im Bereich Wirtschaft eine zentrale Forderung an die neue Bundesregierung sein?
„Eine zentrale Aufgabe der neuen Bundesregierung wird es nun sein, den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Dabei müssen insbesondere drei Stellschrauben in den Blick genommen werden: Regulatorik, Energie und Kosten. Wenn es uns gelingt, mit der Energie geschickt umzugehen, mehr Eigenverantwortung zu übertragen und realistischer bei den Kosten für Arbeit und den Unternehmenssteuern zu werden, bestehen die heimischen Mittelständler auch in Zukunft im europäischen und weltweiten Markt und sichern weiterhin unseren Wohlstand.“

