Eheleute Elke und Anton Christ wollen mit Kreativwerkstatt ein Zentrum für Schwerhörige in Neunburg gestalten

Von Ralf Gohlke · 25. Februar 2025 um 11:00

Die Eheleute Elke und Toni Christ haben sich einen Traum erfüllt und damit zugleich einen Weg aufgezeichnet, wie aus einer alten Scheune ein wunderschöner Ort der Kreativität und der Kommunikation entstehen kann.

So wurde aus dem ehemaligen Sporrer-Stadl, vis á vis des Einganges zum TSV Sportstadion, jetzt das Stodlwerk, das zum 15. Februar offiziell zum ersten mal sein Tor öffnete. Bislang hat das Ehepaar in ihrem Haus „Am Steinacker“ in Neunburg die kleine Kunstwerkstatt „Holz & Natur“ betrieben. Das neue Atelier soll nun, neben dem Verkauf ihrer durchaus praktisch nutzbaren Kunstobjekte, vor allem die Möglichkeit bieten, Workshops zu den verschiedensten Themen in Sachen Kreativität und Gesundheit anbieten zu können.

In der Jugend kennengelernt

Besonders letzteres liegt beiden am Herzen, da sie schwerhörig sind. Wenn hier ein Zentrum für Schwerhörige entstehen würde, wäre das für beide, die sich unter anderem auch in der Vorstandschaft des Gehörlosenvereins Schwandorf engagieren, zusätzlich eine große Freude. Beide hatten sich schon als Jugendliche in einer Gehörlosen-Schule kennengelernt und beherrschen das Lippenablesen und die Gebärdensprache.

Während Toni Christ zum Schreinermeister avancierte, arbeitete Elke als Angestellte der Stadt im örtlichen Bauhof und pflegte ihr kunsthandwerkliches Hobby im Umgang mit naturbelassenen Textilien und Wolle, das sie schon seit ihrer Kindheit begleitete. „Hier im Stodlwerk wollen wir zeigen, dass es unendlich viele Möglichkeiten gibt, aus alten Materialien etwas sinnvolles Neues zu schaffen, an dem man sich auch erfreuen kann. Plastik werde sich hier nicht finden“, sagte Toni Christ im Gespräch mit der Mittelbayerischen.

So entstehen unter seinen geschickten Händen zum Beispiel Bistro-Tische aus altem Holz und Teilen von ehemals landwirtschaftlichen Maschinen. Als hätte sie schon immer dorthin gehört hängt eine alte Transmission an der Decke der Scheune, die aber ursprünglich aus einer alten Mühle stammt. Den Gläserschrank ziert ein alter Strommast mit Porzellan-Isolatoren.

Im Verlauf der rund dreijährigen Planungs- und Bauzeit, die auch noch von der Pandemie und dem Beginn des Ukrainekrieges geprägt wurde, war es beiden wichtig, den Scheunencharakter des Gebäudes zu erhalten. Es stammt zum Glück erst aus den 1965er Jahren und unterlag somit keinerlei denkmalschützerischen Auflagen. Die Bausubstanz der Balkenkonstruktion wies keinerlei Schädlingsbefall auf. Stolz ist die Familie Christ natürlich darauf, dass Tochter Lena im Rahmen ihres Studienabschlusses zur Architektin mit der der örtlichen Architektin Regina von Wenz eng zusammenarbeitete.

Auch wenn der Tresen, die Tische und Bänke in dem offenen Raum es vermuten ließen, widersprechen beide jeglicher Pläne für eine gastronomischen Nutzung. „Dafür ist meine Schwester Bettina und ihr Mann Markus zuständig“, ergänzte Elke Christ mit einem Fingerzeig in Richtung Hotel und Wirtshaus „da' Sporrer“, in Sichtweite, gleich jenseits der Schwarzachbrücke. Sie selbst ist noch im alten Gasthof Sporrer aufgewachsen.

Workshops sind in Planung

Der Betrieb des Stodlwerks verfügt daher bewusst derzeit noch über begrenzte Öffnungszeiten, Dienstag und Donnerstag von 14 bis 17 Uhr. Ansonsten können Interessenten die Räume für verschiedene Veranstaltungen jederzeit mieten.

Anton Christ hat bereits selbst eine Reihe von Workshops vorbereitet, die aber noch nicht terminiert sind. Dazu zählen der Bau von Insektenhotels und Holzgesichtern, speziell für Kinder, Anleitungen für Linoldruck oder Perlenhäkeln, das Zusammensetzen von Mosaiken aus Fliesenresten und einige mehr. Ebenso kann er sich unter dem Titel „Frauenpower“ einen Workshop für Frauen zum Umgang mit Werkzeugen vorstellen und nicht zuletzt, einen Themenvortrag zum Verhalten gegenüber Gehörlosen.

Die Workshops sind in der Regel für relativ wenige Teilnehmer konzipiert, die Teilnahmegebühr enthält immer auch die Materialkosten. Alle Informationen finden sich auf der Homepage unter www.stodlwerk.de.

Altes und Neues zu kombinieren ist ein wesentlicher Teil der Arbeit von Elke und Anton Christ in Neunburg. Foto: Ralf Gohlke
Der Kerzenhalter aus 1000-jährigem Eisenholz, einer alten Gabel und einem Löffel gehört zu den Lieblingstücken von Elke Christ. Foto: Ralf Gohlke
Garnspulen als nützliches Utensil und gleichzeitig kleiner Blickfang oder eine Weinflasche mit integriertem Gläserhalter – hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Foto: Ralf Gohlke