AfD-Sympathisanten ziehen durch Regensburger Altstadt – Gegenprotest folgt auf Schritt und Tritt

Von Philip Hell · 22. Februar 2025 um 18:34

Am Samstag trafen zwei Demonstrationen in Regensburg aufeinander. Auf der einen Seite Russland-Freunde und AfD-Sympathisanten, auf der anderen Seite die Initiative gegen Rechts. Die Letzteren waren dabei zahlenmäßig deutlich überlegen.

Samstagmittag, die Sonne scheint und in der Residenzstraße reihen sich Polizeifahrzeuge aneinander. Eine verwunderte Passantin fragt einen Beamten, wer hier denn demonstriere. Der Polizist überlegt kurz und sagt: „Maßnahmenkritiker“. Die Initiative gegen Rechts fand indes deutlichere Worte für die Demonstranten, die am Samstag vom Domplatz aus durch die Altstadt zogen.

Demonstration in Regensburg: Zahlreiche Gruppen vertreten

Die Gruppe hatte für 13 Uhr zu einem Gegenprotest aufgerufen. Rund 400 Menschen versammelten sich laut Polizei auf der Südseite des Doms, um gegen die „extrem rechte Demonstration“, wie es im Aufruf hieß, zu protestieren. Darunter waren Vertreter zahlreicher zivilgesellschaftlicher Gruppen. Etwa von „Unser Veto Bayern“, „Studis gegen Rechts“, „Schülis gegen Rechts“, „Christinnen und Christen gegen Rechts“, der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ und des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB).

Lesen Sie hier den Liveticker: Kundgebungen in Regensburg – Demos prallten am Domplatz aufeinander

Die Redner betonten unter lautem Beifall, dass es sich bei der Demonstration auf der Westseite des Doms um eine Veranstaltung der extremen Rechten handle. Dort versammle sich die „Resterampe der Corona-Verschwörungsgläubigen-Szene“, sagte Martin Oswald vom DGB. „Sie haben sich schon lange aus einem auf Argumenten und Fakten basierenden öffentlichen Diskurs verabschiedet.“

Massive Kritik an Demonstration auf dem Domplatz

Oswald griff das Motto der anderen Versammlung auf – dieses lautete „Ja zur Demokratie. Nein zur Diktatur! Ja für den Frieden, Nein zum Krieg! Altparteien handeln und arbeiten gegen das eigene Volk!“ Nichts davon sei wahr, so Oswald. „Wenn sie von Demokratie reden, meinen sie Autoritarismus. Sie meinen eine Meinungsfreiheit, in der nur ihre eigene Meinung gilt. Wenn sie von Diktatur reden, meinen sie Habeck, Scholz oder Baerbock. Wenn sie von Frieden reden, meinen sie die Kapitulation der Ukraine.“ Weitere Redner stießen in ein ähnliches Horn. Sie alle kritisierten mit teils markigen Worten die AfD – aber auch die Union bekam nach einer gemeinsamen Abstimmung mit der AfD Ende Januar ihr Fett weg.

Gegen 14 Uhr begann die Demonstration auf dem südlichen Domplatz. Laut Polizei kamen dort rund 100 Menschen zusammen – angemeldet waren den Behörden zufolge 200 Teilnehmer. Einige schwenkten Deutschland-Fahnen, auch russische Flaggen waren zu sehen. Manche Teilnehmer zeigten offen Sympathien für die AfD – zum Beispiel mit einem T-Shirt, auf dem Parteichefin Alice Weidel abgebildet war. Begleitet wurde der Auftakt der Kundgebung von zahlreichen Gegendemonstranten. Ein Sprecher der AfD-nahen Demo sagte über das Mikrofon, man könne nicht beginnen, da man sich von der anderen Seite gestört fühle. Per Lautsprecher arbeitete sich eine andere Rednerin am Gegenprotest ab. Die Demonstranten seien gekauft und keine Demokraten. Inhaltliche Reden zu politischen Themen gab es nicht, ehe sich die Kundgebung mit ein wenig Verspätung in Gang setzte, um wie geplant durch die Altstadt zu ziehen.

Bei ähnlichen Demonstrationszügen war es in der Vergangenheit immer wieder zu Blockaden gekommen – zum Teil mit Erfolg. Daher wurden die AfD-Sympathisanten von zahlreichen Polizeikräften begleitet. Zu Blockaden kam es diesmal nicht. Allerdings folgte der Gegenprotest der Demo auf Schritt und Tritt. Die Polizei hielt beide Lager auf Abstand. Zwischenfälle blieben auf dem Weg durch die Altstadt aus. Die Demonstration zog allerdings zahlreiche Blicke von Regensburgern auf sich, die die ersten Strahlen der Frühlingssonne genossen.

Demonstration in Regensburg: Polizei zählt sieben Verstöße

Nach rund einer Stunde erreichte die Kundgebung wieder den Domplatz. Bevor sie sich gegen 16 Uhr auflöste, traten noch einige Redner ans Mikrofon. Eine Frau verkündete, dass sie Karl Lauterbach und Robert Habeck angezeigt habe. Eine Rednerin kritisierte die Pharma-Industrie und ein weiterer Redner sprach über angebliche leere Särge in Bergamo am Anfang der Corona-Pandemie und legte nahe, der Terroranschlag am 11. September 2001 sei eine Verschwörung. Begleitet wurden die Reden von lauten „Haut ab“-Rufen.

Die Polizei sprach am Abend von einem „nahezu störungsfreien“ Einsatz. Es sei zu sieben Ordnungswidrigkeiten nach dem Versammlungsgesetz gekommen – dabei handele es sich ausschließlich um Verstöße gegen das Vermummungsverbot. Gegen 16.30 Uhr sei der Einsatz beendet worden.

Auf dem südlichen Domplatz versammelten sich rund 100 Menschen. 200 Teilnehmer waren ursprünglich angemeldet.
Überall in der Altstadt trafen die AfD-Sympathisanten auf Gegenprotest. Die Polizei sicherte den Weg der Kundgebung ab.