Mit einem echten Sarg: Aktivisten beerdigen Brandmauer vor Regensburger CSU-Zentrale

Von Philip Hell · 18. Februar 2025 um 18:20

Gerade ist der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Aumer um kurz nach 15 Uhr vor der CSU-Zentrale in seinen Wagen gestiegen, um auf Haustürwahlkampf-Tour zu gehen. Just in diesem Moment überquert rund ein Dutzend Aktivisten in schwarzer Kleidung vor ihm die Straße. Aumer sieht aus seinem Auto, wie sie einen Sarg schleppen. Das Ansinnen der Aktivisten: eine Beerdigung.

Die überwiegend in schwarz gekleideten Aktivisten verschiedener zivilgesellschaftlicher Gruppen streiften sich Masken über und platzierten den echten Sarg vor der CSU-Zentrale in der Ziegetsdorfer Straße. An einem hölzernen Kreuz baumelte ein Schild, auf dem „R.I.P. Brandmauer“ stand.

„Merz“, „Aumer“ und Co. nehmen an Beerdigung vor Regensburger CSU-Zentrale teil

Mit ihren Masken mimten die Aktivisten die Unions-Politiker Friedrich Merz, Peter Aumer, Horst Seehofer, Alexander Dobrindt, Markus Söder, Julia Klöckner und Andreas Scheuer und nahmen so an dem Begräbnis teil. Die Trauernden warfen Ziegelsteine in den offenen Sarg. Auf ihnen prangten Begriffe wie „Menschenwürde“, „Ehrlichkeit“ oder „Nächstenliebe“. Gegen Ende trat „Friedrich Merz“ nach vorne und stellte ein Grablicht auf den Sarg.

Während das Begräbnis in aller Stille vollzogen wurde, hielten zwei Aktivisten im Anschluss kurze Reden vor der Tür der CSU-Zentrale, an der ein Windowcolor-Bild eine zerlöcherte Brandmauer zeigte. Sebastian Mederer betonte: „Die Union hat noch im November versprochen, niemals Mehrheiten mit den Rechten zu suchen – und dann hat Friedrich Merz das trotzdem gemacht.“ Die vielfach angepriesene Brandmauer sei anscheinend nur ein leeres Versprechen, weshalb man sie heute zu Grabe getragen habe. Die Union habe sich von ihren christlichen Werten vollends entfernt. Zoe Mühl ergänzte, dass man eine kleine vorformulierte Austrittserklärung mitgebracht habe, die ebenfalls auf das Ende der Brandmauer Bezug nimmt. „Die aktuellen politischen Entwicklungen haben mein Vertrauen in die Haltung der CSU tief erschüttert“, heißt es darin. Ein Austritt sei die einzige Möglichkeit, Aufrichtigkeit zu beweisen. Mederer ergänzte wiederum, dass Merz sein Versprechen an die anderen demokratischen Parteien gebrochen habe, eben nicht gemeinsame Sache mit der AfD zu machen. „So wie es derzeit aussieht, muss er mit einer oder mehreren dieser Parteien koalieren – außer er möchte mit der AfD koalieren.“ Es sei das erste Mal seit dem Ende des Nazi-Regimes, dass Mehrheiten mit Rechten gesucht worden seien.

Aumer: „Bin immer bereit für Gespräche“

Der Regensburger CSU-Abgeordnete Peter Aumer äußerte sich am Abend auf MZ-Anfrage zu der Aktion: „Ich habe zwischen zwei Terminen die Aktion wahrgenommen. Offensichtlich war es den Aktivisten nur wichtig ein Bild für die Presse zumachen. Der Kontakt zu einem Gespräch mit mir oder einem Vertreter der CSU wurde gar nicht erst gesucht. Als Demokrat bin ich immer bereit zu einem Gespräch oder einer offenen Diskussion."

Vorfahrt für Sarg: Peter Aumer war gerade auf dem Weg zum Haustürwahlkampf.