Dämmung aus dem Sprühgerät: Innovation aus Regensburg hilft bei energetischer Sanierung

Viele Gebäude in Deutschland und Europa sind Energiefresser – und stehen damit den Klimazielen im Weg. Doch das Eigenheim energetisch zu sanieren, ist teuer. Eine neue Technologie aus Regensburg bietet eine einfache Alternative, um Häuser besser zu dämmen.
„Alte Gebäude mit Energieeffizienzklasse F, G oder H machen rund 46 Prozent des deutschen Gebäudebestands aus“, sagt Dr. Oliver Zech, Vorstandsvorsitzender der HeiQ RAS in Regensburg. Und auch auf EU-Ebene sieht es nicht besser aus. Laut Angaben der Europäischen Kommission wurden 80 Prozent der Gebäude in Europa vor 2000 gebaut – 75 Prozent davon weisen eine schlechte Energieeffizienz auf.
Das hat Folgen: Für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs in der EU ist der Gebäudesektor verantwortlich. Deshalb wurden Richtlinien überarbeitet, die die Mitgliedsstaaten nun umsetzen müssen: Bis 2030 muss die durchschnittliche Energieeffizienz im Gebäudebereich im Vergleich zu 2020 um 16 Prozent, bis 2035 um 20 bis 22 Prozent gesteigert werden. Für Nicht-Wohngebäude werden schrittweise Mindeststandards eingeführt. Betrachtet man die aktuell geringe Sanierungsrate, stellt sich für Zech die Frage: Wie soll das klappen?
Außen- und Innendämmungen sind teuer
Die gängigen Verfahren seien „aufwendig und teuer“, sagt Dr. Christian Iffelsberger, der bei HeiQ RAS den Bereich Forschung und Entwicklung verantwortet. Häufig werde zum Beispiel eine Außendämmung angebracht. Pro Quadratmeter könnten schon mal dreistellige Beträge anfallen. Saniert man ein großes Haus auf einen sehr guten Energiestandard könne man mit 80.000 bis 100.000 Euro rechnen, so Zech.
Eine weitere Möglichkeit seien Innendämmputze – da verliere man neben Zeit aber auch etwas Wohnraum. Also hat HeiQ RAS an einer innovativen Technologie getüftelt und in Zusammenarbeit mit den fränkischen Partnerfirmen Maxit und Kurz eine transparente, wärmereflektierende Innenwand-Lasur unter dem Namen HeiQ Xpectra auf den Markt gebracht. Kernstück sind transparente und winzige, Mikromillimeter lange Edelmetall-Drähtchen.
Besucher der BAU konnten Wirkung selbst beobachten
Auf der Weltleitmesse BAU 2025 in München haben sie ihre patentierte Technologie erstmals vorgestellt – und der Demonstrator wurde zum Zuschauermagneten, erzählt Zech. Denn die Besucher konnten die Wirkung der Lasur selbst beobachten: Wenn sie auf dem Weg zum Stand an der beschichteten Betonwand vorbeigingen, sahen sie ihr eigenes Wärmebild auf einem Bildschirm. Geht man dagegen an einer unbeschichteten Betonwand vorbei, sieht man nichts. „Das simuliert den Effekt, den wir im Winter haben“, erklärt Zech. Durch das Heizen entsteht Wärmestrahlung. Ist das Haus schlecht gedämmt, geht die Wärme verloren.
U-Wert verbessert sich um bis zu 25 Prozent
Die Lasur ist zwar nicht vergleichbar mit einer Außenwanddämmung – und nur ein Baustein für die energetische Haussanierung. Aber sie ist eine einfache Methode, um den U-Wert, also den Wärmedurchgangskoeffizienten, um bis zu 25 Prozent zu verbessern.
Aufgetragen werden muss die Lasur derzeit noch von Profis. Langfristig peile man aber an, dass sie für den Eigengebrauch im Baumarkt erhältlich ist. Der Ablauf ist simpel: Sie wird auf Innenwände gesprüht, muss trocknen und nach ein bis zwei Tagen ist der Bereich besser gedämmt.
Der Materialverbrauch ist gering und die Kosten bewegen sich zwischen zehn bis 15 Euro pro Quadratmeter. Einmal aufgetragen hält die Beschichtung bis zu zehn Jahre. Sie sorgt lediglich für einen kleinen Farbunterschied. Aber dadurch, dass sie auf der gesamten Wand aufgetragen wird, falle das nicht auf, so Zech.
Lasur soll auch für Wohnbereiche funktionieren
Bis jetzt kann die Lasur nur auf Betonwänden aufgetragen werden, wovon es vor allem in öffentlichen und industriellen Gebäuden viele gibt. Gerade arbeite man daran, dass sie ungefähr ab April auch in Wohnräumen auf verputzte Farbwände gesprüht werden können. Auch hier gelte die Haltbarkeit von zehn Jahren, außer man streicht die Wand neu, sagt Zech.
Die Entwicklung und Prüfung der Technologie hat einige Jahre in Anspruch genommen. Zech und Iffelsberger sind überzeugt, dass die Technologie aus Regensburg erfolgsversprechend ist – auch, weil es ihres Wissens nach noch kein solches Produkt auf dem Markt gibt. „Normalerweise bringt man einen Dämmstoff auf, der Wärme besonders schlecht leitet – zum Beispiel schaumartige Stoffe. Bei unserem Produkt wird Wärme reflektiert. Das ist ein ganz anderer Effekt.“
Produkt soll in mehreren Ländern zum Einsatz kommen
Auch auf der BAU war das Interesse groß. „Es gibt eine riesige Menge an Gebäuden in Europa, die sanierungsbedürftig wären. Wir bieten eine kostengünstige Lösung.“ Das Produkt soll nicht nur in Deutschland zum Einsatz kommen. Derzeit seien sie auf der Suche nach Partnern für Investitionen in anderen Ländern. Denn die Beschichtung ist nicht nur in kalten Ländern vielversprechend. Im Februar läuft ein Test in Thailand. Dabei wolle man verifizieren, dass der Effekt auch umgekehrt funktioniert: außen warm, innen kalt.
Mehr zu HeiQ RAS
Firma: Bekannt ist HeiQ RAS für Innovationsdienstleistungen und besonders für antimikrobielle und antivirale Produkte.
Übernahme: Gegründet wurde die Firma 1995 als Rent a Scientist (RAS). 2016 wurde sie zur RAS AG. Seit 2021 ist Schweizer HeiQ-Gruppe Eigentümer des Unternehmens.
