Dämmen mit Holz statt Kunststoff-Schaum: Wohin geht der Trend beim Sanieren?

Die Wärmewende, wie sie deutsche und europäische Politiker zum Ziel setzten, bedeutet nicht nur ein gesteigertes Interesse an Wärmepumpen – sondern auch am Dämmen. So startete Hemau (Landkreis Regensburg) jüngst eine Sanierungskampagne für alte Bestandshäuser. Doch was sagen lokale Firmen wie Maag und Semmler?
Der Tangrintel soll energieeffizienter werden: Das ist das Ziel der Sanierungskampagne, die Hemau kürzlich startete. Die Energieagentur Regensburg errechnet darin, dass 40 Prozent der 5528 Gebäude Energieeffizienzklasse F oder schlechter haben. Bis 2033 wäre das EU-Ziel Klasse D oder besser. Das würde bedeuten, dass Tausende Gebäude zumindest teilweise ein Sanierungspotenzial haben.
Bei der Startveranstaltung vorletzte Woche gab es dazu eine Frage aus dem Zuschauerraum: Sollte man Häuser nicht nachhaltig dämmen, ohne die üblichen erdölbasierten Materialien, um später beim Abbruch nicht vor einem Haufen Sondermüll zu stehen?
Maag: Steigende Nachfrage
Ein Material, das der Experte der Energieagentur als mögliche Antwort nennt, ist Holz. Das sorgt natürlich für Aufhorchen in Hemau, der Stadt mit einer ausgeprägten Holzbranche. „Der Marktanteil von Holzdämmstoff ist noch recht klein, aber es wird immer mehr. Die Nachfrage ist auf jeden Fall die letzten Jahre gestiegen“, sagt Johannes Maag, Firmenchef des Holzhändlers Maag. Er wolle die üblichen Dämmstoffe wie EPS nicht schlechtreden – „sie sind besser als gar nicht dämmen“ – aber nachhaltiger und energiesparender in der Herstellung sei Holzdämmung. Lange produzierte beispielsweise die Oberpfälzer Ziegler-Gruppe aus Sägewerk-Abfall Dämmstoff. Nun, nach der Insolvenz, würden Nachfolger die Produktion wieder starten, so Maag.
Nun ist der Handel das eine, die tatsächliche Nutzung das andere. Wolfram Lindner, seit 25 Jahren selbstständiger Sanierungsexperte in Hemau, sieht allgemein keinen großen Nachfrageschub nach Wärmesanierung. „Es ist noch verhalten“, sagt er. Viele Kunden seien abgeschreckt vom ständigen politischen Hin und Her und den strengen Förderrichtlinien. Durch die politische Forcierung einer schnellen Wärmewende würden inzwischen auch horrende Preise für Wärmepumpe oder Energieberatung verlangt.
Generell, so sagt Lindner, müsse man rational bleiben. „Es gibt schon Häuser, da tut es Not. Da muss man was machen“, sagt er über einige alte Bestandsgebäude in Hemau. „Bei manchen ist es aber ein Stück weit dekadent“, fügt er hinzu. Die Hersteller von Wärmedämmung hätten eine starke Lobby in Berlin, oft werde für mehr Dämmung geworben, als sinnvoll sei.
Auch die Hemauer Sanierungskampagne setzt hier auf Vernunft: „Sanierungspotenzial“ bedeutet nicht, dass Tausende Häuser jetzt eine Dämmung drangeklebt bekommen. Bei einigen aber, so das Fazit, würde sich das durchaus lohnen – auch für den Geldbeutel.
Semmler: Pro und Contra
„Es gibt schon interessante Förderprogramme“, sagt Maximilian Semmler von der gleichnamigen Holzbaufirma. „Die Nachfrage nach Sanierung ist da und wird definitiv zunehmen“, prognostiziert er. Auch Holzdämmstoffe, die bei Semmler 80 Prozent ausmachten, seien im Kommen. Ähnlich sei es mit hinterlüfteten Holzfassaden, die nicht nur energieeffizient, sondern auch robuster, zum Beispiel gegen Starkregen seien.
„Generell ist es aber schwierig, Holzdämmstoff mit Styropor zu vergleichen. Es ist ein zweischneidiges Schwert“, sagt Semmler. Es gebe Vor- und Nachteile für beides. Wovon er aber überzeugt sei, ist, dass Bestandssanierung an sich beliebter wird. „Die verfügbare Fläche an Bauland wird weniger. Ich hab mal gelesen, dass der sanierte Bestand der neue Neubau ist“, sagt er. Da stimme er zu. „Es ist natürlich teuer, aber über die Jahre rentiert sich das schon.“
Tagung Holz.Bau.Ein.Blick in Hemau
Am selben Tag, an dem die Stadtverwaltung auch die Sanierungskampagne den Bürgern vorstellte, ging es an einem anderen Ort in Hemau um den Holzbau als Ganzes: Bei der Fachtagung „Holz.Bau.Ein.Blick“ trafen sich zahlreiche Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bei der Holzbaufirma Semmler in Hemau, um die mögliche Zukunft des Bauens mit Holz auszuloten. Unter ihnen waren Adrian Blödt, Präsident des Instituts Holzbau Deutschland, und Ingenieur Markus Lechner. Unter anderem ging es um Holz-Hybridbauten sowie Brandschutz bei hohen Holzgebäuden. Mit rund 65 Angestellten ist Semmler ein über die Grenzen Hemaus bedeutendes Unternehmen, das sich einer steigenden Nachfrage gegenübersteht: In Bayern liegt der Anteil der in Holzbauweise errichteten Wohnhäuser bereits bei 25,8 Prozent (2023).
