Dämmung, neue Heizung und mehr: Hemau startet Sanierungskampagne

66 Prozent aller Häuser in Hemau sind mehr als ein halbes Jahrhundert alt, viele fossile Heizungen am Ende ihrer Lebenserwartung. In den kommenden 15 Jahren soll der Tangrintel auf erneuerbare Wärme umsteigen – nun startet der erste Schritt dieses Plans: eine Sanierungskampagne. Bürger zeigen bei einem Infoabend Interesse.
Zuversicht für die Zukunft und sowas wie Aufbruchsstimmung – wenn es um die Themen Heizung und Klimaziele geht, war so ein Optimismus zuletzt selten. Hemau jedoch will hier eine Vorreiterrolle einnehmen: Als erste im Landkreis entwickelte die Gemeinde einen Fahrplan, in den kommenden 15 Jahren von fossilem Heizen auf erneuerbare Wärme umzusteigen. Am Freitag nun startete die erste Etappe dieses Fahrplans: eine Sanierungskampagne für die alten Hemauer Häuser.
Im Rahmen dieser Kampagne sollen Bürger ihre soliden alten, aber teils extrem energieverschwenderischen Häuser (siehe Infokasten) nach und nach unter die Lupe nehmen. Dabei ist es gar nicht das Ziel, alle komplett zu sanieren. Nein, schon einzelne Maßnahmen hätten in der Masse das Potenzial, den Energieverbrauch in Hemau um ein Viertel zu reduzieren, so die Berechnung.
Interesse bei Hausbesitzern
Dieser optimistische Fahrplan scheint auf fruchtbaren Boden zu fallen: Am Donnerstagabend trafen sich rund 50 Bürger und Lokalpolitiker im Landgasthof Ferstl-Bruckmeier in Hemau zu einer Informationsveranstaltung der Energieagentur Regensburg. Dort zeigte sich das Publikum interessiert, wie sie in ihrem Eigenheim Energie sparen und nachhaltiger leben können.
„Ziel der Veranstaltung ist auch, Ängste zu nehmen“, sagte Bürgermeister Herbert Tischhöfer zu Beginn. Was radikal klingen mag – die Wärmewende in Hemau – sei eigentlich ein realistisch machbares Vorhaben, das am Ende jedem Bürger viel Geld sparen könne.
Und so zahlt die Stadt im Rahmen der Sanierungskampagne für die ersten 50 Interessenten eine Beratung durch die Energieagentur, die eigentlich 40 Euro kosten würde. Ein Berater wird daraufhin zu den angemeldeten Personen nach Hause kommen und das Potenzial für Energieeinsparungen ausloten: von der großen Komplettsanierung mit Wärmepumpe, Photovoltaik und Stromspeicher bis hin zu kleinen, günstigen Maßnahmen wie einer Ummantelung von Heizrohren oder Optimierung der bestehenden Gasheizung – und alles, was dazwischen liegt.
Die vielen Möglichkeiten, durch moderne Technik Energie zu sparen, stellten Anton Dechant und Stefan Zirngibl von der Energieagentur am Donnerstag ausführlich vor. Offensichtlich weckten sie dabei das Interesse der Hemauer Hausbesitzer: Freitagvormittag konnten sich die ersten Bürger für ihre kostenlose Energieberatung anmelden. Und direkt glühte die Leitung: Von den 50 Beratungen, die die Stadt Hemau spendiert, waren nach ein paar Stunden schon 17 ausgebucht.
Während die Modernisierung von Eigenheimen in erster Linie eine Sache der Bürger ist, ist es auch an der Stadtverwaltung, hier tätig zu werden – sei es durch Vermittlung und Information oder auch durch die Prüfung von Wärmenetzen. Ob es solche zentrale Projekte in Hemau aber jemals geben wird, ist fraglich. Während Fernwärme für städtische Gebäude schon seit langer Zeit existiert, eignet sich in der gesamten Gemeinde eigentlich nur der Stadtkern von Hemau für ein Wärmenetz für Privathäuser, so die Berechnung der Energieagentur. Und selbst da ist es fraglich, ob es sich für einen Privatinvestor rentabel ist.
Ende des Schreckgespensts
Zentral oder dezentral – wie die Zukunft der Hemauer Wärme auch aussehen mag: das Potenzial für Wandel am Tangrintel sei groß, sagte Energieexperte Anton Dechant am Donnerstag. Allein durch die steigenden Kosten von Heizöl und Erdgas, die in Hemau noch 66 Prozent der Energieträger ausmachten, sei es längst wirtschaftlich, umzusteigen.
Und so tauschten sich am Donnerstag auch Bürger über ihre Erfahrungen mit Wärmepumpen aus. „Die Wärmepumpe – das Schreckgespenst jeden Hausbesitzers“, sagte Energieberater Zirngibl grinsend und erntete aus dem Publikum Gelächter. Nach viel Verunsicherung, bedingt durch schlechte Kommunikation der Bundesregierung und rechte Schmutzkampagnen vor zwei Jahren, gingen viele Bürger nun pragmatischer an das Thema heran, sagt Zirngibl und ergänzt: „Ich habe eine seit 17 Jahren, die schnurrt wie am ersten Tag.“
So alt sind die Häuser in Hemau
Altbau: Zwei Drittel der insgesamt 5258 Gebäude in der Gemeinde Hemau wurden vor 1978 errichtet – in diesem Jahr trat die erste Wärmeschutzverordnung inkraft. Die durchschnittliche Heizung in Hemau ist außerdem 19,5 Jahre alt – am oberen Ende der üblichen Lebenserwartung einer Heizung.
Energiefresser: Der durchschnittliche jährliche Heizenergieverbrauch von Häusern, die vor 1977 gebaut wurden, liegt bei 157 kWh pro Quadratmeter. Seitdem wurden Häuser von Jahr zu Jahr effizienter. Zum Vergleich: ein modernes Passivhaus verbraucht maximal 15 kWh, teils sogar noch weniger.