Fernwärme, Wärmepumpe, Wasserstoff? So soll Hemau in Zukunft beheizt werden

Von Daniel Pfeifer · 24. Oktober 2024 um 05:00

Bis 2040 soll Bayern klimaneutral sein – für Kommunen eine Riesenaufgabe. Auch für Hemau (Landkreis Regensburg), wo die Durchschnittsheizung außerordentlich alt ist. Nun gibt es einen Fahrplan, wie die Zukunft aussehen soll. Neben Wärmepumpen könnten auch Wärmenetze eine Rolle spielen.

15 Jahre – das ist ein ziemlich langer Zeitrahmen, wenn es darum geht, einen Flughafen in Berlin zu bauen. Aber es ist ein ziemlich kurzer Zeitrahmen, um das komplette Energiesystem eines Landes zu revolutionieren. Doch genau das soll in Bayern passieren: Bis 2040 muss der Freistaat – so das selbsterklärte Ziel – klimaneutral sein. Das stellt Gemeinden vor gewaltige Aufgaben. Hemau hat diese Aufgabe als eine der ersten Kommunen angepackt und eine Wärmeplanung begonnen. Ein grundlegendes Konzept, wie in den nächsten 15 Jahren klimaneutral geheizt werden kann, wurde jetzt fertiggestellt.

Hemau hat alte Heizungen

Im kommenden Jahr wird die Energieagentur Regensburg den Hemauer Bürgern dieses Konzept im Detail vorstellen – jetzt präsentierte Energieexperte Anton Dechant am Dienstag erst einmal dem Stadtrat die Ergebnisse der Analysen. Dieser wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich noch intensiv mit dem Thema beschäftigen müssen. „Je früher man anfängt, desto besser“, sagte Dechant. Wenn man die Wärmewende nicht bis auf den letzten Drücker hinausschiebe, könne man sie gut schaffen.

„Es besteht ein hohes Einsparpotenzial in Hemau“, sagte Dechant. Rund zwei Drittel der Gebäude sind mehr als ein halbes Jahrhundert alt und damit älter als die erste deutsche Wärmeschutzverordnung. Dementsprechend mies stehen sie in der Energieeffizienz da: Über die Hälfte fällt in die Klassen E, F oder schlechter und sollte, so das EU-Ziel, in den nächsten zehn Jahren zumindest teilweise saniert werden.

Wenn auch Hemau derzeit vor allem mit Öl beheizt wird, ist bereits heute der Anteil von Biomasse mit 29 Prozent durchaus hoch, so Dechant. Dennoch sei eine durchschnittliche Heizung laut Daten von Schornsteinfegern 19,5 Jahre alt – deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 13,9 Jahren.

Dass Hemau besonders alte Heizungen hat, könne aber auch ein Vorteil sein, so Energieexperte Dechant. Denn dadurch stünde ohnehin in vielen Fällen ein Austausch an. Und während die Stadt ihren Bürgern nicht vorschreiben will, was für neue Heizungen sie anschaffen sollen, könne sie versuchen, offensiv zu informieren. Denn wer jetzt noch fossile Heizungen einbaue, werde oft auf lange Sicht deutlich höhere Kosten haben. Große Hoffnung auf Wasserstoff solle man sich laut Dechant in Sachen Heizen nicht machen.

Wenn am Ende alle Hemauer mitziehen, sei es absolut realistisch, dass die Gemeinde in 15 Jahren klimaneutral werde. Das Zielszenario des Wärmeplans sieht vor, dass 2040 durch Sanierungen 25 Prozent weniger Energie verbraucht wird. Neben Biomasse sollen Strom- und Umweltwärme (vor allem Wärmepumpen) den Löwenanteil der Hemauer Wärme liefern. Angst ums Stromnetz brauche man deswegen nicht haben, so Dechant: Die nötige Energie könnten schon zwei Windräder komplett abdecken.

Während Wärmepumpen für einen Großteil der Gemeinde die beste Lösung für die Zukunft sind, gebe es laut Energieagentur auch Potenzial für Wärmenetze. Ein solches existiert in Hemau bereits für öffentliche Gebäude und sechs Privathäuser. Mit den Unternehmen Maag und Krema gebe es laut Dechant zudem schon mindestens zwei Firmen, die ihre betriebliche Abwärme bereitstellen würden.

Kandidat für Wärmenetz

Ein großer potenzieller Kandidat für ein Wärmenetz ist dabei das Neubaugebiet Sixenfeld. Schon vor eineinhalb Jahren beschloss man, zu prüfen, ob Fernwärme oder wie in Schierling ein „kaltes Netz“ sinnvoll wäre. „Wir brauchen eine Machbarkeitsstudie“, sagte Bürgermeister Tischhöfer. Doch das gehe nicht, wenn man nicht wisse, wie dicht dort gebaut werde: Stehen dort 60, 100 oder 150 Häuser? „Wir drehen uns im Kreis.“

Es sei nun an der Zeit, endlich Klarheit zu schaffen. Nur so könne man auch errechnen, ob ein Wärmenetz wirtschaftlich wäre. Wenn man sich politisch für ein solches Netz entscheide, könne man die Kosten für dessen Installation von Anfang an auf die Grundstückspreise anrechnen – so wie früher die Kosten für die Verlegung von Gasleitungen in Neubaugebieten – ergänzte Dechant. Ohne konkrete Details zur Baudichte komme man aber nicht weiter.

Debatte: Ist die Kurve zu gefährlich?

Neben der Wärmeplanung beschäftigte sich der Stadtrat von Hemau auch mit einem Anliegen von Stadtrat Thomas Hölzl. Er mache sich Sorgen um die Verkehrssicherheit in seinem Heimatort Wangsaß und forderte die Prüfung einer 30er-Zone und eines Verkehrsspiegels. „Die Kurve ist schlecht einsehbar. Die Schulbusfahrerin hat immer wieder auf die Stelle hingewiesen. Mindestens einmal die Woche hat sie eine brenzlige Situation“, sagte Hölzl. Einen Verkehrsspiegel habe es vor dem Straßenausbau bereits gegeben. Bürgermeister Tischhöfer entgegnete, dass ein Spiegel von vielen Verkehrsexperten nicht mehr empfohlen werde und dass eine 30er-Zone die Förderung für den Straßenausbau gefährden könnte. Nach einer kurzen, aber sehr emotionalen Debatte einigte sich der Stadtrat, auch Thomas Hölzl, darauf, dass die Einrichtung eines Spiegels in der Verkehrsschau bedacht wird und dass bei den Fördergebern nachgefragt wird, ob man Tempo 30 einrichten könnte oder ob dann die erhaltenen Fördergelder zurückgezahlt werden müssten.

Im Herzen von Wangsaß treffen vier Straßen aufeinander.