Alles hat ein Ende, nur das Hinterhaus hat zwei: Hemauer Kultkneipe schließt

Von Daniel Pfeifer · 19. Oktober 2024 um 05:00

Als Karin Strixner die Hemauer Kult-Kneipe Hinterhaus 2018 mit einer großen Party dichtmachte, war die Bestürzung unter Stammgästen groß. Acht Monate später kam das überraschende Comeback. Nun aber folgt der Abschied für immer – gezwungenermaßen, doch nicht ohne eine letzte große Party.

Nach dem ersten Abschied im Dezember 2018 merkte Karin Strixner schnell: Sie kann nicht ohne „ihre“ Kneipe. Seit der Wiedereröffnung 2019 kehrte Leben in die Kultkneipe in einer Seitengasse des Stadtplatzes in Hemau (Landkreis Regensburg) zurück. Doch auch diese Zeiten sind nun vorbei.

Strixner verbindet so viele Erinnerungen mit dem Hinterhaus, dass sie sie kaum aufzählen kann: 12 Jahre lang steckte sie in die Kneipe alle Kraft, die sie hatte – und auch die, die sie nicht hatte. Aus gesundheitlichen Gründen muss sie nun aufhören. „Es fällt mir unglaublich schwer, mein Baby aufzugeben“, sagt sie. „Aber auch mein Arzt sagt, ich soll’s lassen.“ Es sei jetzt die richtige Entscheidung, zu gehen.

„Metaler sind die Liebsten“

Warm leuchtet das Thekenlicht hinter den sauber polierten Gläsern, Schnapsflaschen warten darauf, geleert zu werden – alles wirkt, als würde in wenigen Stunden wieder aufgesperrt werden. Liebevoll streicht Karin Strixner über die steinerne Oberfläche der Bar. Vize-Chef Christoph Scheck hebt ihr einen Barhocker vom Tresen herab, Strixner setzt sich. Für die 59-Jährige ist das verwinkelte, schummrige Hinterhaus zur Heimat geworden.

Am 12. September 2012 öffnete sie zum ersten Mal die Türen – an diesen Tag erinnert sie sich, als wäre er gestern gewesen. „Ich war so aufgeregt“, sagt sie. „Natürlich hatte ich Angst, dass es nicht klappt.“ Den besten Ruf habe das Hinterhaus damals nicht gehabt.

Über die Jahre aber kamen neue Gäste, verschiedene Generationen, Familien: Jung und Alt spielten gemeinsam Dart, erzählt Strixner und strahlt stolz, als würde sie gerade von ihrer harmonischen Familie erzählen. Sie kann kaum entscheiden, wer ihr am meisten ans Herz gewachsen ist. „Die Metaler sind mir die Liebsten. Das sind so brave, nette, hilfsbereite Leut’“, sagt sie. Die Nachbarn wiederum seien „tolle Menschen“, die immer Verständnis gehabt hatten, wenn wieder Party im Hinterhaus war. Auch die Bands, für die das Hinterhaus zur Bühne und Strixner zu einer engen Freundin wurde, will sie nicht vergessen. Und dann sind da natürlich auch ihre Mitarbeiter, allen voran Christoph Scheck. „Meine treueste Seele“, wie sie ihn nennt.

Auch er ist seit 12 Jahren dabei, ein Mann der ersten Stunde. Umso größer war der Schock für ihn, als er Mitte Juli einen Anruf von Karin Strixner erhielt. Sie ist doch im Urlaub, habe er sich gewundert. Doch dann teilte sie ihm mit: Sie hatte einen Schlaganfall, lag auf Intensivstation in Innsbruck. „Einer meiner ersten Anrufe nach dem Schlaganfall war an Christoph“, erinnert sich Strixner. Sogar in so einer Situation habe sie zuerst an das Hinterhaus gedacht.

„Inzwischen bin ich aber überzeugt, dass der Stress mich dahin gebracht hat, wo ich jetzt bin“, sagt sie. Anders als bei ihrer kurzen „Pause“ 2018 wäre es unvernünftig, weiterzumachen. Auch wenn sie es liebend gern täte. „Mein großer Wunsch ist jetzt, dass sich ein Nachfolger findet“, sagt sie. Sie habe schon mit vielversprechenden Interessenten geredet und schließlich wurden erst in diesem Jahr einige Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. „Vielleicht kann ich ja in Zukunft dann als Gast hier reingehen“, sagt sie und lacht.

Tränenreiche letzte Party

Man merkt: Das Hinterhaus wird sie so schnell nicht loslassen. All die Erinnerungen sind noch frisch: Die feuchtfröhlichen Weiberfaschings, der überwältigend besuchte Bar-Stand an der Italienischen Nacht, die vielen Livekonzerte von Bands wie Gang of Tones oder Hotel California. „Ganz besonders war auch immer der Heilige Abend“, sagt sie. Wenn die Familien alle noch auf einen Umtrunk kommen und dann um Mitternacht die ganze Kneipe, inklusive Gästen mit Quetschn, den Geburtstag von Karin Strixner feiern.

Am 8. November ist es jetzt soweit: Mit einem „Restl-Festl“ sperrt das Hinterhaus zum letzten Mal auf – zu einer finalen Party. „Es wird sicher tränenreich“, sagt Strixner und lacht. Aber es werde bestimmt auch wunderschön – wie eben die vergangenen 12 Jahre auch.

Gut versteckt: Viele Neulinge müssen den Eingang erst suchen.