Frustrierte Prostituierte in Schwandorf: „Geschäft läuft schlecht“ – Posse um Legalität

Von Jan Lange, Philipp Breu · 22. Februar 2025 um 05:00

In Schwandorf bieten gerade mehrere Prostituierte ihre Dienste an. Am Donnerstag haben Beamte der Polizei vier Sexarbeiterinnen in Appartements beim Krankenhaus kontrolliert. Dabei berichteten die Frauen aus Rumänien auch von ihrer Arbeit. Unterdessen wird darüber diskutiert, ob das Rotlicht-Gewerbe in der Großen Kreisstadt überhaupt noch legal ist.

Wer an den Wohnblocks im Rothlindenviertel vorbeigeht, ahnt nicht, was hinter den Gardinen vor sich geht. In einem Mehrfamilienhaus, in dem sich derzeit mehrere Prostituierte in möblierten Wohnungen aufhalten, steht Kinderspielzeug hinter der Haustür. Im ersten Stock geht es dagegen nicht jugendfrei zu. Vier Prostituierte aus Rumänien haben sich hier für ein paar Tage in zwei Appartements eingemietet.

Auf einschlägigen Sexportalen werben die Frauen für sich. Auch bei der Polizeiinspektion Schwandorf hat man einen Blick auf die Anzeigen. Die Beamten um Vize-Polizeichef Florian Meier wollen auch, dass im horizontalen Gewerbe Recht und Gesetz eingehalten werden. Aus diesem Grund entschlossen sich der Polizeihauptkommissar und seine Kollegen am Donnerstagnachmittag zu einer spontanen Kontrolle.

Nicht einmal drei Kunden in zwei Tagen

Schnell konnten sie feststellen: Bei den vier Frauen aus Rumänien im Alter zwischen 28 und 41 Jahren ist alles ok. Sie waren angemeldet, konnten einen gültigen Gesundheitsnachweis vorlegen. „Bei ihnen passt alles“, bilanzierte Vize-Polizeichef Meier.

Die Damen ließen die Kontrolle bereitwillig über sich ergehen. Sie plauderten auch ein wenig aus dem Nähkästchen. „Durch eine Kollegin“ seien sie auf Schwandorf aufmerksam geworden. Doch die Empfehlung entpuppte sich offenbar als Flop. „Das Geschäft läuft nicht gut“, berichtete die Blondine. In zwei Tagen habe sie „nicht mal drei Kunden“ empfangen können. Freier hätte sie mehr haben können. Doch die meisten Interessenten hätten Geschlechtsverkehr ohne Kondom gefordert. „Das ist ein No-Go“, sagte die Rumänin, die normalerweise in Bordells und nicht in Appartements arbeitet.

Für die Blondine war es auch mit Blick auf das Geschäft „das letzte Mal in Schwandorf“. Ihre Kollegin im Appartement nebenan ist nach eigener Aussage dagegen schon zum zweiten Mal in der Stadt. Aber auch sie wirkte frustriert, weil auch bei ihr das Geschäft „schwierig“ laufe. Die Sexarbeiterin hatte sich vor der Buchung in Schwandorf informiert, ob Prostitution hier legal sei. Auf Wikipedia stieß sie auf die Einwohnerzahl. „Da steht über 30.000“, berichtete die Frau.

Verwirrung um Einwohnerzahlen in Schwandorf

Und genau an dieser Zahl scheiden sich derzeit die Geister. Denn gerade ist überhaupt nicht klar, ob die Stadt Schwandorf überhaupt noch 30.000 Einwohner hat. Die braucht es nämlich laut einer Verordnung der Bayerischen Staatsregierung aus dem Jahr 1975, damit Prostitution grundsätzlich zulässig ist.

Die Einwohnerzahlen stammen vom Bayerischen Landesamt für Statistik und werden alle drei Monate veröffentlicht. Das Problem: Bisher basierten die Werte laut dem städtischen Pressesprecher Andreas Hofmeister auf dem Zensus 2011. Demnach lag die Große Kreisstadt Schwandorf bei 30.470 Einwohnern (Stichtag: 30. September 2024). „Künftig werden die Einwohnerzahlen auf Grundlage des kürzlich veröffentlichten Zensus 2022 ermittelt. Für Schwandorf ergibt sich hieraus eine Zahl von 29.949 Einwohnern, Stichtag ist ebenfalls der 30. September 2024“, so Hofmeister.

Ist die Prostitution in Schwandorf noch legal oder nicht? So richtig kann das gerade niemand beantworten. Mehr Klarheit könnte künftig eine eigene Ampel schaffen, frotzelt der stellvertretende Redaktionsleiter Philipp Breu in seinem Kommentar

Welche dieser beiden Zahlen nun heranzuziehen ist, sei noch nicht abschließend geklärt. Eine entsprechende Anfrage vonseiten der Stadt Schwandorf beim Bayerischen Landesamt für Statistik hinsichtlich der Verwendung der Einwohnerzahl auf Basis des Zensus 2011 oder des Zensus 2022 habe in der Sache bislang keine Klarheit gebracht.

Prostituierte kehren Schwandorf den Rücken

„Aus diesem Grund geht die Stadt Schwandorf im Sinne der Berufsfreiheit davon aus, dass – solange keine anderslautende offizielle Aussage vorliegt – die höhere Einwohnerzahl heranzuziehen ist“, schreibt der Pressesprecher weiter. Somit sei die Prostitution außerhalb des Sperrbezirks weiter grundsätzlich zulässig. Endgültige Klarheit werde es vermutlich erst mit Veröffentlichung der amtlichen Einwohnerzahlen zum Stichtag 31. Dezember 2024 auf Basis des Zensus 2022 geben. „Diese Zahlen werden voraussichtlich im Juni 2025 herausgegeben. Der Zensus 2011 wird nicht fortgeschrieben“, so Hofmeister.

Unabhängig von der Diskussion um die genaue Einwohnerzahl haben die Prostituierten, die am Donnerstag von der Polizei kontrolliert wurden, für sich entschieden, Schwandorf wieder den Rücken zu kehren.

Hintergrund: So ist die Prostitution gesetzlich geregelt

Verordnung: In Bayern ist mit der Verordnung über das Verbot der Prostitution grundsätzlich untersagt, dem Sexgewerbe in Gemeinden unter 30.000 Einwohnern nachzugehen. Damit ist nur in rund 34 Orten in Bayern die Prostitution zulässig.

Sperrbezirk: Orte, in denen Prostitution erlaubt ist, können aber Verbotszonen für die Sexarbeiterinnen, sogenannte Sperrbezirke, festlegen. In Schwandorf gilt die Innenstadt zwischen Naabufer-straße und Friedrich-Ebert-Straße als derartige Verbotszone.