Kommentar zu jüngsten Entwicklungen im Schwandorfer Rotlicht-Milieu: Mut zur Ampel

Prostituierte haben es in Schwandorf momentan nicht leicht. Offenbar hält sich die Zahl der Freier in Grenzen. Und jetzt wird auch noch darüber diskutiert, ob das Rotlicht-Gewerbe in der Großen Kreisstadt überhaupt noch legal ist. Der stellvertretende MZ-Redaktionsleiter Philipp Breu nimmt in seinem Kommentar die deutsche Korrektheit aufs Korn – und bringt eine Rotlicht-Ampel ins Spiel.
Und wieder Mal schreibt die deutsche Korrektheit eine Posse. Diesmal trägt sie den Titel: Darf in Schwandorf nun gegen Geld „geliebt“ werden oder nicht? Denn während die Sexarbeiterinnen enttäuscht über das schlechte Geschäft in der Großen Kreisstadt reden, wird im Hintergrund sogar darüber diskutiert, ob die Prostitution in Schwandorf überhaupt noch erlaubt ist.
Rotlichtmilieu wird zur Grauzone
So richtig weiß das momentan keiner – und so wird aus dem städtischen Rotlichtmilieu eine Grauzone. Denn Prostitution ist in Bayern erst ab einer Einwohnerzahl ab 30.000 erlaubt. Und genau da scheiden sich in Schwandorf gerade die Geister.
Welche Zahl vom Bayerischen Landesamt für Statistik zählt denn gerade? Die aus dem Zensus 2011 – laut diesem hat Schwandorf über 30.000 Einwohner – oder sticht der Zensus 2022, der von „nur“ noch 29 949 Schwandorfern ausgeht. Mit einem abschließenden Ergebnis ist wohl nicht vor Juni zu rechnen. Wer soll sich denn da noch auskennen? Die Stadt Schwandorf hat nun erstmal entschieden, alles weiterlaufen zu lassen – wohl auch, um Verwirrung vorzubeugen.
Der Zahlendschungel lässt grüßen
Und da wären wir mal wieder bei der deutschen Korrektheit. Nicht falsch verstehen. Natürlich braucht es gesetzliche Regelungen. Und dass die Prostitution, die häufig mit anderen Straftaten verbunden ist, eben nicht in jedem noch so kleinen Örtchen erlaubt sein kann, leuchtet auch ein.
Doch für Städte wie Schwandorf, die wohl auch die nächsten Jahre immer wieder mal unter, mal über der magischen 30 000er-Marke liegen werden, wird das Thema Prostitution ein schwieriges und für alle Parteien undurchsichtiges Thema bleiben. Der Zahlendschungel lässt grüßen.
Bei all dem Irrsinn könnte man ja schon glatt auf die Idee kommen, eine Rotlicht-Ampel aufzustellen. Klären müsste man lediglich, was die Farbe Rot bedeutet: Freie Fahrt oder Stopp!
Dieser Kommentar gehört zu folgendem Haupttext: Frustrierte Prostituierte in Schwandorf: „Geschäft läuft schlecht“ – Posse um Legalität