Sebastian Koch setzt den Rotstift an: Mammut-Projekt Schulzentrum diktiert Wenzenbachs Haushalt

Von Benedikt Baumgartner · 21. Februar 2025 um 19:00

Kämmerin Elena Hofstetter bescheinigt ihrem Chef, Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch, ordentliches Bemühen bei der Erstellung des diesjährigen Haushalts: „Er ist schon engagiert, auch beim Sparen.“

Die neue Knausrigkeit des Bürgermeisters wird von einem Mammutprojekt diktiert: dem mit fast 60 Millionen Euro veranschlagten Neubau des Schulzentrums mit Grund- und Mittelschule sowie Dreifachturnhalle und saniertem Verwaltungstrakt. Trotz dieses „gigantischen Kostentreibers“ sagt Koch: „Wir müssen den Gürtel enger schnallen. Das heißt aber nicht, dass gar nichts mehr geht.“

Bei Festen wird künftig gespart

Dennoch gebe es ein paar Kröten zu schlucken. Hofstetter hat eine Vorschlagsliste an Einsparungen im Haushaltsentwurf zusammengestellt. Die Energiekarawane wird ab 2026 erst einmal nicht mehr durch Wenzenbach ziehen, das spart 14 500 Euro. Die Kosten für Bürgerfest, Adventsmarkt und Fasching werden in 2026 und 2028 um 20 000 Euro reduziert. Ebenso viel soll gespart werden, indem das Jazzweekend nicht mehr auf dem Schlosshof gastiert. „Das ist schon bedauerlich, das war prestigeträchtig“, sagt Koch. „Aber 20 000 Euro für ein Wochenende ausgeben, das geht nicht mehr. Das ist schon ein Zeichen.“

Auch Herzensprojekte fallen

Deutlich größere Summen lassen sich bei Bau-Projekten einsparen. Die Sanierung der Straße zwischen Irlbach und Grünthal, neue Straßenbeleuchtung, Balkon-Photovoltaik-Förderung: alles gestrichen. Ab 2026 wird auch das Baukindergeld erst einmal ausgesetzt. „Das war ein bisschen unser Baby“, sagt Koch zu einem Herzensprojekt. „Am Ende wird der Hausbau aber nicht an 2500 Euro pro Kind scheitern.“ Deutlich reduziert werden die angesetzten Kosten bei der Kanalsanierung, den Ertüchtigungen von Sandhofstraße und Waldheimweg, der Dorferneuerung Grünthal und der Gestaltung des Kreisverkehrs. Allein diese Beispiele entlasten die Gemeindekasse um fast 1,5 Millionen Euro.

Wohl noch kein Kredit nötig

Die Rücklagen werden in diesem Jahr dennoch fast vollständig aufgebraucht. Zehn Millionen Euro werden entnommen, es bleibt ein Puffer von knapp 500 000 Euro. Zudem enthält Hofstetters Haushaltsentwurf eine Kreditaufnahme in Höhe von 3,9 Millionen Euro. Wobei die Kämmerin anmerkt: „Ich gehe schwer davon aus, dass wir dieses Jahr noch keine Kredite brauchen.“ Tritt ihre Prognose ein, wird es der letzte schuldenfreie Wenzenbacher Haushalt für viele Jahre sein.

„Wenn man sieht, was in unserer Gemeinde parallel läuft, da gibt es nicht viele Kommunen“, verteidigt Koch das Ende der fetten Jahre. Das Kinderhaus mit Tagespflege für Senioren verschlingt 13 bis 14 Millionen Euro, das Schulzentrum wird aktuell mit 59 Millionen Euro veranschlagt. Die ersten 4,5 Millionen Euro sind in diesem Haushalt für Abbrucharbeiten und den Keller der neuen Mittelschule eingeplant. „Das ist schon bemerkenswert, was wir in soziale Infrastruktur investieren“, stellt Koch sich und seiner Verwaltung ein Lob aus. „Ich habe mir große Mühe gegeben, Wenzenbach zu der familienfreundlichsten Gemeinde im Landkreis zu machen. Wenn wir das alles umsetzen, können wir das mit Fug und Recht behaupten.“

Wie hoch türmen sich bald die Schulden?

Das hat jedoch auch seinen Preis. In einer konservativen Rechnung kommt Hofstetter auf über 25 Millionen Euro an Schulden, die Wenzenbach in den nächsten Jahren aufnehmen muss. Sie und Koch gehen aber von einem positiveren Verlauf aus. „Ich prophezeie, dass wir am Ende nicht über 20 Millionen Euro kommen“, sagt Koch. Bauverzögerungen oder ein spürbarer Anstieg der Gewerbesteuer könnten den Kreditbedarf drücken. Auch finanzieller Puffer sei einberechnet. „Es ist ja nicht so, dass uns nach dem Schulkomplex die Ideen ausgehen“, sagt Koch. „Wir hätten schon wieder einige.“

Die Einnahmen sprudeln

Neben den massiven Investitionen belasten steigende Personalkosten und die Kreisumlage den Wenzenbacher Haushalt. Die Abgabe an den Landkreis ist mit einer Steigerung von 5,5 Prozentpunkten in den Haushaltsentwurf eingerechnet. Für Wenzenbach bedeutet das eine Mehrausgabe von einer Million Euro.

Doch auch die Einnahmen sprudeln. Von der schwächelnden Konjunktur in Deutschland ist in Wenzenbach wenig zu spüren. Hofstetter rechnet mit unverändert hohen Gewerbesteuereinnahmen. Den Einkommenssteueranteil hat sie mit über acht Millionen Euro angesetzt. In Sachen Steuerkraft pro Einwohner ist Wenzenbach auf Rang fünf unter den 41 Landkreiskommunen vorgerückt.

Entscheidung über Haushalt Ende März

Nichtsdestotrotz erfordern die Rekord-Investitionen der nächsten Jahre das Priorisieren von Projekten und das Rechnen mit spitzem Stift. Entschieden wird über den Haushalt in der Gemeinderatsitzung am 25. März. Mit den Einsparungen sollte jede Fraktion mitgehen können, meint Koch. Auch wenn ihm bewusst ist: „Jeder hat eine Kröte zu schlucken.“

Der angedachte Haushalt in Zahlen

Volumen: Der gesamte Haushalt umfasst im Entwurf einen Umfang von 43,3 Millionen Euro. Das Volumen des Vermögenshaushalts fällt mit 22,2 Millionen Euro um knapp 300 000 Euro geringer aus als im Vorjahr. Der Verwaltungshaushalt steigt um gut 1,3 Millionen Euro auf einen neuen Rekordwert von 21,1 Millionen Euro.

Einnahmen: Die Haupteinnahmequellen im Verwaltungshaushalt sind der Einkommenssteueranteil (8,1 Millionen Euro), die Gewerbesteuer (5,5), die Schlüsselzuweisungen (1,2) und die Grundsteuern (1,0). Im Vermögenshaushalt sorgen Grundstücksverkäufe (2,4) und Fördermittel für Westumfahrung und Südspange (2,1) für die größten Einnahmen. Zehn Millionen Euro werden aus Rücklagen entnommen. Eine Kreditaufnahme (3,9) ist im Entwurf eingeplant, Kämmerin Hofstetter hält den tatsächlichen Bedarf aber für eher unrealistisch.

Ausgaben: Als größter Ausgabenposten im Verwaltungshaushalt ist die Kreisumlage (6,4 Millionen Euro) angesetzt, gefolgt von Personalkosten für Kinder- und Schülerbetreuung (4,0) und Personalkosten der Verwaltung (4,0). An Investitionen im Vermögenshaushalt schlagen vor allem das Kinderhaus mit Tagespflege in Irlbach (9,1) und der Start der Bauarbeiten am Schulzentrum (4,5) zu Buche.