Keine Landkreis-Gemeinde ist reicher: Wenzenbachs Weg zum Wohlstand

Über viele Jahre ist der Geldspeicher gefüllt worden, jetzt wird investiert. Wenzenbach hat sich zur wohlhabendsten Gemeinde des Landkreises gemausert. Mit dem Bau des Kinderhauses in Irlbach und vor allem dem mittlerweile auf 57 Millionen Euro taxierten Schulzentrum sind die Zeiten mit komfortablen Rücklagen aber bald passé – und damit die Beinfreiheit der Verwaltung in Sachen freiwillige Leistungen.
14,2 Millionen Euro beträgt der Kontostand Wenzenbachs tagesaktuell. Der Spitzenplatz bei den Ersparnissen unter den Landkreis-Gemeinden hat mehrere Ursachen.Die Einnahmen stiegen, ohne dass im großen Stil Geld ausgegeben wurde. Die Steuereinnahmen im Verwaltungshaushalt wuchsen von 9,9 Millionen Euro im Jahr 2015 auf voraussichtlich 17,1 Millionen Euro in diesem Jahr, informiert Kämmerin Elena Hofstetter. Den Löwenanteil daran machen Gewerbesteuer und Einkommenssteueranteil aus, der für die Gemeinde 15 Prozent des Steueraufkommens beträgt. In Wenzenbach summiert sich dieser Anteil heuer auf 7,2 Millionen Euro. „Man kann davon ausgehen, dass recht wohlhabende Menschen bei uns leben“, sagt Bürgermeister Sebastian Koch.
Steuern füllen die Wenzenbacher Gemeindekasse
Die hohen Baugrundpreise im Speckgürtel Regensburgs ziehen Zugezogene mit hohem Einkommen an. In sozialer Hinsicht hält Koch das Preisniveau für bedenklich, der Gemeindekasse kommt es aber zugute. „Ein großes Baugebiet wie der Roither Berg oder der Schönberg bringt uns mehrere Hundertausend Euro jährlich“, sagt Koch.
Auch die Gewerbesteuereinnahmen steigen seit Jahren konstant und beträchtlich. Dies begründet Koch mit erfolgreichen Jahren einiger größerer Unternehmen im Gemeindegebiet. Bis auf ein kleines Mischgebiet in Gonnersdorf wurden zuletzt keine Gewerbegebiete ausgewiesen. Mit Blick auf heiß begehrte Flächen an der Grenze zu Regensburg, deren Ausweisung angestrebt wird, sieht Koch das Ende der Fahnenstange nicht erreicht. Schon heuer übersteigen die voraussichtlich eingenommenen 6,1 Millionen Euro die im Haushalt veranschlagten 4,1 Millionen Euro deutlich.
In Wenzenbach sparsam trotz Erspartem
Trotz der steigenden Einnahmen hat die Kommune in den zurückliegenden Jahren sparsam gewirtschaftet. „Es gab wenige Prestigeprojekte in Wenzenbach“, sagt Koch. Die Versuchung war durchaus da. Zu Beginn seiner Amtszeit 2014 wurde eine millionenschwere Kulturhalle „glücklicherweise“ per Bürgerentscheid verhindert. Auch über ein Naturbad nahe der Mittelschule sei diskutiert worden – es ist dann doch nicht gekommen. Hohe laufende Kosten bleiben dem Haushalt somit erspart.
Für beschlossene Maßnahmen hat man eine Projektleitung in der Verwaltung installiert, aktuell bekleidet diesen Posten Katrin Brey. „Dadurch haben wir schon sehr gut Fördergelder gezogen und die Kostenentwicklung im Blick“, sagt Koch. Ein weiterer „Erfolgsfaktor für Wenzenbach“ sind laut Koch die stets knappen Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat. Vorschläge der Verwaltung werden nie einfach durchgewunken, „man muss alles sauber durchrechnen und durchargumentieren“.
Schulzentrum-Kosten bestimmen Schuldenhöhe
Die Zeit des Sparens ist in Wenzenbach nun vorbei und damit bald auch die kurze Periode als reichste Gemeinde, aktuell folgt Zeitlarn auf Platz zwei. Für das Kinderhaus in Irlbach werden 13,3 Millionen Euro ausgegeben, für den Neubau des Schulzentrums mit Dreifachturnhalle gar 57 Millionen Euro – nach jetzigem Planungsstand. Zunächst werden ab kommendem Jahr die Rücklagen abgeschmolzen, wohl ab 2025 wird mit der Aufnahme von Krediten begonnen, insgesamt in zweistelliger Millionenhöhe.
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Und damit endet die relative Gestaltungsfreiheit, die Bürgermeister Koch bislang in Haushaltsfragen genoss. Mit der Gießkanne seien die freiwilligen Leistungen auch bislang nicht verteilt worden, künftig wird man sich aber zunehmend einschränken müssen. Vereine, allen voran der Sportverein, werden massiv unterstützt, Balkon-PV-Anlagen gesponsort, Baukindergeld wird gewährt. Die Beiträge für Bücherei, Krippe und Kindergarten, wo nur bei Höchstbuchung Gebühren fällig werden, sind bislang günstig. „Als Kämmerin empfehle ich immer bei den freiwilligen Leistungen sparsam zu sein, jetzt umso mehr“, sagt Hofstetter. Sie schiele aber oft auf ihren Heimatlandkreis Schwandorf. Dagegen wird Wenzenbach „Luxusprobleme“ haben. „Es wird schon noch was möglich sein.“ 2022 betrug die freie Finanzspanne 5,7 Millionen Euro. Hofstetter plant mit Kredittilgungen unter einer Million Euro pro Jahr, es bleibt somit Finanzierungsspielraum für freiwillige Leistungen.
Projekte auf dem Prüfstand
In Sachen Flächenkauf können lediglich kleine, günstige Flecken erworben werden. Dabei sagt Koch: „Wir sind reich an finanziellen Rücklagen, aber nicht reich, was Flächen betrifft.“ In den 90er Jahren sei viel Tafelsilber veräußert worden.
So manches angedachte Projekt wird wohl auf die lange Bank geschoben werden müssen, etwa die energetische Sanierung des Rathauses oder eine attraktive Umgestaltung des jetzigen Grundschulgebäudes zu einem Haus der Vereine. Die Ortsdurchfahrt Grünthal gelte es sicher für Radfahrer und Fußgänger umzubauen, ohne den Autoverkehr komplett zum Erliegen zu bringen. Ein wichtiges Projekt, sagt Koch, „aber wenn wir das Thema angehen, sind wir weitere Millionen los.“ Und die fehlen ohnehin bald in der Kasse der aktuell reichsten Gemeinde im Landkreis.
Die Steuereinnahmen sprudeln
Sattes Plus: Seit Jahren steigen die Steuereinnahmen in Wenzenbach an. 2015 betrugen die Gesamteinnahmen 9,9 Millionen Euro, 2017 dann 11,7 Millionen Euro, 2019 12,5 Millionen Euro und 2021 13,9 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr sprangen die Einnahmen auf 15,6 Millionen Euro, heuer werden sie voraussichtlich 17,1 Millionen Euro erreichen.
Einnahmen: Die Gewerbesteuer und der kommunale Einkommensteueranteil haben mit voraussichtlich 6,1 bzw. 7,2 Millionen Euro den größten Anteil an den Einnahmen der Gemeinde. Die Gewerbesteuer betrug 2015 noch 1,7 Millionen Euro – ein Plus von 359 Prozent in acht Jahren. Der Einkommenssteueranteil stieg seit 2015 um zwei Millionen Euro.