Schulzentrum Wenzenbach: Die Kosten machen den nächsten Sprung

Nach dem Preisschock im Schulbauausschuss vor fünf Wochen – die Kostenberechnung stieg von 30 auf 51 Millionen Euro – tat eine Lobeshymne Not, um die dunklen Wolken über dem Projekt zu vertreiben. Denn der nächste Kostensprung auf 57 Millionen Euro war zu verzeichnen.
Voll des Lobes für die Planung des Schulzentrums ging Bürgermeister Sebastian Koch (SPD) also in die Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Ein „zukunftsweisendes Konzept“ sei das, man könne „sehr stolz“ sein im Gemeinderat, der Schulgarten werde erhalten, „die Dreifachturnhalle mit Tribüne wird uns auf ein ganz neues Level heben, was Sportveranstaltungen betrifft“, als Tafelsilber würden Pufferflächen zurückgehalten für mögliche Verkäufe in der Zukunft.
Schuldenjahre stehen bevor
Und der nächste Kostensprung musste vermeldet werden: Mittlerweile gehen die Planer bei aktuellen Baukosten von einem Preis in Höhe von 57 Millionen Euro aus. Mit diesem Projekt und dem rund 13 Millionen Euro teuren Kinderhaus in Irlbach werde Wenzenbach – die wohlhabendste Gemeinde im Landkreis, wie Koch erneut betonte – für die kommenden zehn bis 20 Jahre Schulden aufnehmen. Er betonte aber auch: „Es gibt weitaus schlechtere Investitionen als die in unsere Bildung.“
Nach neuerlicher Rücksprache mit der Schulleitung präsentierte Architekt Joachim Gutthann den aktualisierten Plan des Neubaus des Schulzentrums mit Dreifachturnhalle. Die schwerwiegendste Änderung: Die Mittelschule und die Grundschule werden getauscht, damit die jüngsten Schüler einen kürzeren Weg zur und von der Turnhalle haben. Daher wird im kommenden August im ersten Bauabschnitt mit dem Mitteschulneubau begonnen. Nach aktuellem Zeitplan folgt im Juli 2025 der zweite Bauabschnitt mit der neuen Dreifachturnhalle. Bauabschnitt drei, der Grundschulneubau, soll im Oktober 2027 starten. Den Abschluss bildet nach jetziger Planung von Juni 2029 bis Dezember 2030 die Generalsanierung des alten Mittelschulgebäudes als Fachklassen- und Verwaltungstrakt. Verzögerungen im Bau sind möglich, bei der Projektlaufzeit über sechs Jahre ist von weiter steigenden Baupreisen auszugehen.
Rüffel für Projektsteuerer
Entsprechend stellt sich dem Gemeinderat die Frage: Wo kann man sparen? Den Rotstift ansetzen könne man am ehesten bei der Haustechnik, sagt Architekt Gutthann. Insgesamt schlägt sie mit 13,9 Millionen Euro zu Buche. Auch zum Kostenpunkt Freianlagen und Tiefbau mit sechs Millionen Euro müsse man mit dem Fachplaner noch einmal sprechen.
„Die Zahlen sind mit heißer Nadel gestrickt“, um bis Ende Oktober den Förderantrag stellen zu können, sagte Projektsteuerer Christoph Vockerodt – und holte sich dafür gemeinsam mit Gutthann einen heftigen Rüffel von Gerhard Waldherr (SPD) ab, weil dem Gremium die aktuelle Kostenberechnung erst am Tag der Abstimmung geliefert wurde: „Wenn Sie als Projektsteuerer das nicht in den Griff bekommen, sind Sie am falschen Platz.“
Einstimmiges Votum
Vockerodt schlug vor, einen Katalog mit 15 bis 20 Posten vorzulegen, bei denen nennenswerte Einsparungen möglich seien. Auf dieser Grundlage könne das Gremium diskutieren, was will man, was will man nicht. Gutthann stellte ein Reduzierungspotenzial von „500000 bis eine Million Euro, vielleicht zwei Millionen“ in Aussicht. Die zu treffende Entscheidung beschrieb Bürgermeister Koch bildhaft: „Für uns ist die Frage, ob wir auf die Nebelwand zusteuern in der Hoffnung, dass uns das intelligente Fahrsystem heil durchführt. Oder wir treten auf die Bremse. Aber was soll das bringen?“
Die Rückmeldung von den Fraktionssprechern fiel eindeutig aus: Gebremst wird nicht. Bernhard Pielmeier (CSU) bekräftigte: „In der ganzen Dimension stehen wir hinter dem Projekt.“ Man habe intern und extern Fehler in der Berechnung und Kommunikation der Kosten gemacht. Auch Gerhard Bäumler (FW) betonte: „Wir gehen in ein Projekt, das wir für Generationen machen.“ Allerdings solle eine Schmerzgrenze – etwa 60 Millionen Euro – definiert werden, die an Ausgaben nicht überschritten wird. Die Gemeindeverwaltung rechnet mit Gesamtfördermitteln von 18,6 Millionen Euro für das neue Schulzentrum.
Trotz der weiteren Kostensteigerung setzte der Gemeinderat ein starkes Signal für das Projekt. Einstimmig wurde die vorgestellte Planung beschlossen und die Kosten als Grundlage für den Förderantrag angenommen. Verwaltung und Projektsteuerung werden beauftragt, die Kosten auf Einsparungspotenziale abzuklopfen. Ergebnisse sind dem Gemeinderat spätestens im Februar zu präsentieren, damit vor der Ausschreibung des ersten Bauabschnitts der Trend bei den Kosten umgekehrt wird.
So hohe Schulden erwarten Wenzenbach
Ausgaben: Kämmerin Elena Hofstetter stellte künftige Ausgaben der Gemeinde vor, um die Belastung durch den Schulneubau auf die Haushalte bis 2030 zu veranschaulichen. Neben den 57 Millionen Euro für das Schulzentrum rechnet sie in die Vermögenshaushalte das Kinderhaus Irlbach mit 13,3 Millionen Euro, fiktive Ausgaben mit zehn Millionen Euro und Sonstiges mit 19,6 Millionen Euro ein. Somit sind Ausgaben in Höhe von 100 Millionen Euro geplant.
Kredit: Für die Investitionen macht die Gemeinde Schulden. Bei „sehr konservativer Schätzung der Steuereinnahmen“ beträgt der Kreditbedarf 22,2 Millionen Euro bis 2030, bei positiver Rechnung, die Hofstetter für wahrscheinlicher hält, zehn Millionen Euro bis 2032. „Wir werden uns auf eine gewisse Durststrecke einstellen müssen“, sagt Bürgermeister Koch zu künftigen freiwilligen Leistungen.