Obwohl günstigere Lösungen kommen: Kosten für Wenzenbacher Schulzentrum klettern weiter

Von Benedikt Baumgartner · 8. März 2024 um 19:00

Hoffnung versprühte der vierte und letzte Punkt der Tagesordnung im Vorfeld der Sitzung des Schulbauausschusses: die Vorstellung möglicher Einsparpotenziale durch die am Schulzentrum beteiligten Planungsbüros. Damit sollte eine Schubumkehr bei der stetig steigenden Kostenberechnung – anfangs war von 30 Millionen Euro Gesamtkosten die Rede, zuletzt von 57 Millionen Euro – bewerkstelligt werden.

Bei der Eröffnung der Sitzung kündigte Bürgermeister Sebastian Koch an, dass sich „einiges an Einsparpotenzial aufgetan“ habe. Bernhardswalds Bürgermeister Florian Obermeier und Stellvertreter Markus Auburger spitzeten auf den Zuschauerplätzen die Ohren, schließlich ist die Nachbargemeinde an den Kosten der neu geplanten Wenzenbacher Mittelschule zu etwa 43 Prozent beteiligt (die MZ berichtete).

Schubumkehr gelingt nicht

Koch verwies aber auch auf „sehr schlechte Werte“, die nach dem Bodengutachten gemeldet worden seien. „Hier können gewisse Mehrkosten auftreten.“ Die Schubumkehr bei der Kostenprognose gelingt dadurch nicht.

Die projektleitende Architektin Silvia Jäger präsentierte zunächst den aktuellen Planungsstand mit Details wie der Positionierung von Toiletten, Lehrerzimmern, Verbindungsgängen und Treppenhäusern, Faltwänden im Marktplatzbereich für die Bestuhlung bei größeren Veranstaltungen sowie Freisitz bei der Mensa.

Kein Unterricht auf Baustelle

Die schulaufsichtliche Genehmigung sei von der Regierung bereits erteilt. Im August könne mit dem Abriss begonnen werden. In vier Schritten werden zunächst die Mittelschule, dann die Dreifachturnhalle und die Grundschule neu gebaut sowie abschließend, nach jetzigem Stand bis Ende 2030, der Verwaltungs- und Fachklassentrakt saniert. Hier wird auf eine Putz- statt Holzfassade umgeplant, was Kosten einspart. Auch das Interimsbelegungskonzept während der Bauphasen sei mit der Gemeinde bereits abgestimmt. Weder Grund- noch Mittelschüler werden auf einer Baustelle unterrichtet, sondern aus ihren gewohnten Räumen in die Neubauten umziehen. Bei der Freiflächengestaltung lautet das Zauberwort Aufenthaltsqualität. Die soll in unterschiedlichen Bereichen für Kinder verschiedenen Alters gerecht gestaltet werden. Über 40 Parkplätze, Bushalteplätze und überdachte Fahrradstellplätze sind geplant.

Das „Grande Finale“: die aktuelle Kostenberechnung

„Kommen wir zum Grande Finale des heutigen Abends“, leitete Koch zur Vorstellung der Einsparpotenziale und der aktuellen Kostenberechnung über. Jäger nannte die Summe von 59564188,92 Euro. Die Kostenprognose von Ende Oktober lag bei 57 Millionen Euro. Drei Posten aus einem ganzen Bündel an möglichen Einsparungen erachtete die Verwaltung als sinnvolle Reduzierungen: statt Foamglas-Flachdach ein Kalzip Naturdach auf dem Fachklassen- und Verwaltungstrakt, Sicherheitsbeleuchtung mit Einzelbatterien statt Zentralbatterie und Verzicht auf die Bühnentechnik im Mehrzweckraum der Grundschule. Dadurch werden rund 450000 Euro eingespart. Der Ausschuss folgte einstimmig den Überlegungen der Verwaltung, sodass die Planung mit einer Kostenprognose von rund 59 Millionen Euro in eineinhalb Wochen in den Gemeinderat geht.

Als in der Diskussion Ausschussmitglied Margarete Rauch den Wunsch der Schulleitung nach mehr Klassenräumen im Erdgeschoss äußerte, verwies sie darauf, dass man in der „finalen Phase“ der Planung sei. Da lächelte Obermeier auf seinem Zuschauerplatz nur hintersinnig. Die Planung des Schulzentrum findet er schlüssig und zukunftsweisend, doch die Kosten für die Mittelschule sprengen die Bernhardswalder Vorstellungen.

Koch bezirzt Bernhardswald

„Man hätte uns bei 8,4 Millionen Euro mitnehmen müssen“, sagt Obermeier. Ab dieser Summe kann Wenzenbach nicht mehr allein über den Mittelschulbau entscheiden. Entsprechend startete Koch in der Sitzung eine Charmeoffensive um die Unterstützung der Nachbargemeinde, stellte scherzhaft ein Obermeier-Mosaik oder einen Fassadenanstrich in den Farben des Bernhardswalder Wappens in Aussicht. „Ich glaube schon, dass er ein bisschen nervös ist“, sagte Obermeier im Nachhinein auf MZ-Anfrage. Am 19. März geht die Planung in den Wenzenbacher Gemeinderat, tags darauf in das Bernhardswalder Gremium. Finden die beiden Gemeinderäte keinen Konsens, folgt ein Schlichtungsversuch am Landratsamt. Der geplante Beginn der Abbrucharbeiten im August dürfte dann Makulatur sein.