Kids begleiten mit fundiertem Knowhow – so bereitet Kelheims neue Fachakademie darauf vor

Von der Krippe bis zum Jugendtreff: Alle brauchen sie pädagogisch fitte Betreuungskräfte. Einen heiß ersehnten Fitmacher gibt es ab September am Beruflichen Schulzentrum Kelheim: Dort startet dann die Fachakademie für Sozialpädagogik. Die Voraussetzungen, den Ablauf und die Perspektiven dieses sehr praxisbezogenen Studiums stellen Schulleiter Hubert Ramesberger und seine Stellvertreterin Yvonne Ruscheinsky hier vor.
• „Anreise“: Mehrere Wege führen zur neuen Fachakademie für Sozialpädagogik (FAK). Einer ist die Berufsfachschule für Kinderpflege, die es am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Kelheim schon gibt: Nach erfolgreichen zwei Jahren dort ist man staatlich geprüfte/r „Kinderpfleger/in“, hat die Mittlere Reife und kann auf die FAK gehen. Ein zweiter Weg ist die allgemeine Hochschulreife (zB. per Gymnasium) oder die fachgebundene (z.B. via FOS/Sozialwesen), mit der man auch direkt an die FAK gelangt; man muss allerdings Praktikumsstunden nachweisen. Wer Mittlere Reife hat, absolviert erst ein „Sozialpädagogisches Einführungsjahr“ (SEJ), das halb aus (vergütetem) Praktikum, halb aus Unterricht besteht; danach ist die Tür zur FAK offen. Das SEJ wird ebenfalls am Kelheimer BSZ angeboten.
• Aufnahme: Für die neue FAK in Kelheim startet in den nächsten Tagen die Anmeldephase; dafür benötigt man vor allem sein Schul- bzw. Fachschul-(Zwischen-)Zeugnis; Nicht-Muttersprachler brauchen einen Sprachnachweis (mindestens B2). Eine Zulassungsprüfung oder ähnliches gibt es nicht. „Diejenigen, die schon bei uns an der Berufsfachschule waren oder sind, kennen wir eh und könne sie beraten“, ob die FAK der richtige Weg ist, sagt Yvonne Ruscheinsky. Ebenso sind Beratungs- und Vorstellungsgespräche für externe Interessierte möglich.
Für die FAK-Zeit braucht man eine Praktikumsstelle; bei Bedarf kann man vom BSZ eine Liste mit Anbietern erhalten.
• Ablauf: Die FAK beginnt nach den Sommerferien und dauert drei Jahre. Die ersten zwei bestehen pro Woche aus je vier Tagen Unterricht und einem Tag an der Praktikumsstelle. Schwerpunkte in der Schule sind Pädagogik, Psychologie und Heilpädagogik; es fließen Aspekte aus Kognitions- und verwandten Wissenschaften ein. Auch einschlägiges Recht wird vermittelt, etwa zu Aufsichtspflichten oder dem Kinder-Betreuungs-Gesetz. Bei MINT- und anderen Fächern geht es vor allem darum, wie man deren Inhalte pädagogisch an Kinder und Jugendliche vermittelt.
Überhaupt bestehe der Unterricht „aus ganz viel Praxis“, schildert Vize-Schulleiterin Ruscheinsky: „Man erarbeitet zum Beispiel ein Angebot und spielt es in der Gruppe durch“. Ergänzend belegt man mindestens ein, maximal drei Wahlpflichtfächer. Das Angebot hierzu werde derzeit erarbeitet; eines sei auf jeden Fall das „Resilienz-Training“, um sich für die Herausforderungen des Berufs zu wappnen.
Das dritte FAK-Jahr absolviert man überwiegend auf der Praktikumsstelle – um das bisher Gelernte praktisch auszuprobieren und umzusetzen. Alle 14 Tage trifft man sich aber zum Seminartag am BSZ; man bespricht Fälle aus der Praxis, die geforderte Facharbeit sowie Fragen zum Beruf.
• Praxis: Als Praktikumsstelle – wie auch später als Arbeitgeber - sind grundsätzlich alle Einrichtungen geeignet, „an denen Kinder und Jugendliche sozialpädagogisch betreut werden“, erklärt Schulleiter Hubert Ramesberger: von der Kita über den Schülerhort bis zum Jugendtreff und ähnlichen Einrichtungen. „Eine Schülerin hat sich zum Beispiel bei der ,Schule für Kranke‘ beworben“, an der Kinder und Jugendliche in besonders schweren Lebenssituationen unterkommen, erzählt Yvonne Ruscheinsky.
• Abschluss: Am Ende des zweiten FAK-Jahrs absolviert man die Theorieprüfung. Nach Jahr drei steht die Praxisprüfung an: Man erstellt zu einer zugewiesenen Aufgabe ein pädagogisches Angebot, bereitet es vor und führt es an der eigenen Praktikumsstelle durch. „So ähnlich wie bei einer Lehrprobe“, vergleicht es Hubert Ramesberger.
Wer Theorie- und Praxis-Prüfung besteht, ist staatlich anerkannte/r Erzieher/in und trägt auch den Titel „Bachelor Professional“.
• Finanzen: Der FAK-Besuch ist kostenlos; an der Praktikumsstelle erhält man eine Vergütung. Wer die sozialen Voraussetzungen erfüllt, kann Aufstiegs-Bafög beziehen. Und wer die FAK erfolgreich abschließt, hat Anspruch auf die 3000 Euro Weiterbildungs-Bonus des Freistaats.
• Perspektiven: Die FAK soll vor allem für Leitungsaufgaben befähigen, also etwa die Gruppen- oder Einrichtungsleitung. Derzeit suchen Gemeinden und Einrichtungsträger händeringend nach solchem qualifizierten Personal. Die Nachfrage werde auf Jahre hinaus hoch bleiben; gerade im Kreis Kelheim mit seiner steigenden Einwohnerzahl, ist BSZ-Leiter Ramesberger überzeugt: Die Kommunen sind ab nächstem Jahr zur Ganztagsbetreuung für Grundschüler verpflichtet; außerdem wünschen sich immer mehr berufstätige Eltern qualifizierte Betreuungsangebote für ihre Kinder. Und weil die FAK auf alle Stufen des Erwachsen-werdens abzielt, sind Absolvierende entsprechend vielseitig in der Berufswahl.
Vor dem Hintergrund sei auch die Konkurrenz um die neuen Standorte für Fachakademien groß gewesen, ergänzt der Schulleiter: Zuletzt sei‘s durchaus noch eine Zitterpartie gewesen, dass das vom Landkreis getragene BSZ Kelheim den Zuschlag bekam. „Wir freuen uns narrisch, dass es geklappt hat“, erklärt strahlend Yvonne Ruscheinsky.
Gemeinsamer Weg, unterschiedliche Ziele
Viele Schüler/innen der Berufsfachschule für Kinderpflege in Kelheim wollen im Anschluss noch die Fachakademie für Sozialpädagogik (FAK) besuchen. So auch Emily (li.) und Annamaria (17):
Emily: „Ich möchte Kinder fördern, so gut es geht, und sie auf einem Teil ihres Lebenswegs begleiten“, sagt die Mainburgerin. Sie absolviert derzeit ein Praktikum in Kelheimwinzer und sieht sich auch künftig in der Arbeit mit Kleinkindern, am liebsten in einer Kinderkrippe. „Auch die Zusammenarbeit mit Eltern ist schön“. Mit FAK-Abschluss könne sie mehr Verantwortung übernehmen und habe beruflich mehr Möglichkeiten.
Annamaria erhofft sich vom FAK-Abschluss eine größere berufliche Bandbreite – und bessere Gehaltsperspektiven. Die Paintnerin will später ebenfalls eine Stelle mit Eigenverantwortung, bevorzugt in einem Kinderheim. Vor allem eine Stelle mit der Möglichkeit, Angebote selbständig zu planen: „Das liebe ich!“
Weiterführende Infos gibt es auf der BSZ-Homepage
